Schnee im Übermass: Angefangen hat es mit Nils
Angefangen hat es vergangene Woche mit dem Sturmtief Nils. Nils zog über die Beneluxstaaten weiter ostwärts und führte auch zu Sturmböen in Südfrankreich bis in die Schweiz. Nebst viel Wind sorgte das Sturmtief Nils auch für grosse Niederschlagsmengen, dies insbesondere in den westlichen Landesteilen sowie am Nordrand der Schweiz.
So richtig los ging es am Wochenende, dann machte eine Nord-West-Strömung das Wetter: Und die brachte feuchte Luft direkt vom Meer zu uns. Das führte zu enorm viel Schnee in den Alpen, wie Melanie Ruosch von Meteo Schweiz erklärt.
Schneehöhen bis zu 2,5 Meter
Am meisten schneite es im westlichen und nördlichen Wallis. «Dort fielen in den letzten drei Tagen bis zu 130 Zentimeter, in sieben Tagen bis zu 250 Zentimeter», sagt Lukas Dürr vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF). Auch in den Glarner Alpen und im südlichen Wallis fiel in den letzten drei Tagen etwa ein Meter Neuschnee. «Ein solches Ereignis wiederholt sich nur etwa alle fünf bis zehn Jahre», sagt der Lawinenforscher.
So herrscht nun die höchste Lawinenalarmstufe 5 im Wallis, was höchst selten vorkommt. Dürr nennt drei Gründe dafür: Zum Ersten der üppig gefallene Neuschnee. Zum Zweiten führte der stürmische West- bis Nordwestwind, der dazu führte, dass der Schnee massiv vom Wind verfrachtet wurde. «Dadurch entstanden grosse, kompakte Triebschneeansammlungen», sagt Dürr. Und drittens blieb dieser Schnee auf einer Altschneedecke liegen, welche weiche und schwache Schichten aufweist. Lawinen können in diesen Schwachschichten im Altschnee leicht anbrechen und die ganze Schneedecke mitreissen.
Staublawine, geschlossener Autoverlad und Stromausfall
Die Folgen sind deutlich zu sehen: Nach dem Lawinengang auf eine Bahnstrecke bei Goppenstein am Montag, stürzte in Grindelwald eine Staublawine zu Tal, ohne aber auf Häuser zu treffen. Der Autoverlad Furka ist geschlossen und in Graubünden sind über 1300 Haushalte wegen des Schnees ohne Strom.
Der Dienstag war der kritischste Tag. «Mit dem Abklingen der intensiven Schneefälle nimmt die Anzahl spontaner Lawinen ab», sagt Dürr. Damit wird auch die Lawinengefahr abnehmen. Für Schneesport abseits gesicherter Pisten bleibt die Situation aber vorerst kritisch.
Die Meteorologin bestätigt, dass nach den letzten intensiven zwei Tagen der Niederschlag am Mittwoch etwas nachlassen wird. Am Mittwoch zieht eine Warmfront übers Land, die nicht so grosse Niederschlagsmengen mit sich bringt. «Spannend ist, dass es dann über Nacht nochmals sehr kalt wird», sagt Ruosch. Deshalb gibt es trotz Warmfront am Morgen noch Schnee bis in die Niederungen.
Danach geht die Schneefallgrenze in den nächsten Tagen auf und ab. Am Mittwochnachmittag steigt sie bis 1300 Meter, im Mittelland gibt es «Pflotsch». Am Donnerstag wird es im Wallis und in den Berner Alpen nochmals bis etwa 25 Zentimeter Neuschnee geben. Wenn auch nicht mehr so viel, wird es bis am Samstag in den Bergen jeden Tag noch etwas schneien. Am Wochenende wird es wärmer, am Sonntag beruhigt sich das Wetter.
Auch europäische Winterorte sind betroffen
Hoch ist die Gefahr auch in anderen europäischen Wintersportregionen. Im westlichsten Teil Österreichs herrscht hohe Lawinengefahr oberhalb von 1800 Metern. Die Ursache sind wie bei uns der viele Neuschnee und der vom Wind angehäufte Triebschnee, die im Vorarlberg und Teilen Tirols leicht als Lawinen abgehen können. (aargauerzeitung.ch)
