Schweiz
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Langstrasse 

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DOMINIC BÜTTNER / PIXSIL.COM

Ein Trend, der auch an der Zürcher Langstrasse zu beobachten ist. Bild: Blick

Thaifood statt Schuhe: Bars und Gastroketten füllen leere Läden

Der Schweiz sterben die Läden weg. Die Gastronomie hingegen boomt – aber nicht überall.

niklaus vontobel / schweiz am wochenende



Die Krise des schweizerischen Detailhandels hat Folgen. 3400 Kleinläden sind in fünf Jahren verschwunden, das ist jeder zehnte Laden. Das zeigt die neueste Erhebung des Bundesamts für Statistik. Zurück bleiben leere Schaufenster. Ersatz muss her, und die Vermieter blicken leicht verzweifelt auf die Gastronomie. Kaffees oder Bars könnten Lücken in den Einkaufskulissen schliessen, auch Take-aways von Coop oder von Migros. Internationale Gastroketten kommen in Frage, die Burger verkaufen oder Sandwichs. Egal, was es ist, Hauptsache, die Leere füllt sich.

Die Hoffnung lebt, weil Gastroketten sich gerade einen Wettlauf liefern um freie Standorte in der Schweiz. Alle haben sie ehrgeizige Pläne. Gekleckert wird nicht, Klotzen ist angesagt. In 15 Filialen will die Genfer Kette «Luigia» neue Pasta und Pizza auftischen. Bereits 40 Shops hat die Sandwich-Kette Subway. An 50 Orten will Kentucky seine Fried Chicken an den Mann, an Frau oder Kind bringen. Neu will die Mailänder Restaurantkette «Panino Giusto» locken mit italienischen Sandwichs, und zwar an 20 Orten. Und im Kampf um Burger-Fans werden neue Filialen eröffnet von «Five Guys», «Holy Cow» oder «Hans im Glück». Noch mehr wachsen in der Schweiz will selbst der Branchen-King McDonalds.

FILE - In this Tuesday, Oct. 9, 2012, file photo, a close-up of a sign with a picture of Colonel Sanders is shown on the wall of a combination Kentucky Fried Chicken, Taco Bell in Doral, Fla. Kentucky Fried Chicken is channeling Colonel Sanders to revive its business. For years, the chain’s sales slumped as rivals like Chick-fil-A thrived. But parent company Yum Brands Inc., which also owns Taco Bell and Pizza Hut, says KFC’s sales at established locations have now climbed for five straight quarters. (AP Photo/Wilfredo Lee, File)

Kentucky Fried Chicken – definitiv auf dem Vormarsch. Bild: AP/AP

Und die Hoffnung lebt, weil die Gastronomie zuletzt Stellen geschaffen hat. Rund 14'000 Stellen kamen in den letzten zwei Jahren hinzu. Das ist ein Zuwachs von 8 Prozent. Damit hat die Gastronomie ein höheres Tempo vorgelegt als die Gesamtwirtschaft, die auf ein Job-Wachstum von rund 3 Prozent kam. Die Schweiz erlebt einen Gastroboom. Damit können Verluste aufgefangen werden, die der Detailhandel erlitten hat. Der hat in der gleichen Zeit rund 1600 Stellen abgebaut. Eine Wende zeichnet sich nicht ab, im Gegenteil. Der Onlinehandel hat erst begonnen, die Branche zu wandeln.

Das Leben spielt sich mehr an den Bahnhöfen ab als vor zehn Jahren

Werden Modeläden von Schnellverpflegern ersetzt? Das beste Beispiel dafür findet sich an der Zürcher Bahnhofstrasse, in der Nähe des Hauptbahnhofs. «Vor zehn Jahren gab es dort noch mehr Kleiderläden oder andere Detailhändler», sagt Robert Weinert, Experte beim Immobilienberater Wüest Partner. Mit dem Aufkommen des Onlinehandels habe ein Trend zu Gastronomie eingesetzt. «Mittlerweile ist der Anteil von Take-away oder Fastfood-Ketten bedeutend höher.»

Zürich setzt das Beispiel, andere folgen. «In Bern, Basel, Genf oder in Winterthur ist ein ähnlicher Trend zu beobachten», sagt Weinert. Es ist die Folge eines gesellschaftlichen Wandels. Es wird heute mehr in Bahnhöfen eingekauft und in deren unmittelbarer Umgebung. Wo Passanten und Pendler strömen, da zieht es Betriebe hin. Die Mieten steigen. Weinert: «In der Umgebung von Verkehrsknotenpunkten wird oft am meisten gezahlt.» Das können sich Modeläden nicht leisten, die vom Onlinehandel geplagt werden. Sondern es ziehen hocheffiziente Gastroketten ein oder Food-Läden.

Auf den Schuhladen folgt eine Thaifood-Kette. Solche Abfolgen sind weit verbreitet. Doch gibt es sie auch in Einkaufsstrassen kleinerer Städten? Und wie lange kann so ein Gastroboom gut gehen, ehe es knallt?

Die Gastronomie hat in den grösseren Städten längst überschossen. Dennoch ist kein Ende des Booms zu erkennen. So lässt sich das Urteil zusammenfassen, das Peter Herzog abgibt. Der Experte sagt: «Es hat einen Überfluss an Angeboten. Zu viele Betriebe balgen sich um zu wenige Gäste, und vielerorts ist die Auslastung zu gering.» Was sich wiederum niederschlage in den Finanzen. Herzog: «Die Rechnung geht schon lange nicht mehr auf.»

Und doch könne es lange so weiter gehen, auch zehn oder fünfzehn Jahre. Herzog: «Die Vermieter entscheiden: Finden sie nichts Besseres, senken sie die Miete – der Gastronom überlebt.» So darf im Erdgeschoss eines Gebäudes ein Kaffee oder ein «Zero-Waste-Shop» bleiben. Die Leere bleibt gefüllt. Dafür tun sich andere Löcher auf, und zwar in den Bilanzen. «Die Vermieter verdienen weniger Geld und müssen Abschreibungen vornehmen.»

Passagiere und Passanten gehen bei der

Auch im Bahnhof in Bern wird immer mehr eingekauft. Bild: KEYSTONE

Welche Ausmasse hat dieser Gastroboom? Laut Herzog spielt er sich in Zürich oder Bern ab, vielleicht in Basel-Stadt. Dagegen sei nichts zu spüren von einem Boom in Aarau, Solothurn oder Schaffhausen. Ein Grund: «Sie spielen keine Rolle in den Planungen der grossen Gastroketten.» Diese beschränken sich auf grosse Städte, selbst dort auf die besten Orte. «In ihrem Geschäft ist Umsatzgrösse alles.»

In mittelgrossen oder kleinen Städten spielen andere Mechanismen. Altes Geld lenkt den Lauf der Dinge stärker. Es wird nicht nur auf Rentabilität geachtet. Läden mit Büchern oder Kleidern halten sich eher. Doch ist der Wandel meist nur aufgeschoben. Modeläden ziehen sich zurück und werden nicht ersetzt durch standardisiertes Kaffee, Sandwich&Co. «Das muss keine Katastrophe sein. Es entsteht Raum für originelle Gastronomie vielleicht im Verbund mit Kaffees und Lesungen.»

Wie viel hilft ein Gastroboom nach dem grossen Lädelisterben? Die Antwort wird dadurch erschwert, dass die Schweiz recht wenig weiss über ihre leeren Läden. Die Leere bei den Wohnungen lässt sich gut vermessen (siehe rechts). Derlei lässt sich hingegen nicht sagen von der Leere in den Einkaufskulissen. Fredy Hasenmaile, Immobilien-Ökonom von der Grossbank Credit Suisse, sagt, nur zu Grosszentren gebe es offizielle Zahlen. Bereits zu den Mittelzentren sei nichts vorhanden, zu kleinen Städten ohnehin nichts. «Und das wenige, was es an offiziellen Zahlen gibt, ist beschönigend.»

Die Statistiken signalisieren Entwarnung – doch der Schein trügt

Hasenmaile sind etliche Verkaufsflächen bekannt, die sich kein Ladenbetreiber mehr leisten wollte. Danach lief das immerzu gleiche Spiel ab. Die leere Fläche wird irgendwie anders genutzt. Damit verschwindet sie aus den Statistiken. Gemessen am Total aller Verkaufsflächen steht weniger Fläche leer in einer Stadt – und die sogenannte Leerstandziffer sinkt. Die Statistik signalisiert eine beruhigende Entwarnung. Doch der Vermieter verdient weniger Geld. Hasenmaile: «Man könnte meinen, alles sei bestens. Dem ist leider nicht so.»

So viele Mietwohnungen stehen tatsächlich leer

Die Zahl leer stehender Mietwohnungen wird unterschätzt. Vermeintlich tiefe Mittelwerte vermitteln ein beruhigendes Bild. Eine nationale Leerwohnungsziffer von 1,66 Prozent klingt wenig bedrohlich. Das Bild ändert sich, wenn der Blick fokussiert wird auf die Mietwohnungen. Neue Schätzungen der Raiffeisen- bank zeigen: National stehen 2,63 Prozent aller Mietwohnungen leer, in neun Kantonen sind es über 4 Prozent aller Mietwohnungen. Die Bankökonomen kommentieren etwas lapidar: «In einigen Kantonen stehen mittlerweile sehr viele Objekte leer.» (nva)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Melsqy 11.11.2019 10:50
    Highlight Highlight Natürlich wird an Bahnhöfen eingekauft. Die Menschen arbeiten immer mehr/länger. Meine Arbeitszeit überschneidet sich quasi zu 100% mit den Öffnungszeiten eines gängigen Modegeschäfts. Selbst wenn ich da einkaufen wollte, könnte ich dies gar nicht und muss auf den Onlinehandel ausweichen. Dem Gegenüber stehen grosszügige Öffnungszeiten (zumindest in ZH und an Bahnhöfen) der Detailhändler und die Tatsache, dass Restaurants, Bars und TakeAways auch spätabends und am Sonntag genutzt werden können.
  • BerriVonHut 10.11.2019 22:27
    Highlight Highlight Kein Wunder zieht es alle zu den Bhf.. Nur da gibt es anständige Ladenöffnungszeiten. Also hier in Luzern ist es so!
    • Alju 10.11.2019 23:46
      Highlight Highlight Dito!
  • Gorgonzola-Gonzo 10.11.2019 21:56
    Highlight Highlight Cool wäre ein Zalando Pickup Store wo man gleich die Ware anprobieren und retournieren kann. Ohne das lästig Päckli zur Post bringen zu müssen. ;-)
    • True_P 10.11.2019 23:14
      Highlight Highlight Gibs am bhf bern
    • Maragia 11.11.2019 00:00
      Highlight Highlight Die meinst ein Bekleidungsgeschäft? :D
  • mukeleven 10.11.2019 20:04
    Highlight Highlight das mag alles richtig sein - ich geniesse dieses gastro-angebot auch, wenn in zh. allerdings geht der trend zum overkill - die hälfte dieser neuen take-away läden und bars sind nach anfangseuphorie meist leer. im langstrassen-/europaallee-gebiet gibts ja mittlerweile jedes weekend eine neueröffnung. der markt wird es regulieren, die besten überleben, die schwelle zum überangebot ist allerdings bereits erreicht. spannend, wohin diese reise führt.

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