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Wirtschaft

Homegate und Immoscout24 bieten fragwürdiges Mieterplus-Abo an

«Eine oberfiese Abzockerei»: Fragwürdige Abos von Immo-Portalen verärgern Mieter

Die Plattformen Homegate und Immoscout24 sind in der Schweiz marktführend. Weil sie kostenpflichtige Abos jetzt auch für Mietende eingeführt haben, wird den Immobilien-Portalen vorgeworfen, ihre Marktstellung auszunutzen.
06.09.2024, 11:0906.09.2024, 13:47
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«Die Immobilienportale Homegate.ch und Immoscout24.ch teilen Wohnungssuchende seit einiger Zeit in zwei Klassen ein»: Das schreibt das Konsumenten-Magazin «K-Tipp» diese Woche. Der Grund: Neu gibt es auf den Portalen das kostenpflichtige Abo «Mieterplus». Bisher existierten solche Abonnemente nur für Inserenten, also Menschen, die eine Wohnung zur Vermietung anbieten.

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Sowohl Homegate.ch als auch Immoscout24.ch werden von der Swiss Marketplace Group betrieben. An dieser Gesellschaft ist unter anderem die TX-Group beteiligt. Bild: sda

«Oberfiese Abzockerei»

«Mieterplus» funktioniert so: Wer ungehinderten resp. einen privilegierten Zugang zu mehr als tausend Inseraten auf den beiden Plattformen haben will, muss neu das Abo zu 39.95 Franken pro Monat abschliessen. Hinzu kommt, dass Mieterplus für mindestens drei Monate gelöst werden muss. Mieterinnen und Mieter auf der Suche werden also in jedem Fall rund 120 Franken hinblättern – auch wenn sie bereits innerhalb des ersten Monats fündig werden.

Für Schweizerinnen und Schweizer auf der Suche nach einer Mietwohnung ist das neue Abo ein riesiges Ärgernis: Das Abo «Mieterplus» sei «eine oberfiese Abzockerei», schreibt zum Beispiel eine Mieterin auf einer Bewertungsplattform. Denn: Im Umkehrschluss bedeutet die Einführung von «Mieterplus», dass alle, diejenigen, welche kein Abo lösen, nicht mehr auf alle Inserate zugreifen können. Zwar sind sie immer noch sichtbar, schreibt K-Tipp, Interessenten ohne Abo können aber nicht sofort eine Anfrage starten. Stattdessen müssen sie sich sieben Tage gedulden – oder: «Noch 7 Tage, bis du diesen In­serenten kontaktieren kannst – mit ‹Mieterplus› gehts sofort.»

«Marktführer nutzt Notlage aus»

Fabian Gloor vom Mieterverband kritisiert das neue Abo und sagt gegenüber «K-Tipp»: «Hier nutzt der Marktführer die Notlage der Wohnungssuchenden aus.» Tatsächlich wird der Marktanteil von Homegate und Immoscout24 auf etwa 75 Prozent geschätzt. Mit anderen Worten: Wer eine Immobilie kaufen oder mieten respektive anbieten will, landet mit grosser Wahrscheinlichkeit auf mindestens einem der Portale. Das macht sie demnach zu Quasi-Monopolisten.

Homegate und Immoscout24 werden von der Swiss Marketplace Group betrieben. Diese wiederum gehört zu über 30 Prozent der TX Group, zu der auch viele Medientitel wie der «Tages-Anzeiger», die «Basler Zeitung» oder die «Berner Zeitung» gehören. Die TX Group konnte ihren Umsatz zuletzt um über 10 Prozent steigern. Die Immobilienportale hatten einen massgeblichen Anteil daran. Das überrasche nicht, schreibt K-Tipp. «Die Swiss Marketplace Group erhöhte die Preise 2024 für Vermieter massiv: In Einzelfällen kostet das Inserieren auf Homegate und Immoscout24 nun bis zu zehn Mal so viel wie im letzten Jahr.»

Kaum Vorteile mit dem Abo

Interessanterweise bietet das Abschliessen des neuen «Mieterplus»-Abos trotz allem womöglich kaum Vorteile. So ergab eine K-Tipp-Stichprobe, dass nur extrem wenige Objekte mit einer Miete von unter 4000 Franken pro Monat unter die «Mieterplus»-Kategorie fallen. In Zürich sind es demnach von 863 Inseraten nur 23. In Basel kann nur bei 13 von 969 Wohnungsinseraten der Vermieter frühzeitig angeschrieben werden, in St. Gallen sogar nur 2 von 414. (lak)

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83 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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kyuss
06.09.2024 11:27registriert Dezember 2014
Eine widerliche Entwicklung. Mieter werden immer mehr geschröpft, gegeinander ausgespielt und sollen jetzt auch noch dafür zahlen, dass sie keine Wohnung finden. Einfach nur pervers und unterste Schublade.
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Eine Eidechse
06.09.2024 11:20registriert Januar 2021
Es ist eigentlich krass, wie viel die SMG im Onlinemarktplatz der Schweiz kontrolliert: Homegate, Immoscout, Autoscout, Tutti, Ricardo, Anibis und seit Dezember 23 auch noch Flatfox.

Mittlerweile können die sich alles erlauben, machen gross einen auf Schweizerisch, haben aber die meiste Software-Entwicklung ins Ausland verlagert, während die Preise auf allen Platformen in die Höhe schiessen (Ricardo bis zu 12% Provision, HG "Mieter Plus", etc etc ).

Schade eigentlich. Ich mag die Bude gar nicht, man kommt aber ohne grosse Einbrüche in der Sichtbarkeit kaum um sie herum.
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AstroKatz
06.09.2024 12:50registriert Juli 2015
Schade habe ich den Beitrag nicht früher gelesen. Leider habe ich mich auch vor einer Woche auf zwei Inserate melden wollen und konnte die Kontaktdaten nirgends sonst finden. Zwangsläufig halt ein Abo gemacht. Dann wollte ich auf tutti.ch ebenfalls ein Suchinserat aufschalten und wurde aufgefordert 9.90 zu bezahlen, da meine Art Inserat kostenpflichtig sei. Einen Tag später erhalte ich die Information über die Löschung des Inserates, da tutti.ch keine Suchinserate mehr anbiete, das Geld aber kriege ich nicht mehr gutgeschrieben...die wissen echt wie man Geld kriegt! Schade ist das erlaubt!
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