So gehen Jugendliche mit den Videos der Brandkatastrophe auf Social Media um
In den sozialen Medien kursierten in der vergangenen Woche Videos und Fotos der Brandkatastrophe in Crans-Montana. Viele davon wurden von jungen Erwachsenen aufgenommen, die selbst vor Ort waren.
Sie gelangen in den Algorithmus von Teenagern und jungen Erwachsenen, die oft nicht wissen, wie sie mit den Bildern und Eindrücken umgehen sollen.
Eine Umfrage des «SRF» in Lausanne zeigt, dass die Bilder an den meisten Jugendlichen nicht spurlos vorbeigehen.
Bei vielen Jugendlichen bleiben offene Fragen zurück. Wieso sind sie Besucher der Bar nicht sofort raus? Wieso haben sie nicht schneller auf das Feuer reagiert? Die Fragen beantworten sie sich zunächst selbst, mit dem Schluss, dass man in dem Moment nicht realisiere, was passiert.
Andere Befragte beschäftigt auch, dass die Opfer und Verletzten in ihrem Alter sind oder sogar noch jünger. Man denke in diesem Alter nicht ans Sterben, nach einer solchen Katastrophe würde man aber merken, dass es doch möglich ist. Dies sagt eine 17-jährige Befragte.
Gegenüber SRF sagt die 16-jährige Sofia, dass sie die ungefilterten Bilder aus Social Media mitgenommen hätten. Man sehe Dinge, die man nicht sehen wolle, wie verbrannte Körper. Man sei der Gewalt einfach ausgesetzt, ob man will oder nicht.
Hilfesuchende bei 147
Die Notrufnummer 147 ist eine «Helpline» für Jugendliche, die Hilfe aller Art anbietet. Wie die Direktorin von Pro Juventute, Nicole Platel, gegenüber dem SRF sagt, habe man einen deutlichen Anstieg der eingehenden Anrufe bemerkt, besonders in der Romandie.
Doch nicht alle Jugendlichen würden gleich auf solche Bilder reagieren, wie der Kinder- und Jugendpsychologe Matthias Obrist sagt. Viele seien sich durch den Konsum von sozialen Medien bereits vieles gewohnt.
Obrist und Platel sind sich einig, dass die Jugendlichen mit diesen Bildern und den Gefühlen, die diese mit sich bringen, nicht allein gelassen werden dürfen. Es sei wichtig, ihnen zu sagen, dass diese Gefühle wichtig und normal sind. Somit schafft man auch Raum, darüber zu sprechen.
Die sozialen Medien hätten aber auch eine gute Seite, sagt Obrist. Dadurch, dass sie zum Alltag der Jugendlichen gehören, würden sie lernen, damit umzugehen. Und sie können Kontakt zueinander aufnehmen und sich miteinander austauschen und unterstützen. (nib)
