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A protester holds a sign reading

Monsanto stösst wegen seiner Praktiken weltweit auf Widerstand. Bild: MARK BLINCH/REUTERS

Monsanto will Syngenta: 5 Gründe, warum der Konzern als einer der übelsten der Welt gilt

09.05.15, 06:47 10.05.15, 08:38


Der US-Megakonzern Monsanto streckt seine Finger nach dem Basler Konkurrenten Syngenta aus. Syngenta schlug das erste Angebot von 45 Milliarden US-Dollar aus, zeigte sich aber für weitere Verhandlungen offen. Sollte der Deal zustande kommen, würde die Schweizer Firma ein Teil des wohl unbeliebtesten Unternehmens der Welt werden.

Im Mai 2013 gingen weltweit zwei Millionen Menschen gegen Monsanto auf die Strasse, auch in Zürich und Bern fanden Märsche statt. Dem Konzern wird vor allem vorgeworfen, mit dem Handel von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) massiven Schaden anzurichten. 

Doch das ist nur einer von vielen Gründen, warum Monsanto von Menschenrechtlern und Naturschützern immer wieder heftig kritisiert wird:

1. Rücksichtslos gegen Kleinbauern

Angefangen hat das 1901 gegründete Monsanto als Chemieunternehmen, seit Mitte der 90er-Jahre liegt der Fokus aber bei der Herstellung und dem Verkauf von gentechnisch modifiziertem Saatgut. Monsanto besitzt insgesamt über 11'000 Patente, über 700 davon für gentechnisch veränderte Pflanzen – das ist mehr als bei jedem anderen Gentechnikkonzern. 

Die Verwendung dieses Saatguts – das Monsanto jeweils patentiert – ist für die Bauern an strenge Bedingungen gekoppelt: So ist vertraglich festgehalten, dass sie die Samen im Folgejahr nicht mehr benutzen dürfen und somit jedes Jahr neue kaufen müssen. Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Gerichtsverfahren.

Eine Abteilung mit 75 Angestellten und einem Jahresbudget von zehn Millionen Dollar ist dafür verantwortlich, solche Vertragsbrüche und die Verletzung von Monsanto-Patenten zu ermitteln. Gemäss «Vanity Fair» setzten sie Detektive ein, die Bauern überwachen und filmen, um Verstösse auszumachen. Finden sie einen solchen, sind sie nicht zimperlich.

Das bekam Vernon Hugh Bowman, ein Bauer aus Indiana, zu spüren. Das oberste Gericht der USA verdonnerte ihn dazu, Monsanto 84'000 Dollar zu zahlen. Er hatte Sojabohnen gekauft, unter denen auch von Monsanto patentierte waren, und diese eingesetzt.

2. Agent Orange

Während des Vietnamkriegs war Monsanto ein wichtiger Lieferant des chemischen Herbizids Agent Orange. Die USA setzten das Mittel zur Entlaubung von Wäldern ein, um die Tarnung des Vietcongs zu zerstören. Durch einen gefährlichen Giftstoff erkrankten viele 100'000 Bewohner in Vietnam und bis zu 200'000 US-Soldaten.

Monsanto und sieben andere beteiligte Firmen richteten 1985 nach einem aussergerichtlichen Vergleich einen Entschädigungsfonds über 180 Millionen Dollar für geschädigte US-Veteranen ein. Der oberste Gerichtshof in Seoul wies Monsanto und eine weitere Firma an, 6800 Opfer in Vietnam mit 62 Millionen Dollar zu entschädigen.

epa03361751 A child lies on a metal platform at the Ba Vi Orphanage and Elderly Home in Ba Vi, 60 kilometers northwest of Hanoi, Vietnam, 09 August 2012.  The orphanage is home to over 156 children and 150 elderly people most with severe mental and physical handicaps. Many of the children suffer from supposed effects of Agent Orange. The United States started a historic Agent Orange clean-up for the first time in Vietnam on 09 August 2012, over 50 years after American planes sprayed the carcinogen dioxin during the Vietnam War. The US plans to excavate and clean up to 73,000 cubic meters of soil and sediment at Da Nang airport, a former air base in central Vietnam that was contaminated by the defoliant Agent Orange, the US embassy said.  EPA/LUONG THAI LINH

Ein Kind in einem Waisenhaus in Hanoi: Noch heute leiden Millionen Vietnamesen an den Spätfolgen von Agent Orange. Bild: EPA

3. Umweltverschmutzung

Die PCB-Chemieverbindungen galten lange als Wundermittel der Industrie – bis sie in den USA zu Beginn der 80er-Jahre verboten wurden. Dokumente belegen, dass Monsanto aufgrund interner Untersuchungen schon 1937 von der Gefährlichkeit von PBC gewusst hatte, dies aber jahrzehntelang verschwieg.

Fast 40 Jahre lang entsorgte Monsanto in der Stadt Anniston in Alabama Millionen Tonnen PCB. Sogar nach diesem haarsträubenden Test: Ein Wissenschaftler liess im Auftrag Monsantos Fische in einem Fluss in der Nähe der Fabrik frei. «Alle Fische verloren ihr Gleichgewicht nach zehn Sekunden und waren nach dreieinhalb Minuten tot», schrieb er gemäss «Washington Post» in seinem Bericht.

Die Stadt Anniston leidet noch heute unter den Folgen der Verschmutzung. Monsanto zahlte den Bewohnern 2003 im Rahmen eines Vergleichs 390 Millionen Dollar und verpflichtete sich, zur Entgiftung der Region beizutragen.

4. Bestechung und Korruption

Monsanto hat in Indonesien von 1997 bis 2002 mindestens 140 Regierungsbeamte bestochen, damit eine Baumwollsorte nicht als Umweltrisiko eingestuft wurde. Dafür wurde der Konzern zu einem Bussgeld von 1,5 Millionen Dollar verurteilt.

Die Nähe zur Politik brachte Monsanto in den USA die Bezeichnung «Pensionat für ehemalige Clinton-Mitarbeiter» ein. Mehrere hochrangige Regierungsvertreter wechselten zu Top-Positionen bei Monsanto – und umgekehrt.

5. Selbstmordserie in Indien

1999 kaufte Monsanto das grösste Saatgut-Unternehmen Indiens auf. Sie führten eine gentechnisch veränderte Baumwollsorte ein und kontrollierten bald den grössten Teil des Marktes. Monsantos Saatgut ist für die Bauern etwa vier- bis sechsmal so teuer wie ihr bislang verwendetes.

Indian farmer Moneswar Kathar irrigates his paddy field at Khetri village about 40 kilometers (25 miles) east of Gauhati, India, Wednesday, April 22, 2015. Indian farmers and the opposition parties are protesting against a government plan to ease rules for obtaining land for industry and development projects. (AP Photo/ Anupam Nath)

Bild: Anupam Nath/AP/KEYSTONE

Kritikern zufolge trieb dies viele indische Bauern an den Rand des Ruins und sorgte sogar für einen Anstieg der Suizidrate. Monsanto habe tausende indische Bauern in «Verschuldung, Verzweiflung und Tod» getrieben, sagt die Umweltaktivistin Vandana Shiva. In Indien haben sich in den letzten zehn Jahren 200'000 Kleinbauern das Leben genommen. Der Zusammenhang mit Monsanto ist jedoch umstritten.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DerWeise 11.05.2015 23:21
    Highlight Da findet sich, was zusamengehört. Beides üble Unternehmen....
    Um eine Band zu zitieren:
    "Monsanto are killers, k-k-k-k-killers
    (Stand Up! Resist!)
    Syngenta are killers, k-k-k-k-killers
    (Stand Up! Resist!)
    The World Bank are killers, k-k-k-k-killers (Stand Up! Resist!)
    (Stand Up! Resist!)
    The WTO are killers, k-k-k-k-killers (Stand Up! Resist!)"
    - "The W.T.O. Kills Farmers", Anti-Flag
    10 5 Melden
  • danbla 11.05.2015 07:15
    Highlight Ich empfehle allen den Dok-Film: Percy Schmeiser - Davif gegen Monsanto.
    Stellen Sie sich vor, ein Sturm weht über Ihren Garten und ohne Ihr Wissen und ohne Ihre Zustimmung sind nun fremde, genmanipulierte Samen in Ihrem jahrelang gepflegten und gehegten Gemüsebeet. Ein paar Tage später kommen Vertreter von Monsanto zu Ihnen nach Hause, fordern Ihr Gemüse und erstatten gleichzeitig Strafanzeige in Höhe von EUR 20.000,00 wegen widerrechtlicher Nutzung patentierter genmanipulierter Samen.
    Und: Das Gericht gibt dem Konzern Recht!
    Und das ist nur ein kleines Beispiel.
    31 3 Melden
  • Fätze 10.05.2015 06:41
    Highlight Kann zu diesem Thema den Dokumentarfilm "Food, Inc." empfhelen.
    28 3 Melden
  • Sperber 10.05.2015 00:02
    Highlight Und ist der gute Ruf erst mal dahin,
    so lebt sich's ungeniert ganz ohne ihn!
    (Wilhelm Busch??)

    grauslich, dass sich die Schweizer Syngenta überhaupt mit diesen Verbrechern einlässt. Doch: Erst kommt das Fressen (für Syngenta die Marktmacht) und dann die Moral (frei nach bert Brecht)
    25 3 Melden
  • Alex23 09.05.2015 14:36
    Highlight Tja, und diese menschenverachtenden Unternehmen, Monsanto sicher mit in vorderster Reihe, dürfen sich hier in der Schweiz steuergünstig installieren. Was ja angeblich unseren Wohlstand sichert. Zynismus in Hochpotenz.
    57 5 Melden
  • Monti_Gh 09.05.2015 14:22
    Highlight Syngenta ist nicht im geringsten besser als Monsanto.
    Ich sag nur das toxische Paraquat!
    40 7 Melden
  • flyingdutch18 09.05.2015 11:18
    Highlight Syngenta ist leider auch nicht viel besser. Wenn die Behörden das erlauben, tun sich die zwei Rechten zusammen.
    63 1 Melden
  • Roger Gruber 09.05.2015 10:01
    Highlight Aber aber... Ist das nicht auch nur wieder so eine Verschwörungstheorie? Bis vor kurzen war das jedenfalls noch so...
    10 74 Melden
    • ramooon 09.05.2015 12:05
      Highlight Grundsätzlich ist an sogenannten verschwörungstheorien immer ein quäntchen wahrheit dabei. Dass monsanto ein menschen- und umweltverachtendes unternehmen ist, ist jedoch klar. Du musst schon hinter dem mars leben um das nicht zu wissen. Monsanto ist übrigens nicht die nummer eins im saatgut es gibt noch grössere player auf dem weltmarkt die genauso agieren. Watson, bitte mehr solche artikel.
      53 7 Melden
    • Roger Gruber 09.05.2015 12:53
      Highlight ramoon, offenbar ist dir und den "Blitzern" mein Zynismus entgangen. Natürlich ist Monsanto ein Krebsgeschwür, welches Menschen und Natur gefährdet zwecks Gewinnmaximierung. Zur Klärung: ich meine, dass sich in letzter Zeit vieles bewahrheitet, was vor kurzem noch als Verschwörungstheorie abgetan wurde. Als Beispiele könnte man Big Brother, Währungs-, Libor- und Goldpreismanipulation aufführen. Oder dass Osama bin Laden ein CIA-Mann war. Oder RFID-Chips. Oder Bargeld-Einschränkungen. Oder dass DE eine US-Kolonie ist und die Kanzlerin US-Interessen vertritt. Oder oder oder...
      33 9 Melden
  • Marc van Nuffel 09.05.2015 09:28
    Highlight Netter Artikel über denjenigen der die Pilzpatente - der einen wesentlichen Teil von Monsanto ausmacht - hält -> http://ewao.com/a/1-he-holds-the-patent-that-could-destroy-monsanto-and-change-the-world
    18 2 Melden
  • alessandro 09.05.2015 09:01
    Highlight eine schöne faktenzusammentragung zum thema wirtschaftsliberalismus. auch nur mit einem minimalen funken an ethos wäre so etwas nicht möglich. aber wenn die wirtschaft als höchstes gut behandelt wird, müssen halt irgendwo abstriche gemacht werden.
    63 8 Melden
    • AdiB 09.05.2015 10:05
      Highlight und dieses denken wird uns menschen zerstören und unseren planeten. wir stellen etwas das wir erfunden haben sogar über uns selbst.
      33 4 Melden
    • Oberon 09.05.2015 10:33
      Highlight @AdiB
      Die Menschheit vielleicht aber bestimmt nicht den Planeten.

      Die Umwelt passt sich laufend an die Veränderungen an, dass nennt man auch Evolution. Wir sollten nie vergessen das die Erde uns nicht braucht aber wir schon.

      26 0 Melden
    • AdiB 10.05.2015 01:24
      Highlight lieber diesmal was früh genug unternehmen als zu spät. wie heisst es so schön "der mensch ist zu so viel mehr zu stande als man denkt". ich denke sogar zum unmöglichem.
      7 1 Melden
  • kettcar #lina4weindoch 09.05.2015 08:35
    Highlight An den Selbstmorden ist doch nicht die Firma schuld. Das war nur die gerechte Hand des freien Marktes die alles reguliert...
    37 45 Melden
    • gurix 09.05.2015 09:52
      Highlight Nette ausrede, aber solange wir als Schweizer Bürger von solchen Unternehmen profitieren und diese nicht in die Pflicht nehmen haben auch wir Blut an den Händen. Darum unterstütze ich auch die http://konzern-initiative.ch .
      36 3 Melden
    • AdiB 09.05.2015 12:02
      Highlight wusste nicht das so eine initiative im gange ist. habs durchgelesen. ausdrucken familie mit unterschreiben absenden.
      13 2 Melden
    • kettcar #lina4weindoch 09.05.2015 17:47
      Highlight Ich vergess echt jedes Mal, Sarkasmus als solchen zu deklarieren... Aber schwarzer Humor ist wie Essen... Hat nicht jeder.
      30 2 Melden
  • Jorge de los alpes 09.05.2015 07:31
    Highlight Patentierungen von Saatgut (naturbelassen oder gentechnisch verändertert) sollte weltweit durch die UNO unterbunden und strikte untersagt werden.
    118 11 Melden

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