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«Grosse Traurigkeit»: Wallis-Korrespondent Pierre Berclaz ist einer der 40 entlassenen SDA-Redaktoren. Bild: watson/cbe

Seit 32 Jahren berichtet er für die SDA – jetzt verliert Pierre Berclaz mit 61 seinen Job

Der Streik bei der Nachrichtenagentur geht am Donnerstag weiter. Die Journalisten, die man nur unter dem anonymen Kürzel SDA kennt, wehren sich gegen Entlassungen. Pierre Berclaz kann nur noch auf Verbesserungen beim Sozialplan hoffen – der langjährige Redaktor hat die Kündigung bereits erhalten.



Am Mittwoch kurz vor 12 Uhr begrüssen die bereits auf dem Zürcher Helvetiaplatz anwesenden SDA-Redaktoren ihre Kollegen, welche mit einem Car aus Bern eintreffen, mit einem lauten Applaus. Einer der Neuankommenden ist Pierre Berclaz. Auch er hat sich nach Zürich begeben, um die Forderungen der streikenden Redaktion vor dem Hauptgebäude des grössten SDA-Aktionärs kundzutun, der Tamedia.

Wer ist die SDA? Dank Helene habt ihr den Durchblick

Video: watson/Helene Obrist, Lya Saxer

Doch für die Rettung seiner Arbeitsstelle kommt der Streik zu spät: Berclaz wurde am Mittwoch der vergangenen Woche gekündigt. Er gehört zu den 40 Redaktionsmitgliedern, die im Rahmen einer Reorganisation ihren Job verlieren sollen. 

Berclaz arbeitet seit 32 Jahren für die Schweizerische Depeschenagentur. Seit 1991 ist er als SDA-Korrespondent für das Wallis im Regionalbüro in Sitten tätig. «Ich berichte über alles, was im Wallis so geschieht, ausser über Sport». Dazu gehören Verkehrsunfälle, Lawinenunglücke, kantonale Wahlen, die Jahresbilanzen grosser Walliser Unternehmen.

Ganz überraschend kam die Kündigung nicht. Als die SDA-Geschäftsleitung Anfang 2018 über die Abbaupläne informierte, war klar: Redaktorinnen über 60 und Redaktoren über 61 werden ihren Job verlieren – jeweils vier Jahre vor Erreichen des Rentenalters.

«Ich habe damit gerechnet, dass es mich treffen wird»

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Video: streamable

Der 60-Jährige wird im November 2019 nach 33 Jahren im Dienste der SDA seine Stelle verlieren. Seine langjährige Tätigkeit war beim Kündigungsgespräch kein Thema – auch Worte des Dankes fielen keine. Man habe ihm lediglich mitgeteilt, dass er im nächsten Jahr gehen müsse. Er sei Teil des Sozialplans, aber über dessen konkrete Ausgestaltung werde man erst in einigen Wochen informieren: «Dann hat man mir den Brief gegeben.»

Trotz seiner rechtskräftigen Kündigung unterstützt Berclaz den Streik der Redaktionskollegen. Vom Helvetiaplatz marschiert er mit seinen Arbeitskollegen zum Hauptgebäude der Tamedia an der nahen Werdstrasse. Zur Kundgebung vor dem Glasbau des grössten Schweizer Verlags finden sich auch Journalisten der dortigen Redaktionen und aus anderen Medienhäusern ein.

«Ich empfinde grosse Traurigkeit»

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Video: streamable

Nach der Protestaktion, bei der symbolträchtig Zitronen ausgepresst wurden, kehrt die SDA-Belegschaft an den Helvetiaplatz zurück und begibt sich ins Zürcher Volkshaus. Im «Weissen Saal» applaudiert Berclaz kräftig mit, als die fast vollständig versammelte SDA-Redaktion kurz nach 15 Uhr per Akklamation beschliesst, den Streik auch am dritten Tag in Folge fortzusetzen. 

Kurz darauf besteigt er den Car, der die angereisten SDA-Redaktoren nach Bern zurückbringt. Zwei Stunden später vermeldet die streikende Redaktion einen ersten kleinen Erfolg: Der Verwaltungsrat hat Kontakt mit der Redaktionskommission aufgenommen – rund 35 Stunden nach Beginn des Streiks.

«Weiss nicht, ob die Rente reichen wird»

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Video: streamable

Pierre Berclaz hofft jetzt auf Nachbesserungen beim Sozialplan. Damit könnte die drohende Arbeitslosigkeit – «mit 61 als Journalist im Wallis eine neue Stelle zu finden wäre äusserst schwierig» – finanziell abgefedert werden. Im November 2019, wenn er nach 33 Jahren Tätigkeit für die SDA seinen Schreibtisch im Regionalbüro Sitten räumen muss.

«Uns wird die Luft nicht ausgehen» – SDA-Redaktor Sebastian Gänger zum Fortgang des Streiks

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