Crans-Montana Brandopfer meldet sich aus Spital
Melanie Van de Velde ist 32 Jahre alt und meldete sich über Facebook mit einem offenen Brief an die Welt. Sie ist eines der über 100 Brandopfer, die die Silvesternacht in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana überlebt haben.
In ihrem Brief, den sie auf Facebook veröffentlicht hat, schreibt die junge Mutter, dass sie vor wenigen Tagen ihre dritte Operation hinter sich gebracht hat. In allen drei dieser Operationen wurde ihr Haut transplantiert, denn rund 40 Prozent ihres Körpers sind verbrannt und tragen die Spuren der Silvesternacht.
Sie schreibt, dass sie nach den ersten zwei Transplantationen im Koma lag, beim dritten Mal nicht. Melanie schildert die Schmerzen, die sie erfahren hat, die ihr Körper während der Zeit im Koma nicht gespürt hat.
Seit der vergangenen Woche könne sie wieder alleine essen, ihre Hände würden dabei noch zittern. Am 19. Februar sei sie zum ersten Mal wieder 150 Meter gelaufen. Es habe all ihre Kraft verlangt, es habe geschmerzt und allen Mut gefordert, den sie hatte. Doch sie habe es geschafft.
Weiter schildert Melanie ihre Wahrheit. Sie sagt, die Zeit sei nicht für alle Betroffenen gleich stehen geblieben. Während einige ihr Leben zurückgeholt haben, muss sie ein neues aufbauen.
Sie bittet mit dem Brief alle, die Brandopfer dieser Nacht nicht zu vergessen.
Zum Ende ihres Texts sagt sie, dass Überleben nicht sei, aus dem Spital entlassen zu werden. Sondern jeden Tag mit einem Körper zu leben, der nie mehr derselbe sein werde und trotzdem weiterzumachen.
Der erste offene Brief
Am 8. Februar hat Melanie einen ersten offenen Brief auf ihrem Facebook-Profil geteilt. In diesem stellt sie sich vor. Sie sagt, dass sie eine Tochter hat und sie eines der Brandopfer von Crans-Montana sei.
Sie sei die junge Frau, die über das Geländer der Bar sprang, um den Flammen zu entkommen. Das Video, wie Melanie sich aus dem brennenden Lokal rettete, kursierte nach dem Brand in den sozialen Medien. Sie schreibt, dass in dem Moment, als sie über das Geländer sprang, das Feuer stärker war als die Angst. Doch zu bleiben hätte bedeutet, zu sterben.
Sie schreibt in ihrem ersten Brief, dass der Schmerz der Behandlungen nie wirklich verschwinden werde. Er dringe in den Körper ein. Sie werde nie mehr das Gesicht haben, das sie aus dem Spiegel kannte. Das Gesicht, das ihre Tochter kannte.
Ihren ersten Brief schrieb die 32-jährige Frau, weil sie will, dass sie nicht vergessen werden will. Sie will nicht, dass man vergisst, was die Brandopfer durchmachen. Sie möchte, dass man sieht, dass hinter den Verletzten dieser Nacht Menschen sind. (nib)
