DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Wer schwanger ist und sich impfen lassen will, sucht vergebens nach einer konkreten Empfehlung des BAG.
Wer schwanger ist und sich impfen lassen will, sucht vergebens nach einer konkreten Empfehlung des BAG.
Bild: shutterstock

Oberster Impfchef korrigiert bisherige BAG-Empfehlung für Schwangere

Können sich Schwangere gegen das Coronavirus impfen lassen? Um diese Frage herrscht aktuell Verwirrung. Impfchef Christoph Berger will nun die BAG-Empfehlung anpassen und empfiehlt Schwangeren die Impfung.
28.08.2021, 09:1728.08.2021, 12:43

Um die Impffrage bei schwangeren Frauen herrscht Verwirrung. Schwangere sollen sich gegen das Coronavirus impfen lassen, sagen die einen: Die Infektion mit Covid-19 könne für das Kind wie für die Mutter lebensbedrohlich sein. Schwangere sollen sich nicht impfen lassen, sagen die anderen: Die Impfung sei noch zu wenig gut erforscht, Nebenwirkungen für den Fötus seien nicht auszuschliessen.

Wer sich nun an den Empfehlungen der Behörden orientieren will, wird enttäuscht. So erging es etwa der 29-jährigen Winterthurerin Nadine. Sie schreibt watson: «Ich bin unsicher, ob ich mich in der Schwangerschaft impfen soll. Die Stellungnahme des BAG ist schwammig und telefonisch erhält man keine bessere Antwort.» Jetzt müsse sie sich entscheiden, ohne eine Empfehlung. Das sei unangenehm. «Die Chancen stehen momentan bei 50 zu 50, dass ich mich impfen lasse.»

Ein Blick auf die Website des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigt: Kommuniziert wird vage. Im FAQ steht: «Eine Impfung von schwangeren Frauen ist vorerst noch nicht generell empfohlen, da noch nicht ausreichend Studiendaten vorliegen.» Gleichzeitig schreibt das BAG in der allgemeinen Impfempfehlung: «Die Covid-19-Impfung kann [...] allen impfwilligen schwangeren Frauen ermöglicht werden.»

Tatsache ist:

  • Das BAG empfiehlt schwangeren Frauen die Covid-Impfung, wenn sie im zweiten Trimester sind – Schwangerschaftsmonate vier bis sieben – und eine chronische Krankheit haben oder einer Ansteckung besonders ausgesetzt sind, wie etwa Gesundheitspersonal.
  • Im ersten Trimester sollten sich Schwangere gemäss BAG nicht gegen das Coronavirus impfen lassen.
  • Die Covid-Impfung ist für alle schwangeren Frauen möglich, allerdings brauchen sie dafür zwingend ein ärztliches Attest.
«BAG und EKIF wollen die Impfempfehlung für Schwangere überarbeiten.
Ich rechne damit, dass das in den nächsten Monaten passiert.»
Christoph Berger, Präsident der eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF)

Unzufrieden mit der aktuellen Empfehlung ist auch der höchste Impfchef, Christoph Berger – obwohl er sie selber mit ausgearbeitet hat. «Viele Schwangere, die impfwillig wären, verwirrt man mit der aktuellen Empfehlung. Das war nicht die Idee», sagt der Präsident der eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF). «Aufgrund der neuen Erkenntnisse wollen das BAG und die EKIF die Schweizer Impfempfehlung überarbeiten», so Berger. «Ich rechne damit, dass die Empfehlung in den nächsten Monaten angepasst werden kann.»

Nicht impfen ist riskant

Inzwischen sei klar, dass die Covid-Impfung keine Gefahr ist – weder für Schwangere noch für das Kind. Ganz im Gegensatz zu einer Infektion mit Covid-19. Werdende Mütter haben im Vergleich zu Nicht-Schwangeren im gleichen Alter ein leicht höheres Risiko auf einen schweren Verlauf, erklärt Berger.

Er stützt sich dabei auf den Bericht der US-Gesundheitsbehörde CDC. Dieser hält fest: Kommt es zu einem schweren Verlauf, kann das für Mutter und Kind gefährlich werden. Als Risiken werden Schwangerschaftsvergiftung, Früh- oder Totgeburten genannt. Zwar sind die Komplikation eher unwahrscheinlich, aber die Gefahr besteht.

Neben den USA empfiehlt auch Grossbritannien bereits die Impfung für Schwangere. In beiden Ländern gilt die Empfehlung besonders für die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Pfizer/BioNTech. Mittlerweile habe man verlässliche Daten von fast 200'000 schwangeren Frauen, die geimpft wurden, und es gebe keine Sicherheitsbedenken, sagte Pat O'Brien, Vizepräsident des britischen Verbands der Geburtshelfer und Gynäkologen, Anfang August.

Falsche Gerüchte vermeiden

Warum das BAG seine Empfehlung erst jetzt anpasst, erklärt Impfchef Berger so: «Wir waren am Anfang sehr zurückhaltend, Schwangere sind eine spezielle Gruppe, man testet eine neue Impfung nicht als Erstes an ihnen.» Ausserdem wollte man falsche Rückschlüsse tunlichst vermeiden. Im ersten Trimester der Schwangerschaft passieren statistisch gesehen die meisten Aborte – auch ohne Corona oder ohne eine Impfung.

«Wir wollten verhindern, dass Frauen, die sich in den ersten Schwangerschaftswochen impfen lassen und dann eine Fehlgeburt haben, den Grund dafür bei der Impfung vermuten», sagt Berger. Das wäre eine falsche Schlussfolgerung – wissenschaftlich spricht man in diesem Fall von einer zeitlichen Assoziation, nicht von einem ursächlichen Zusammenhang (Kausalität): «Es gibt keine Belege, dass die Covid-Impfung einen Abort verursacht.» Jetzt zeigten immer mehr und bessere Daten, dass der Impfstoff kein Risiko für Mutter und Kind darstelle – «weder vor der Schwangerschaft, noch währenddessen, noch danach oder beim Stillen», so Berger.

Christoph Berger vom Kinderspital Zürich ist Infektiologe und Präsident der Impfkommission.
Christoph Berger vom Kinderspital Zürich ist Infektiologe und Präsident der Impfkommission.
Bild: KEYSTONE

«Ich hoffe, wir können die Empfehlung so bald wie möglich anpassen, damit sich Schwangere mit gutem Gefühl für die Covid-Impfung entscheiden können», so Berger. Man sei jetzt daran, die aktuellsten Daten nochmals eingehend zu prüfen. In der Zwischenzeit erhofft sich Berger von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten eine klarere Positionierung. «Ich finde es schade, dass nicht mehr Gynäkologinnen und Gynäkologen ihren schwangeren Patientinnen ein Aufklärungsgespräch zur Covid-Impfung in der Schwangerschaft anbieten.»

Schwangeren fehlt oft das Attest

Tatsächlich führt die schwammige Formulierung des BAG dazu, dass Ärztinnen und Ärzte ihren schwangeren Patientinnen oft kein Impf-Attest geben. So schreibt eine 31-jährige Userin an watson: «Ich bin schwanger und meine Ärztin unterzeichnet die Zustimmung nicht, die für die Impfung nötig wäre.» Die Verschreibung ist für Schwangere zwingend, so steht es in der allgemeinen Impfempfehlung.

In Deutschland ist die Lage ähnlich wie in der Schweiz. Die Ständige Impfkommission STIKO rät nicht generell zur Impfung, sondern nur Schwangeren mit Vorerkrankungen. Allerdings haben jetzt Fachgesellschaften Stellung genommen und sich für die Impfung von Schwangeren ausgesprochen – darunter auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Die Schweizerische Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) war bisher zurückhaltend. Auf ihrer Website verweisen sie auf die allgemeine Impfempfehlung. Doch im Hintergrund laufen die Getriebe bereits: Das BAG sei mit der SGGG für die Anpassung der Empfehlung im Gespräch, sagt Impfchef Christoph Berger.

Warum die Covid-19-Impfung nicht unfruchtbar macht – in 2 Punkten

Video: watson/Aya Baalbaki
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

24 Cartoons über das Eltern-Dasein

1 / 26
24 Cartoons über das Eltern-Dasein
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Schwangere sind wie eine Epidemie

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Anonymous versetzt Corona-Leugner Attila Hildmann den finalen Schlag

Das Hackerkollektiv Anonymous will bei einem Angriff auf den Corona-Leugner über 100'000 E-Mails und Kontakte erbeutet haben. Darunter sollen Daten von Geschäftspartnern, Mitstreitern und sogar Dominas sein. Anonymous kündigt den Hack als das «Finale Kapitel» im Kampf gegen Hildmann an.

Egal ob man am Montagmorgen die Seite attilahildmann.de, attila-hildmann.de, whattheyhide.org oder eine weitere der knapp zwei Dutzend Websites besuchte, die vom Corona-Leugner und antisemitischen Hetzer Attila Hildmann betrieben werden, das Bild war immer dasselbe: Statt der Seite sahen die Besucher das Logo von Anonymous sowie ein Video mit einem programmatischen Bekenner-Text.

Darin erklären die Verfasser, dass Hildmann ihnen unfreiwillig Zugang zu seinen Telegram-Kanälen und Gruppen, …

Artikel lesen
Link zum Artikel