Schweiz
Wallis

Crans-Montana: So verarbeiten Jugendliche die Bilder und Videos

So gehen Jugendliche mit den Videos der Brandkatastrophe auf Social Media um

09.01.2026, 11:2609.01.2026, 14:42

In den sozialen Medien kursierten in der vergangenen Woche Videos und Fotos der Brandkatastrophe in Crans-Montana. Viele davon wurden von jungen Erwachsenen aufgenommen, die selbst vor Ort waren.

People react in tribute to the victims on the site of the fire at the 'Le Constellation' bar and lounge, in Crans-Montana, Switzerland, on Saturday, January 3, 2026. 40 persons lost their li ...
Zwei junge Erwachsene nehmen sich vor der Gedenkstätte für die Opfer in den Arm.Bild: keystone

Sie gelangen in den Algorithmus von Teenagern und jungen Erwachsenen, die oft nicht wissen, wie sie mit den Bildern und Eindrücken umgehen sollen.

Eine Umfrage des «SRF» in Lausanne zeigt, dass die Bilder an den meisten Jugendlichen nicht spurlos vorbeigehen.

«Wir hätten auch auf dieser Party sein können»
Die 16-jährige Sofia zur Brandkatastrophe.

Bei vielen Jugendlichen bleiben offene Fragen zurück. Wieso sind sie Besucher der Bar nicht sofort raus? Wieso haben sie nicht schneller auf das Feuer reagiert? Die Fragen beantworten sie sich zunächst selbst, mit dem Schluss, dass man in dem Moment nicht realisiere, was passiert.

Andere Befragte beschäftigt auch, dass die Opfer und Verletzten in ihrem Alter sind oder sogar noch jünger. Man denke in diesem Alter nicht ans Sterben, nach einer solchen Katastrophe würde man aber merken, dass es doch möglich ist. Dies sagt eine 17-jährige Befragte.

Gegenüber SRF sagt die 16-jährige Sofia, dass sie die ungefilterten Bilder aus Social Media mitgenommen hätten. Man sehe Dinge, die man nicht sehen wolle, wie verbrannte Körper. Man sei der Gewalt einfach ausgesetzt, ob man will oder nicht.

Hilfesuchende bei 147

Die Notrufnummer 147 ist eine «Helpline» für Jugendliche, die Hilfe aller Art anbietet. Wie die Direktorin von Pro Juventute, Nicole Platel, gegenüber dem SRF sagt, habe man einen deutlichen Anstieg der eingehenden Anrufe bemerkt, besonders in der Romandie.

A teenager uses his mobile phone to access social media, Sydney, Wednesday, Nov. 13, 2024. (Dean Lewins/AAP Image VIA AP)
Die Jugendlichen haben wenig Kontrolle darüber, ob ihnen die Bilder angezeigt werden oder nicht. (Symbolbild)Bild: keystone

Doch nicht alle Jugendlichen würden gleich auf solche Bilder reagieren, wie der Kinder- und Jugendpsychologe Matthias Obrist sagt. Viele seien sich durch den Konsum von sozialen Medien bereits vieles gewohnt.

Obrist und Platel sind sich einig, dass die Jugendlichen mit diesen Bildern und den Gefühlen, die diese mit sich bringen, nicht allein gelassen werden dürfen. Es sei wichtig, ihnen zu sagen, dass diese Gefühle wichtig und normal sind. Somit schafft man auch Raum, darüber zu sprechen.

Die sozialen Medien hätten aber auch eine gute Seite, sagt Obrist. Dadurch, dass sie zum Alltag der Jugendlichen gehören, würden sie lernen, damit umzugehen. Und sie können Kontakt zueinander aufnehmen und sich miteinander austauschen und unterstützen. (nib)

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Unglück in der Silvester-Nacht in Crans-Montana
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Unglück in der Silvester-Nacht in Crans-Montana

Während einer Silvesterfeier ins Neujahr 2026 in Crans-Montana VS kam es zu einer Explosion und einem Brand in der Bar «La Constellation».

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Die Momente vor dem Brand in Crans-Montana
Video: watson
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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ylene
09.01.2026 12:06registriert Januar 2016
Besonders auch bei den Social Media Plattformen hat das Prinzip "Eigenverantwortung" erneut leider völlig versagt
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Name_nicht_relevant
09.01.2026 11:52registriert Mai 2019
Diese Flut an Leid, trifft sogar mich mit 40. ich denke eine gute Lösung wäre ein Projektag mit Feuerwehr, wie man mit Feuer und möglichkeiten umgeht wäre eine gute Idee. So können Kinder und Jugendliche daraus lernen. Mir haben all die Kurse gut getan und ich drufte daraus lernen. Die Brandopfer im Video sollten alle Zensiert werden, man sollte solche Bilder nicht sehen müssen. Egal in welchem Alter.
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Gael Gartner
09.01.2026 13:01registriert Januar 2023
Keiner dieser Jugendlichen hätte so gehandelt, wenn sie die Gefahr einschätzen hätten können. Die Bar stand innerhalb von weniger als einer Minute im Vollbrand und es müssen um die 200 Menschen in der Bar gewesen sein. Sich durch herablassende Bemerkungen von den Opfern zu distanzieren ist zwar menschlich, aber empathielos, pietätlos und egozentrisch. Hören wir bitte damit auf und unterstützen die Trauernden in Gedanken und mit unserem Mitgefühl.
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