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ARCHIV - ZUM GEPLANTEN STELLENABBAU BEI DER DEPESCHENAGENTUR SDA STELLEN WIR IHNEN DIESES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Mitarbeiter der Schweizerische Depeschenagentur sda in der Redaktion in Bern, aufgenommen am 30. Mai 2012. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Kann der Schichtbetrieb aufrechterhalten werden? Blick in die SDA-Redaktionsräume in Bern. Bild: KEYSTONE

Geregelter Betrieb in Gefahr – SDA bietet gefeuerten Redaktoren befristete Verträge an

Als Sparmassnahme entliess die Nachrichtenagentur SDA altgediente Journalisten, andere mussten ihr Pensum reduzieren. Jetzt bedrohen freiwillige Kündigungen das Funktionieren der demoralisierten Redaktion. Die SDA-Spitze bietet deshalb bereits entlassenen Journalisten neue Arbeitsverträge an – aber nur auf Zeit.



«Ein Abschiedsapéro nach dem anderen»: So fasste ein Sportredaktor der SDA die derzeitigen Geschehnisse bei der krisengeschüttelten Nachrichtenagentur Ende März auf Twitter zusammen. Die vielen Abschiede sorgen für eine angespannte personelle Situation. Die Redaktionsleitung hat Mühe, den Schichtbetrieb so zu organisieren, dass der Service ab Sommer in üblichem Umfang und gewohnter Qualität aufrechterhalten werden kann.

Doch es ist nicht nur der im Rahmen eines Sparprogramms angekündigte Abbau von 36,5 der 150 Redaktions-Vollzeitstellen, welcher den Regelbetrieb gefährdet. Hinzugekommen sind in den letzten Monaten und Wochen zahlreiche freiwillige Kündigungen – die meisten davon werden im Sommer effektiv. Wie viele Journalisten der krisengeschüttelten SDA bereits freiwillig den Rücken gekehrt haben, kann Iso Rechsteiner, Kommunikationsverantwortlicher der Unternehmensspitze, auf Anfrage derzeit nicht beziffern.

«Qualität und Quantität leidet»

Der Substanzverlust gefährdet aber offensichtlich den normalen Betrieb. Rechsteiner bestätigt Recherchen von watson, wonach vereinzelt bereits entlassenen Redaktoren befristete Verträge angeboten wurden. Die SDA ist auf sie angewiesen, um in den Ressorts die für den Schichtbetrieb nötigen Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben. In einem Fall handelt es sich um eine Redaktorin, die im Laufe des Frühjahrs mit Erreichen des 60. Lebensjahrs hätte entlassen werden sollen. Ihr wurde nun ein auf wenige Monate befristeter Anschlussvertrag angeboten.

Zusätzlich wurden einer Handvoll Redaktoren, die im Rahmen der Sparmassnahmen neue Arbeitsverträge mit reduziertem Pensum unterzeichnen mussten, befristet wieder höhere Pensen angeboten. Auch diesen Sachverhalt bestätigt SDA-Sprecher Rechsteiner auf Anfrage.

«Diese dauernde Unsicherheit über die eigene Zukunft belastet die direkt Betroffenen», sagt Inlandredaktor Sebastian Gänger, Mitglied der Redaktionskommission. Er kritisiert die «Intransparenz der Unternehmensführung». Es sei eine bedauerliche Tatsache, dass derzeit Qualität und Quantität der Dienstleistungen der SDA darunter litten. Gefährlich daran sei, dass dies zu einem besonders heiklen Zeitpunkt der Fall sei. Derzeit liefen viele Kundengespräche über eine Vertragsverlängerung fürs nächste Jahr: «Wenn der Output der SDA leidet, gibt das den Kunden ein Mittel in die Hand, noch mehr Druck auf die Preise zu machen – so geraten wir in einen Teufelskreis.»

«Bedauerliche Verunsicherung»

Dieser Einschätzung widerspricht SDA-Sprecher Iso Rechsteiner: «Die SDA beliefert ihre Kunden nach wie vor in der gewohnten Qualität.» Die Chefredaktion der SDA sei in der Lage, den Regelbetrieb so zu organisieren, dass die Kunden gemäss Verträgen die Dienstleistungen der SDA beziehen können. Eine Reduktion der Leistungen sei kein Thema.

Die SDA-Spitze hält fest an dem im Hinblick auf die Fusion mit der Bildagentur Keystone aufgegleisten Sparprogramm: «Verwaltungsrat und Geschäftsleitung sind überzeugt, dass die eingeschlagene Strategie richtig und wichtig ist, um das neue Unternehmen Keystone_SDA als konvergentes und multimediales Unternehmen am Markt aufzustellen», so Rechsteiner.

Doch die derzeitigen Probleme streitet auch Rechsteiner nicht ab. Sie seien daraus entstanden, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Rahmen der Verhandlungen nicht auf eine gemeinsame Lösung verständigen konnten: «Es ist klar und auch bedauerlich, dass dies zu einer Verunsicherung im Betrieb geführt hat, die freiwillige Kündigungen nach sich gezogen hat.» Er hofft nun darauf, dass im laufenden Schlichtungsverfahren vor der Eidgenössischen Einigungsstelle beim Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) gute Lösungen für beide Seiten gefunden werden. Doch, so Rechsteiner: «Auch während dieser Zeit ist es nicht auszuschliessen, dass in dieser speziellen Situation die Unsicherheit noch bleibt.»

«Wir sitzen am kürzeren Hebel»

SDA-Inlandredaktor Sebastian Gänger interpretiert die Kündigungen anders: «Die vielen freiwilligen Abgänge zeigen, dass viele nicht mehr an Besserung glauben.» Er zieht ein zwiespältiges Fazit, was den Arbeitskampf der Redaktion angeht. Er sei zwar stolz darüber, wie die Redaktion die Leistung und Bedeutung der SDA in die Öffentlichkeit und die Politik getragen habe: «Was aber unsere materiellen Forderungen angeht, sind wir bislang gescheitert.»

Die Mitglieder der SDA Redaktionskommission Julia Rippstein, Michael Burkard, Stephanie Vonarburg, syndicom, Sebastian Gaenger, Antoinette Prince und Rainer Schneuwly, von links, sprechen an einer Medienkonferenz der Redaktionskommission REKO der SDA, der syndicom, und Impressum ueber die Gruende fuer den Sistierung der Verhandlungen mit dem SDA-Verwaltungsrat, am Donnerstag, 22. Februar 2018 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SDA-Inlandredaktor Sebastian Gänger (Bildmitte). Bild: KEYSTONE

Der Abbau der 36,5 Vollzeitstellen, gegen den sich die Redaktion im Februar mit einem mehrtägigen Streik gewehrt hatte, sei angesichts der vielen Abgänge de facto bereits Tatsache geworden. Hier seien die SDA-Journalisten zur schmerzhaften und schwierigen Einsicht gelangt, «dass wir als Angestellte einer privaten Firma am kürzeren Hebel sitzen».

Doch die Belegschaft geht deshalb nicht ohne Forderungen ins Einigungsverfahren, mit dessen Abschluss Gänger frühestens Mitte Juli rechnet: «Wir konzentrieren uns jetzt darauf, für die Härtefälle gerechte Entschädigungen zu erkämpfen.» Damit meint Gänger die Redaktorinnen und Redaktoren, die mit über 60 ihre Stelle verlieren und denen der Gang aufs Arbeitsamt droht. Um das zu verhindern, verlangt die Redaktion eine deutliche Erhöhung des von der SDA-Spitze bisher mit zwei Millionen dotierten Sozialplans. Ausserdem will man eine schriftliche Zusicherung, dass der Stellenetat im nächsten Jahr nicht noch zusätzlich über den bereits angekündigten Abbau hinaus zusammengestrichen wird.

Protestmarsch der streikenden Redaktion

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Video: undefined/keystone

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ranaldo 13.04.2018 08:03
    Highlight Highlight " Sie seien daraus entstanden, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Rahmen der Verhandlungen nicht auf eine gemeinsame Lösung verständigen konnten".

    Jeder, der ein bisschen Einblick in die Geschichte hat, weiss, dass dieses Statement blanker Zynismus ist. Zum können müsste man wollen.
  • Mimimimi 12.04.2018 21:11
    Highlight Highlight Scheint, als wären die "human resources" doch nicht bloss zahlen in einem excelsheet...
  • thierry_haas 12.04.2018 18:43
    Highlight Highlight Es gibt immer mehr Business Schools, immer mehr Management-Ausbildungen und was weiss ich alles für einen Mist und gleichzeitig verschlechtert sich die Stimmung in vielen Firmen immer mehr. Dabei ist es eigentlich ganz einfach:
    - Kommuniziere in totaler Transparenz mit deinen Mitarbeitenden
    - Involviere deine Mitarbeitende wenn immer möglich
    - Höre auf deine Mitarbeitende, denn sie wissen am besten wie man den Job macht
    Ich leite ein KMU mit über 60 Mitarbeitenden und sag mir jeden Tag dasselbe: ohne meine Leute wäre ich: NICHTS.
  • P. Hodel 12.04.2018 18:34
    Highlight Highlight Ist ja ein toller Arbeitgeber, wenn er die Leute im schwierigen Alter kurz vor der Pension auf die Strasse stellt.
    Ich denke, ich würde aus Solidarität kündigen, auch wen mich der Stellenabbau nicht betreffen würde...
  • DailyGuy 12.04.2018 15:56
    Highlight Highlight SDA ist ein super Beispiel wo Geschäftsleitung und Verwaltungsrat nur wieder mal Geld sehen. Sie gehen vor wie Bulldozer vor und sind dann überrascht, wenn das Klima in der Firma hinüber ist.

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