Als ob das Hochwasser und die Überschwemmungen nicht genug für das Gemüt wären, breitet sich nun auch noch eine besonders aggressive Art der Stechmücke in einem horrenden Tempo aus. Doch warum gerade jetzt? Und was kann man dagegen tun? Wir klären die wichtigsten Fragen zur Mückenplage.
Mücken brüten ausschliesslich in stehenden Gewässern. Dazu zählen unter anderem Seen, Weiher, Tümpel und Teiche. Pie Müller, Entomologe von Swiss Tropical and Public Health Institute, sagte bereits im Mai gegenüber pilatustoday: «Feuchte Wochen fördern die Entwicklung der Mücken.»
Und da sich das Wetter seit dem letzten Monat nicht wirklich zum Besseren gewendet hat, haben viele Orte mit einer Mückenplage zu kämpfen. Vor allem in Gebieten, wo es in letzter Zeit heftige Überschwemmungen gegeben hat – wie zum Beispiel am Bodensee.
Gemäss Rainer Bretthauer, Umweltschutzbeauftragter der deutschen Stadt Radolfzell am Bodensee, breitet sich dort die Stechmücke nach den heftigen Regenfällen momentan explosionsartig aus. «Überschwemmungen sind perfekte Bedingungen für die Eiablage, die Folge sind massenhafter Nachwuchs», so Bretthauer gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.
Die Mückenplage befördert eine besonders aggressive Art von Stechmücken ans Tageslicht: sogenannte Überschwemmungsmücken. Überschwemmungsmücken sind besonders penetrant auf Blutjagd, da sie sich schnell fortpflanzen müssen, bevor die günstigen Bedingungen wieder verschwinden.
Überschwemmungsmücken legen ihre Eier gern auf feuchtem Boden ab, oft in Uferzonen und Flussauen. Dort können sie mehrere Jahre im Boden überdauern. Wenn die Ablageorte überflutet werden und die Temperatur günstig ist, beginnt die Entwicklung vom Ei zur stechfreudigen Mücke. Bei grossflächigen Überschwemmungen kann es zum Massenschlupf kommen. Und genau das ist jetzt der Fall.
Bodensee-Touristen und Anwohnerinnen und Anwohner sollten sich wappnen. Aber nicht nur die Lokalität, auch die Zeit spiele beim Aufenthalt draussen eine Rolle: «Während der Dämmerung bei mehr als 18 Grad werden sie bissig», so Bretthauer. Wer sich trotzdem nicht die Abendstimmung vermiesen lassen will, soll sich entsprechend kleiden. Der Umweltschutzbeauftragte rät zu locker sitzender, langer Kleidung. Ganz verschont zu bleiben, ist wegen der schieren Anzahl aber kaum möglich.
Die Devise daher: lernen, mit ihnen zu leben. «Ich lasse mich stechen, kratze aber nicht», so Bretthauer gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Man müsse 20 bis 30 Minuten durchhalten, bis der Juckreiz abflache. Und der Umweltschutzbeauftragte hat noch einen weiteren Tipp: «Wenn man sich draussen aufhält und feiern will, dann sollte man keine kohlensäurehaltigen Getränke zu sich nehmen.» Heisst: Eher zum Wein greifen als zum Bier.
Etwas Positives kann man der Mückenplage aber dennoch abgewinnen. Für etliche Fische und Vögel sind die vielen Mücken ein Segen: «Die ganzen Insekten, die sich jetzt entwickeln, sind eine ganz wichtige Nahrungsgrundlage für viele Fischarten und auch für Vögel», sagte Eberhard Klein vom Naturschutzbund Deutschland in Konstanz gegenüber der SDA.
(ome mit Material der SDA/DPA)