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Fabio Malnati vom Bereich Forschung der Firma Airlight Energy steht neben einer Solaranlage des Prototyps Dish mit HCPVT-Technologie (High Concentrated PhotoVoltaic Thermal) mit dem Namen Sunflower, am Montag, 29. September 2014, in Biasca. Dank eines speziellen Kuehlsystems, wie es fuer Supercomputer gebraucht wird, soll die neue Solaranlage 80 Prozent der Sonnenenergie nutzen koennen. IBM und die Tessiner Firma Airlight Energy haben die neue Anlage entworfen und vorgestellt. Bis 2017 soll sie auf dem Markt sein. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Revolutionäre Solaranlage Sunflower in Biasca TI. Bild: TI-PRESS

Jetzt nicht in eine Energie-Infrastruktur zu investieren, wäre der gröbste Fehler der Schweizer Politik

Internet der Dinge, Smart Grid: Der technische Fortschritt macht eine nachhaltige Energieproduktion in der Schweiz möglich – und das Geld ist so billig wie noch nie. Worauf warten wir eigentlich noch?



Die «dritte industrielle Revolution» ist mehr als ein Schlagwort: Täglich lesen wir von Robotern und Software, die immer intelligenter werden, von 3D-Druckern, welche die Massenproduktion ablösen werden, vom Internet der Dinge, das Maschinen miteinander kommunizieren lässt, und von einem Smart Grid, das unseren Energieverbrauch dank intelligenter Steuerung massiv reduzieren wird. 

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Dieser japanische Roboter hilft bei Bankgeschäften. Bild: THOMAS PETER/REUTERS

Die Versprechen der dritten industriellen Revolution sind verlockend: Mühselige Plackerei oder monotone Fliessbandarbeit werden von intelligenten Maschinen ausgeführt, Güter und Dienstleistungen auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet. Vor allem jedoch wird die noch herrschende Verschwendung endlich ein Ende haben und die Energieversorgung so gestaltet sein, dass der Planet Erde dabei nicht zugrunde gerichtet wird. 

In den reichen Ländern verlottert die Infrastruktur

Stützpfeiler der dritten industriellen Revolution sind eine dezentrale und nachhaltige Energieversorgung und ein immer intelligenteres Internet. In der Theorie ist das unbestritten, bei der praktischen Umsetzung hingegen hapert es. Erstaunlicherweise sind es gerade die reichen Länder, die ihre Infrastruktur nicht etwa auf die dritte industrielle Revolution umrüsten, sondern sie stattdessen verlottern lassen.

In den USA beispielsweise sind Strassen und Brücken in einem jämmerlichen Zustand, ebenso die Netze für die Mobiltelefonie. Wer mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, kann meist froh sein, wenn abends die kumulierte Verspätung nicht mehr als eine Stunde beträgt.

An aerial view shows the collapsed I-35W bridge 04 August 2007 in Minneapolis, Minnesota. Five people have been confirmed dead and 8 others missing following the 01 August bridge collapse during rush hour.      AFP PHOTO/Mandel NGAN (Photo credit should read MANDEL NGAN/AFP/Getty Images)

2007 stürzte eine Brücke im Bundesstaat Minnesota ein. Bild: AFP

Die Gründe dafür sind in einer verfehlten Politik zu finden: Im blockierten Politsystem der USA ist es fast unmöglich geworden, sinnvolle Kompromisse zu schliessen. In Deutschland ist die «schwarze Null», das Vermeiden von neuen Schulden, zur obersten Staatsräson erklärt worden, einstürzende Brücken hin und verlotternde öffentliche Gebäude her.

260 Milliarden Franken für Schweizer Strassen und Eisenbahn 

In der Schweiz ist die Infrastruktur in einem deutlich besseren Zustand. Aber wie lange noch? Der Polittrend weist in die gleiche Richtung wie in den USA und in Deutschland: Eine rechtskonservative Koalition ist bemüht, Staatsausgaben zu drücken und Steuern für Reiche und Unternehmen zu senken. Dabei hat eine umfangreiche Studie des Bundes schon 2010 ergeben, dass allein die Ausgaben für Strassen und Schienen bis 2030 rund 260 Milliarden Franken betragen werden. 

Die Situation ist paradox: Einerseits werden die Mittel für eine adäquate Infrastruktur für eine digitale Gesellschaft immer spärlicher, gleichzeitig wissen Manager von institutionellen Anlegern nicht mehr, wie sie ihr Geld anlegen sollen. Eine vermeintlich pragmatische Politik der Rechtskonservativen wird dieses Dilemma noch verstärken und zu einem allmählichen Zerfall der Infrastruktur führen.

Geld zum Nulltarif

Dabei hat die Schweiz eine einmalige Gelegenheit – das viel zitierte «window of opportunity» steht weit offen: Die öffentliche Hand kann heute zum Nulltarif Geld borgen, ja sie erhält sogar dank Negativzinsen Geld zurück. Namhafte Banker und Ökonomen fordern daher, die Gelegenheit beim Schopf zu packen. Der ehemalige CS- und UBS-Chef Oswald Grübel hat schon vor Monaten in einem watson-Interview den Bund aufgefordert, staatliche Zweckgesellschaften zu gründen und in die Infrastruktur zu investieren. Über das Wochenende hat er diese Forderung in der «Schweiz am Sonntag» wiederholt. 

Monteure installieren am Donnerstag, 1. Dezember 2011, Solarwings auf die Tragseile des weltweit ersten Solarskilifts im buendnerischen Bergdorf Tenna im Safiental. In Tenna entsteht der erste, mit 82 Solarpanels bestueckte Skilift der Welt. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Solarlift in Tenna. Bild: KEYSTONE

Dieses Vorgehen wird auch von der «Financial Times» empfohlen. Das wohl renommierteste Wirtschaftsblatt der Welt ruft in einem redaktionellen Kommentar dazu auf, die drohende säkulare Stagnation – eine lang andauernde Wirtschaftsflaute – mit Investitionen in die Infrastruktur zu bekämpfen. Nur auf diese Weise würde die Weltwirtschaft wieder zu einem gesunden Wachstum zurückfinden und damit auch zu normalen Zinsen.

Technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll

Die Schweiz kann es sich leisten, die ersten Schritte für den Umbau einer geeigneten Infrastruktur für die dritte industrielle Revolution zu machen, eine Infrastruktur, die weder auf Öl und Erdgas noch auf Kernkraft angewiesen ist. Wie der ETH-Professor Anton Gunzinger in seinem Buch «Kraftwerk Schweiz» aufzeigt, ist ein solcher Umbau technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll. Unser Land verfügt nicht nur über die finanziellen Mittel, sondern auch über die natürlichen Voraussetzungen – Berge und viel Wasser –, die eine nachhaltige Energieversorgung möglich machen. 

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Weist den Weg: Anton Gunzingers Buch «Kraftwerk Schweiz».

Jährlich geben wir gegen 15 Milliarden Franken für fossile Brennstoffe aus. Wenn wir jetzt in eine nachhaltige Energieinfrastruktur investieren, werden wir mehr als genug Geld haben, um diese Ausgaben zurückzuzahlen, ohne den Staatshaushalt übermässig belasten zu müssen. Zudem würden wir auf diese Weise zahlreiche, hochwertige Arbeitsplätze schaffen und – was am meisten zählt – wir würden unseren Nachkommen eine intakte Umwelt hinterlassen. 

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