Schweiz
Wallis

Crans Montana: Walliser Regierungspräsident kämpft mit Tränen

Walliser Regierungspräsident kämpft mit Tränen: «Unsere Spitäler sind komplett überlastet»

Erneut eine Tragödie im Kanton Wallis: Regierungspräsident Mathias Reynard zeigt sich im Westschweizer Fernsehen tief betroffen – und spricht über den aktuellen Wissensstand.
01.01.2026, 11:5401.01.2026, 12:30

Das Westschweizer Fernsehen RTS berichtet am Morgen nach der Silvester-Katastrophe in einer Sondersendung live. Journalist Cédric Jordan hat nach der Pressekonferenz der Behörden den Präsidenten der Walliser Regierung interviewt, Mathias Reynard. Wir geben das Gespräch hier auszugsweise wieder.

Es handelt sich um ein Ereignis, um eine Tragödie von internationaler historischer Tragweite. Es wird den Kanton noch lange prägen. Mathias Reynard, man wacht am Morgen mit diesem Grauen auf. Es herrscht Fassungslosigkeit.
Mathias Reynard: Ja, für die gesamte Bevölkerung ist es ein furchtbares Erwachen. Unsere Gedanken gelten vor allem den Familien, den Angehörigen und allen betroffenen und trauernden Menschen. Man spricht von Dutzenden Todesopfern und von Dutzenden, ja sogar von rund hundert Verletzten. Die meisten davon sind schwer verletzt. Unsere Gedanken gehen daher in erster Linie an sie. Sie gehen aber auch an die Rettungskräfte, an die Ambulanzteams, an die Polizei, an die Feuerwehr und selbstverständlich an das gesamte Spitalpersonal, das mit der Versorgung dieser Verletzten beschäftigt ist. Das ist absolut schrecklich, und wir rufen zur Solidarität auf.

epa12620319 Mathias Reynard, State Councillor and president of the Council of State of the Canton of Valais, talks to the media on occasion of a press conference informing about a fire that broke out  ...
Mathias Reynard spricht nach dem Unglück vor den Medien.Bild: keystone

Was man weiss: Um 1.30 Uhr kam es zu einer Explosion. Viele Menschen haben sie gehört. Schwarzer Rauch stieg auf. Über die Ursachen dieser Tragödie weiss man derzeit noch nichts.
Wir haben aktuell keine weiteren Informationen. Die Staatsanwältin wird sich zu diesen Punkten äussern. Was wir wissen, ist, dass es sich um einen Brand handelt. Es ist eine Tragödie. Unsere erste Priorität ist die Unterstützung der Menschen. Dazu gehört die Unterstützung der Familien durch eine psychologische Betreuungsstelle, die wir eingerichtet haben. Und selbstverständlich haben die medizinische Versorgung und die Pflege der Verletzten oberste Priorität. Es gibt extrem schwer Verletzte. Das Spital ist vollständig ausgelastet. Man muss sich die Situation in der Intensivpflege und in den Operationssälen vorstellen. Gleichzeitig erleben wir eine grosse Solidarität aus anderen Kantonen. Patientinnen und Patienten werden oder wurden bereits in andere Kantone und andere Spitäler verlegt, um dort spezialisierte Behandlungen, insbesondere für Schwerstbrandverletzte, zu erhalten.

Video: watson/Lucas Zollinger

Mitten in der Tourismussaison wird dieses Drama zwangsläufig auch international wahrgenommen. Sind unter den Opfern auch Touristinnen und Touristen?
Sehr wahrscheinlich, ja. Das dürfte die Realität sein. Wir sind ein Tourismuskanton. Menschen kommen gerne zu uns, darauf sind wir stolz. Und es ist richtig, dass wir erneut von einer Katastrophe betroffen sind, die nicht nur uns trifft, sondern weit über unsere Grenzen hinaus wirkt.

Es war ein schwieriges Präsidialjahr für Sie. Es gab die schweren Unwetter, es gab Blatten, und nun dieses Ereignis. Das ist viel.
Ja, das ist viel. Und gerade in solchen Momenten müssen wir solidarisch sein. Solidarität zwischen den Kantonen, Solidarität innerhalb der Regierungen und Behörden, und selbstverständlich auch Solidarität innerhalb der Bevölkerung. Wenn wir heute einen Appell an die Menschen richten können, die sich derzeit im Wallis aufhalten, dann ist es ein Appell zur Vorsicht. Unsere Spitäler sind aktuell komplett überlastet. Die Situation ist sehr schwierig. Alle verfügbaren Ressourcen werden eingesetzt, um so viele Leben wie möglich zu retten. Wenn Sie helfen wollen, dann bleiben Sie ruhig und verhalten Sie sich heute vorsichtig (kämpft mit den Tränen).

Man spürt die Emotionen, Mathias Reynard. Es ist schwer.
Ja, es ist schwer, weil ich an all die Menschen denke, die ihr Leben verloren haben, an ihre Familien und an die Verletzten. Es ist schwer.

Übersetzung: pmü (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Le Constellation
1 / 9
Le Constellation
quelle: screenshot google maps
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Explosion in Bar in Crans-Montana mit mehreren Toten an Silvester
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
33 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
AlsoDoch
01.01.2026 12:35registriert August 2024
Die Dimension dieser Tragödie ist unfassbar. Ich bin froh, dass die anderen Kantone mithelfen und verletzte Menschen aufnehmen. Die Anzahl an Schwerverletzten übersteigt die Möglichkeiten jeder Region in der Schweiz.
542
Melden
Zum Kommentar
avatar
Cundwiramurs
01.01.2026 12:50registriert März 2025
Ist mir auch aufgefallen, dass Mathias Reynard an der Pressekonferenz zwischendurch mit den Tränen gekämpft hat. Er wohnt dort und war sicher vor Ort. Das macht ihn sehr sympathisch. Hoffen wir, dass möglichst viele der schwerverletzten Brandopfer überleben. Drücke fest die Daumen.
482
Melden
Zum Kommentar
33
Brand in Crans-Montana: Das ist die Bar «Le Constellation»
Nach dem tödlichen Brand in der Silvesternacht in Crans-Montana rückt das betroffene Lokal, die Bar «Le Constellation», ins Blickfeld. Das ist über das Lokal bekannt.
Nach dem tödlichen Brand in der Silvesternacht in Crans-Montana VS rückt die Bar und Lounge «Le Constellation» zunehmend in den Fokus. Dutzende Menschen kamen bei dem Feuer ums Leben. Die Ermittlungen zur Ursache laufen, gesicherte Erkenntnisse dazu gibt es bislang nicht. In lokalen Medien wird spekuliert, dass Pyrotechnik eine Rolle gespielt haben könnte. Bestätigt ist dies nicht.
Zur Story