bedeckt
DE | FR
36
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Schweiz
Wirtschaft

Der Wintersport verliert an Bedeutung – wie Berggebiete nun aufrüsten

Wintersportler machen Pause im Restaurant Weissfluhjoch auf Parsenn, im Skigebiet Davos Klosters, am Freitag, 20. Februar 2015, in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller) 

Ski enthusiasts take a break at  ...
Die Tische bleiben leer: Trotz guten Schneeverhältnissen wird der Wintersport immer weniger lukerativ.Bild: KEYSTONE

Der Wintersport verliert an Bedeutung – wie Berggebiete nun aufrüsten

Nach einem 25-Jahre-Tief erlebt der Wintertourismus in der Schweiz eine zweite gute Saison – und doch verliert der Skisport an Bedeutung.
23.02.2019, 19:33
Niklaus Vontobel / ch media

Ob Arosa-Lenzerheide, Zermatt, Titlis oder Flims Laax – überall klingen die Rückmeldungen der Bergbahnen ähnlich erleichtert. Sonne und Schnee seien passend zu den Sportferien vorhanden. Man könne nochmals mehr Gäste anlocken als im bereits guten Vorjahr. Zumeist ist man bisher «sehr zufrieden». Dieses Bild passt zu einer Umfrage des Verbands «Seilbahnen Schweiz». Demnach konnten die Hochburgen des Wintertourismus bis Ende Januar kräftig zulegen: Graubünden um rund 4 Prozent, das Wallis gar um 10 Prozent.

Damit setzt sich die Trendwende in den Schweizer Alpen fort. Denn der Winter 2016 war eine Saison zum Vergessen, der Tiefpunkt eines jahrzehntelangen Abwärtstrends. Die Zahl der Tagesbesuche in den Skigebieten erreichte den niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Doch die folgende Saison brachte die ersehnte Erlösung. Das Wetter spielte endlich wieder mit. Zeitweise gab es zwar zu viel Schnee. Stürme erzwangen die Schliessung manches Lifts. Am Ende gab es aber ein Wachstum von 10 Prozent. Die Branche atmete auf.

Bild

Nun scheint noch ein Winter der Erlösung zu folgen. In der Branche überwiegt der Optimismus. Zur Saisonhälfte hat man einen Vorsprung zum Vorjahr, der sollte reichen bis Ende April, wenn es wirklich vorbei ist. Arosa Lenzerheide etwa schliesst nach dem Ostermontag am 22. April. Die kommenden Wochen sind entscheidend. Peter Engler, CEO der Lenzerheide Bergbahnen, sagt daher: «Abgerechnet wird bekanntlich am Schluss. Aber wir sind zuversichtlich, mindestens gleich gut abschliessen zu können wie im Vorjahr.»

Das Wetter hilft derzeit mit. Doch die Branche arbeitet weiter daran, sich von solchen Zufällen freizumachen. Investitionen in Schneekanonen haben die Abhängigkeit vom Wetter geschmälert. Wobei die Menschenmassen den Weg in die Berge noch immer erst dann finden, wenn die Sonne an Wochenenden oder in den Ferien scheint. So oder so müssen die meisten Bergbahnen mehr tun. Es gilt, was der Branchenführer aus Zermatt sagt: «Die Zahl der Skifahrer wird nicht zunehmen.»

Bild

Auf Dauer wird es im Winter kaum Wachstum geben. An diese Realität haben sich die Zermatt Bergbahnen längst angepasst. Wachsen will der Branchenbeste des Winters dennoch, und zwar auch im Skisport. Also zielt man darauf ab, der Konkurrenz deren Wintersportler wegzunehmen. In der Marketingsprache wird das weniger brutal ausgedrückt: den Marktanteil weiter ausbauen. Und Zermatt will dort nachziehen, wo die Bergbahnen von Titlis oder der Jungfrauregion schon länger punkten: abseits des Skisports.

Bei Bikern nämlich, bei Wanderern und sonstigen Ausflüglern. Und dies im Sommer wie im Winter. Auf dem «Alpine Crossing» zum Beispiel sollen chinesische Gäste künftig Tagesausflüge machen können auf ihren Touren von Mailand nach Paris. Via Seilbahn werden sie vom italienischen Cervinia nach Zermatt gelangen.

Sommer und Winter gleich

Der Wintersport verliert an Bedeutung. In diese Richtung geht der Trend bei den Titlis Bergbahnen schon seit den Siebzigerjahren. 2018 wurde eine Marke erreicht: Es kamen im Sommer nahezu gleich viele Gäste wie im Winter: 619 000 im Winter, 617 000 im Sommer. «Das erachten wir als ausgeglichen, was erstmals in unserer Geschichte der Fall ist», sagt Marketingchef Peter Reinle. Noch vor zehn Jahren waren es im Winter rund 60 Prozent der Gäste, im Sommer damals erst 40 Prozent. Und selbst im Winter stellt Reinle mittlerweile fest: «Es kommen mehr Nicht-Skifahrer auf den Berg.»

ARCHIVE - DUE TO THE PLANE CRASH ON THE MOUNT PIZ SEGNAS ---- Mount Piz Segnas, left, and the Tschingel Horn mountains, right, with the Martin's Hole near Elm in the canton of Glarus, Switzerland, pic ...
Die «Tektonikarena Sardona» soll durch eine Pendelbahn erschlossen werden.Bild: KEYSTONE

Im Bündnerischen Laax heisst es klipp und klar: «Angesichtes des Klimawandels ist es uns wichtig, die Abhängigkeit vom Winter zu reduzieren», sagt Sprecherin Christina Ragettli. Dafür will man in den anderen Jahreszeiten mehr bieten, zum Beispiel das Martinsloch besser vermarkten. So will man den Trend nutzen, dass besonders junge Gäste die Berge geniessen wollen – auch ohne Ski. Und man möchte mehr Ausflugstouristen zu sich holen: aus der Schweiz und Grossbritannien oder aus China und den Golfstaaten. Dafür wird mit einer neuen Pendelbahn die «Tektonikarena Sardona» erschlossen, gemäss Unesco ein Weltnaturerbe.

Auferstehung nach Fast-Pleite

All das bedeutet nicht, dass nun irgendwo die Wintersportler vernachlässigt würden. «Es gibt keine Alternative zu Skifahren und Snowboarden», sagt zum Beispiel Reinle von den Titlis Bergbahnen. In Zermatt sagt Sprecher Mathias Imoberdorf: «Wir geben bei den Skifahrern kein Stück nach, im Gegenteil, wir puschen immer weiter.» Doch neben dem Wintersport verändert sich die Branche: Der Winter wird ohne Ski erlebbar. Das Sommergeschäft mit Ausflüglern gewinnt an Gewicht.

Skier in action on a ski slope covered with artificial snow surrounded by green fields, in the Swiss Alps, during Christmas holydays, in Leysin, Switzerland, December 24, 2015. The snow has melted as  ...
Die Winter sind den Skigebieten zu kurz, um ihre Investitionen rauszuholen.Bild: KEYSTONE

Weit unterhalb der Schwergewichte in Zermatt, Titlis oder Laax hat die Schwyzer Bergbahn Sattel Hochstuckli sich weitgehend von den Winterlaunen befreit. Geschäftsführer Marcel Murri erzählt, dem Betrieb sei schon in den Achtzigerjahren fast das Geld ausgegangen. Drei Winter ohne Schnee hätten genügt. Ideen waren gefragt, um Geldgeber zu überzeugen.

Also wurde eine Rodelbahn für den Sommer gebaut, später eine Hängebrücke. Alles Investitionen, die nicht nur an sonnigen Wintertagen rentieren. «Der Winter ist zu kurz, um eine Investition wieder reinzuholen», sagt Murri. Heute verdient Sattel Hochstuckli im Sommer mehr Geld als im Winter. Im Winter wiederum kommen zusehends mehr Nicht-Skifahrer. Für Schlittenfahrer und Wanderer wurden Wege erstellt, an Samstagabenden mit Laternen ausgeleuchtet. «Im Winter sind wenige Festtage und die Sportferien entscheiden. Stimmt das Wetter nicht, ist die Saison schon zerzaust.» (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

36 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
YvesM
23.02.2019 20:39registriert Januar 2016
Viele Familien rechnen halt: eine Woche Skiferien=drei Wochen Sommerferien inkl. Flug.

Die Kosten sind viel zu hoch.
38325
Melden
Zum Kommentar
avatar
rheinfaller
23.02.2019 20:15registriert Februar 2016
Einfach mal die Tageskarten- und Schnipopreise über die Besucherstatistik legen...
35316
Melden
Zum Kommentar
avatar
Filzstift
23.02.2019 22:01registriert August 2016
Sorry, ich würde sehr gerne mit meiner Familie samt Kindern oft Skifahren. Wie ich früher als ich noch klein war. Nur kann ich mir das nicht leisten. Damals konnte mein Papa das noch bezahlen, wir begnügten uns mit Schleppliften und lahmen Sesselliften. Dafür nur ca. 25 Fr pp. Heute alles hochgerüstet, dafür unbezahlbar. Und selbst Dorfsklilifte verlangen auch schon 40.- für ihren einzigen Schlepplift. Naja müssen halt zu Hause bleiben 😢😢😢
14313
Melden
Zum Kommentar
36
Nur noch für rund ein Drittel der Schweizer ist Bares Wahres

Laut einem 15-Länder-Vergleich der Unternehmensberatung Strategy& bevorzugen 35 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Bargeld als Zahlungsmittel. In Deutschland sind es hingegen über die Hälfte - und in Dänemark nur 17 Prozent. Der europäische Schnitt liegt bei 37 Prozent.

Zur Story