Weil das Kuh-Futter «zu gut» ist: Die Schweiz hat zu viel Milch
Die Molkereien können derzeit nicht mehr Milch aufnehmen und verarbeiten. Das führt dazu, dass die Lastwagen gefüllt mit dem Getränk vor den Produktionen Schlange stehen. Dies berichtet unter anderem die NZZ. Gegenüber der Zeitung sagt auch die Sprecherin der Milchprodukte-Herstellerin Emmi, Simone Burgener, dass auch sie derzeit nicht mehr Milch aufnehmen können.
Die Fabrik habe in den letzten Wochen zusätzliches Personal eingestellt, weitere Schichten hinzugefügt und hauptsächlich Produkte hergestellt, die viel Milch beinhalten. Doch die zusätzlichen Massnahmen hätten nicht gereicht:
Den meisten Molkereien in der Schweiz gehe es laut NZZ nicht anders. Im Gegensatz zum Vorjahr wird 10 Prozent mehr Milch an die Produktionen geliefert. Das entspricht rund 3,7 Milliarden Kilogramm – so viel Schweizer Milch gab es noch nie.
Grund für den hohen Milchüberschuss ist laut Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch, unter anderem die Qualität des Futters der Kühe. Das Silofutter und das Heu seien so hochwertig, dass die Kühe mehr Milch produzieren.
Verwendung der Milch, dass sie nicht schlecht wird
Aufgrund der Lage setzte die BO Milch in der Mitte der zweiten Januarwoche 2026 ein Alarmsignal an die Milchbauern ab. In diesem warnen sie, dass wenn sie mehr Milch als im Vorjahr an die Produktionen liefern würden, sie für die zusätzliche Milch kaum Geld erhalten werden. Damit will die Organisation verhindern, dass man tausende Liter Milch wegschütten müsse.
Um die Lage zu entspannen, versucht die Milchbranche derzeit, die überschüssigen Liter zu Milchpulver oder Butter zu machen. Diese Produkte sind länger im Lager haltbar. Falls die Lager auch voll sein sollten, könne man Produkte wie Milchpulver auch in Länder im Nahen Osten bringen, die auf Milchimporte angewiesen sind.
Ein Hilferuf an die Detailhändler
Die Warnung der Milchbranche richtet sich auch an die Detailhändler. Diese sollen mehr Milchprodukte in ihr Sortiment aufnehmen. Zudem wünschen sie sich, dass ausländische Käse und Joghurts mit mehr Schweizer Produkten ersetzt werden. So könne man mehr der Milch verwerten und müsse sie nicht wegschütten.
Coop-Sprecher Caspar Frey sagt gegenüber der NZZ entsprechend, dass der Detailhändler die Milchbranche dort unterstütze, wo es ihnen möglich sei. Kurzfristige Änderungen seien jedoch nicht vorgesehen, auch weil man langfristige Partnerschaften mit den Milchlieferanten pflegen wolle.
Migros hingegen will dem Aufruf der Milchbranche folgen und gezielte Aktionen durchführen, um den Verkauf von Milchprodukten zu stärken. Dies sagt Migros-Sprecher Andy Zesiger.
SVP fordert Stop von Milchimporten
Auch die Politik hat sich bereits eingeschaltet: In einem offenen Brief forderten drei SVP-Nationalräte Bundesrat Guy Parmelin dazu auf, die Milchimporte sofort zu stoppen. Die Schweizer Milchwirtschaft sei «akut bedroht». «Der massenhafte Import von Käse, vor allem aus dem EU-Raum, macht den Milchbauern massiv zu schaffen», so die SVP-Nationalräte Martin Haab (ZH), Marcel Dettling (SZ) und Sylvain Freymond (VD).
(nib/lak)
