Schweiz
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Luzi Stamm, Nationalrat SVP-AG, liest aus der Broschuere waehrend einer Medienkonferenz des Initiativkomitees der Gold-Initiative

Wirkung verfehlt: Die Broschüre zur Goldinitiative. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Warum wir nach dem Nein zur Goldinitiative nicht aufatmen können

Das klare Nein zur Goldinitiative täuscht nicht darüber hinweg, dass das internationale Finanzsystem angeschlagen bleibt. Die Schweizerische Nationalbank hat mit ihren grossen Eurobeständen ein beträchtliches Klumpenrisiko.



Das deutliche Nein zur Goldinitiative ist erfreulich und trügerisch zugleich. Zuerst zum Erfreulichen: Das Nein zeigt, dass der «Volkshochschul-Charakter» der direkten Demokratie nach wie vor intakt ist. Nachdem Politiker, Wissenschaftler und Vertreter der Nationalbank übereinstimmend und mit überzeugenden Argumenten dargelegt haben, wie schädlich ein «Goldstandard light» für den Werkplatz Schweiz wäre, kippte die anfängliche Zustimmung schliesslich in eine breite Ablehnung.

Die Aufklärung hat also Wirkung gezeigt, und die Schweizerinnen und Schweizer haben nicht nur ein gefährliches und unnötiges geldpolitisches Experiment verhindert, sie haben auch ein bisschen moderne Geldpolitik vermittelt bekommen. 

Das Finanzsystem ist in Schieflage geraten

Trügerisch wäre es jedoch zu glauben, dass damit das Problem vom Tisch wäre. Das Gold-Rezept, das dem kranken Geld verschrieben werden sollte, ist zwar falsch und gefährlich, die Diagnose der Krankheit ist jedoch im Kern korrekt: Das Finanzsystem ist in Schieflage geraten und die Sorgen um den Schweizer Franken sind grundsätzlich berechtigt. 

Das Finanzsystem ist in Schieflage geraten, und die Sorgen um den Schweizer Franken sind grundsätzlich berechtigt. 

Unser Finanzsystem funktioniert wie folgt: Private Banken schaffen über Kredite Geld und pumpen damit Blut in unseren Wirtschaftskreislauf. Dieses Geld ist nur zu einem kleinen Teil mit Reserven abgesichert, der grösste Teil davon ist so genanntes Fiat-Money, Geld, das aus der Luft geschaffen und wieder vernichtet wird, wenn der Kredit zurückbezahlt wird. 

Das Bankensystem zu retten ist extrem teuer

Ein Finanzsystem, das auf Fiat-Money beruht, tendiert zur Euphorie. In Boomzeiten werden sorglos zu viele Kredite gewährt. Belasten zu viele faule Kredite das Banksystem, kippt es. 

Panik macht sich breit, alle wollen ihr Geld sofort zurückhaben, keiner will mehr Kredite gewähren, es droht die totale Blockade des Finanzsystems. In dieser Situation müssen die Zentralbanken eingreifen. Als «Kreditgeber in letzter Instanz» refinanzieren sie die angeschlagenen Banken und verhindern so einen Kollaps des Finanzsystems. 

Die Rettung des Bankensystems ist mit einer gewaltigen Umschuldung verbunden. Private Schulden werden öffentliche Schulden. Ein extremes Beispiel dafür ist Irland. Vor der Krise lag die staatliche Verschuldung der grünen Insel unter 30 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Die Rettung der maroden Banken, die sorglos Geld in überrissene Immobilienprojekte gesteckt hatten, liess die Verschuldung auf weit über 100 Prozent des BIP anschwellen. Dieser Schock hat Irland fast über Nacht vom Land mit dem grössten Pro-Kopf-Einkommen in der EU wieder auf den Stand der 1980er Jahre zurückfallen lassen.

Eine zweite Krise verkraftet das System nicht

Finanzkrisen hinterlassen verheerende Spuren in der Volkswirtschaft. Die Eurokrise hat nicht nur beinahe die Einheitswährung zerstört und der EU eine Existenzkrise beschert, sie hat auch dazu geführt, dass die meisten europäischen Staaten hoch verschuldet sind. Eine Krise wie 2008 würde das System heute nicht mehr verkraften, der Glaube in das Fiat-Money wäre zerstört, das Bankensystem würde zusammenkrachen.

Eine Krise wie 2008 würde das System heute nicht mehr verkraften, der Glaube in das Fiat-Money wäre zerstört, das Bankensystem würde zusammenkrachen.

Von einem solchen Kollaps wäre auch die Schweiz betroffen. Die Nationalbank hat mittlerweile hunderte Milliarden Euro in ihren Devisenreserven und schleppt damit auch ein gewaltiges Klumpenrisiko mit sich herum. Das aktuelle Finanzsystem muss sicherer gemacht werden, doch Gold ist der falsche Weg. Das hat die Diskussion der letzten Wochen gezeigt. 

Die Banken wollen nicht mehr Eigenkapital

Sinnvoll ist es, die Banken zu zwingen, ihr Eigenkapitalpolster zu verstärken und so besser gegen Schocks gewappnet zu sein. Das ist in der Theorie inzwischen weitgehend unbestritten. Ob angesichts des erbitterten Widerstandes der Banken diese Erkenntnis auch umgesetzt wird, ist derzeit fraglich. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alnothur 01.12.2014 21:04
    Highlight Highlight Auf Deutsch nennt sich das übrigens Fiat-Geld.
    Dass das System "eine 2. solche Krise nicht verkraften" würde, ist doch Blödsinn. Es war weder die erste, noch hat z.B. unsere Nationalbank damit Verluste gemacht - im Gegenteil, die SNB hat sogar noch einen anständigen Batzen verdient mit den übernommenen UBS-Ramschpapieren.
  • LeeresGeld 30.11.2014 23:18
    Highlight Highlight Herr Löpfe, Ihre Diagnose ist korrekt, elektronisches Buchgeld, welches durch private Geschäftsbanken erzeugt wird, ist ungenügend gedeckt und macht heute 90% der gesamten Geldmenge M1 aus. In den letzten Jahren ist dieses Geldmengenwachstum 5-mal höher gewesen als die Wirtschaft gewachsen ist. Damit gerät das Geldsystem aus den Fugen und die Vollgeld-Initiative hat angefangen, Unterschriften zu sammeln um ein sicheres und stabiles Geldsystem zu Schaffen. Vollgeld wird nicht mehr in der Bilanz der Banken erscheinen und ist vor einem Konkurs gesichert, so wie eben Bargeld auch.

  • poga 30.11.2014 20:20
    Highlight Highlight Ich denke der Artikel vergisst einen punkt. Nämlich der Umstand dass die Nationalbank schluss und endlich vom schweizer Volk getragen werden muss(Inflation). In diesem Sinne wäre eine Hinterlegung mit Edelmetall eventuell gar nicht so schlecht gewesen...
  • Angelo C. 30.11.2014 20:06
    Highlight Highlight Das zweite Mal, dass mir ein Leitartikel von Philipp Löpfe uneingeschränkt gefällt ;-)! Von A bis Z eine kompetente Aussage.

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