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FILE - In this Friday, Jan. 22, 2021, file photo, empty vials of the Pfizer-BioNTech COVID-19 vaccine are seen at a vaccination center at the University of Nevada, Las Vegas. Demand for coronavirus vaccines among early priority groups in Nevada has been high, but officials worry that they may encounter resistance among people to get the shots as more become eligible. (AP Photo/John Locher, File)

Impfstoffe sind weltweit begehrt: Bild von leeren Impffläschchen von Pfizer/Biontech. Bild: keystone

Bund bestellt über 34 Millionen Impfdosen – warum so viel?

Zwei neue Verträge und mehr Corona-Impfstoffe von Moderna – die Schweiz verdoppelt die Menge an bestellten Vakzinen auf einen Schlag. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Andreas Möckli / ch media



Der Bund hat gleich drei neue Verträge zur Beschaffung weiterer Corona-Impfdosen abgeschlossen. Neben der Aufstockung der Bestellung bei Moderna kommen zwei neue Unternehmen hinzu. Dabei handelt es sich um die Biotechfirmen Curevac aus Deutschland und Novavax aus den USA. Weil es bei allen bestellten Vakzinen zwei Dosen braucht, können mit den 34.3 Millionen Impfdosen über 17 Millionen Menschen geimpft werden.

Der Bund hat gleich bei drei Herstellern weitere Impfdosen gekauft. Um wen handelt es sich dabei?

Darunter befinden sich zwei neue Unternehmen. So hat die Schweiz mit der deutschen Biotechfirma Curevac einen Vertrag über 5 Millionen Dosen abgeschlossen. Wie bereits bei Astrazeneca läuft dies über die Europäische Union, konkret bezieht der Bund die Dosen von Schweden. Der zweite Vertrag wurde mit der US-Biotechfirma Novavax vereinbart. Hier geht es um 6 Millionen Dosen. Schliesslich hat der Bund den Vertrag mit Moderna von 7.5 auf 13.5 Millionen Dosen aufgestockt.

Über wie viele Dosen verfügt die Schweiz und was kostet das?

Insgesamt hat sich der Bund nun 34.3 Millionen Impfdosen gesichert. Bei allen fünf Vakzinen sind zwei Spritzen nötig, damit könnten also über 17 Millionen Menschen geimpft werden. Ursprünglich hat der Bundesrat rund 300 Millionen Franken für die Beschaffung bewilligt. Dank Verpflichtungskrediten hat die Schweiz nun die Möglichkeit, Impfstoffe im Wert von bis zu 800 Millionen Franken einzukaufen, wie Nora Kronig vom Bundesamt für Gesundheit am Mittwoch an einer Medienkonferenz in Bern sagte.

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Wieso hat der Bund gleich so viel bestellt?

Allzu klar waren die Antworten an der Medienkonferenz nicht. Offenbar haben die derzeitigen Lieferschwierigkeiten bei den Verantwortlichen beim Bund Spuren hinterlassen. Kronig sagte, die Schweiz müsse für allfällige Mutationen gewappnet sein. In diesem Zusammenhang ist auch die Option zu sehen, die der Bund mit Moderna vereinbart hat. Der Vertrag ermöglicht es der Schweiz, einen Teil der Lieferungen dem Bedarf anzupassen und erst in der ersten Hälfte des nächsten Jahres zu beziehen. Moderna forscht bereits an einer Auffrischung, welche einen Schutz vor zukünftigen Virusmutationen abdecken könnte.

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Was sind die Unterschiede zwischen den Vakzinen von Novavax und Curevac und den bereits bestellten Impfdosen?

Mit dem Deal mit Novavax hat sich der Bund erstmals einen proteinbasierten Impfstoff gesichert. Diese verwenden Teile des Coronavirus, häufig sogenannte Proteinfragmente, um eine Immunantwort auszulösen. In der Regel verringert dies das Risiko von Nebenwirkungen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die Immunantwort schwächer sein kann. Novavax jedoch verfügt über ein sehr potentes Coronavakzin. Das Präparat habe in der dritten und entscheidenden Phase der Studie eine Wirksamkeit von 89.3 Prozent gezeigt. Diese Daten veröffentlichte das Unternehmen vergangene Woche. Sie basieren auf einer Studie in Grossbritannien mit rund 15'000 Teilnehmern. Für eine weitere Studie in den USA liegen noch keine Zwischenergebnisse vor.

The logo of the biotech company Curevac with slogan

Die Biotechfirma Curevac hat ihren Sitz in Tübingen südlich von Stuttgart. Bild: keystone

Und wie sieht es mit Curevac aus?

Die deutsche Firma setzt wie Moderna und Pfizer/Biontech auf die sogenannte mRNA-Technologie. Allerdings hat Curevac die letzte und entscheidende Phase-III-Studie erst Mitte Dezember gestartet. Darin sollen rund 36'500 Teilnehmer in Europa und Südamerika aufgenommen werden. Getestet wird mit zwei Dosen. Erste Ergebnisse werden im ersten Quartal erwartet. In früheren Studien zeigte der Impfstoff eine gute Verträglichkeit und eine ausgewogene Immunantwort. Für die Herstellung hat die Firma Verträge mit den deutschen Firmen Bayer und Rentschler Biopharma sowie mit dem britischen Pharmakonzern Glaxosmithkline abgeschlossen.

Haben die beiden Firmen in der Schweiz bereits eine Zulassung eingereicht?

Nein, das ist laut der Arzneimittelbehörde Swissmedic noch nicht geschehen. Allerdings war das teils auch bei jenen Herstellern nicht der Fall, mit denen der Bund letztes Jahr handelseinig wurde. Neben der Zulassung benötigen die beiden Firmen eine sogenannte Betriebsbewilligung von der Swissmedic. Hierfür müssen sie etwa belegen, dass sie hierzulande in der Lage sind, einen Rückruf eines Präparats zu organisieren.

Wer sind diese beiden Firmen überhaupt?

Bei beiden handelt es sich um kleine Biotechfirmen, die beide an der Börse gehandelt werden. Bei Curevac ist dies erst seit letzten September der Fall. Novavax beschäftigt laut Geschäftsbericht 165 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in der Nähe der US-Hauptstadt Washington im Bundesstaat Maryland. Curevac hat seinen Sitz in Tübingen südlich von Stuttgart und verfügt über 500 Angestellte. Mitte Juni hat sich die deutsche Regierung mit 300 Millionen Euro an der Firma beteiligt, ihr Anteil beträgt knapp 17 Prozent. Grösster Aktionär ist jedoch Dietmar Hopp, Mitbegründer der Softwarefirma SAP. Erst am Dienstag hat sich Curevac über eine Kapitalerhöhung weitere 450 Millionen Dollar beschafft.

Wieso setzt der Bund so stark auf Moderna?

Die Impfstoffe basierend auf der mRNA-Technologie verzeichnen bisher den besten Wirkschutz. Moderna und Pfizer/Biontech publizierten Werte von rund 95 Prozent. So wie es aussieht, scheint das Einvernehmen zwischen dem Bund und Moderna gut zu sein. Das hat auch damit zu tun, dass ein grosser Teil der Wirksubstanz von der Basler Firma Lonza in Visp VS hergestellt wird. Moderna-Chef Stéphane Bancel bedankte sich für das Vertrauen und die Unterstützung. «Die Schweiz hat in der Geschichte von Moderna eine Schlüsselrolle gespielt.» Der Europa-Sitz von Moderna befindet sich seit dem Sommer in Basel.

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Video: watson/lha

Wie reagieren Politiker auf die neuen Verträge?

Die neuen Verträge mit Novavax und Curevac seien gute Nachrichten, sagt GLP-Nationalrat Martin Bäumle. Es komme zwar alles etwas spät. Doch immerhin sei mit den neuen Verträgen eine genügende Anzahl Dosen zu erwarten, um allen Menschen in der Schweiz, die eine Impfung möchten, eine solche bis im Sommer anzubieten. Auch CVP-Nationalrätin Ruth Humbel freut sich. «Es bleibt zu hoffen, dass die Impfstoffe sofort nach der Zulassung geliefert werden können.» Zudem sei zu wünschen, dass die Lieferfristen verbindlich vereinbart worden seien und es zu keinen unerwarteten Lieferengpässen komme.

Wird der Bund noch weitere Verträge abschliessen?

Das ist durchaus möglich. Ein heisser Kandidat ist der US-Konzern Johnson & Johnson, der hierzulande 4400 Mitarbeiter beschäftigt. Beide Seiten haben Verhandlungen bestätigt. Nora Kronig vom Bundesamt für Gesundheit mochte sich nun aber nicht mehr weiter dazu äussern. Der grosse Vorteil des Vakzins der Amerikaner: Es ist nur eine Dosis nötig.

Bei Astrazeneca kommt es bei der Zulassung zu einer Verzögerung. Weshalb?

Die bisher eingereichten Daten würden für eine Zulassung noch nicht ausreichen, teilt die Arzneimittelbehörde Swissmedic mit: «Um zusätzliche Angaben zur Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität zu erhalten, sind Daten aus neuen Studien notwendig.» Das beratende externe Beratergremium von Swissmedic habe am Dienstag an einer ausserordentlichen Sitzung die Beurteilung der Behörde gestützt. Die derzeit vorliegenden Daten erlaubten noch keinen positiven Nutzen-Risiko-Entscheid. Die EU-Kommission dagegen hat das Vakzin von Astrazeneca am Freitag zugelassen.

Aufhorchen lässt auch die Beurteilung der Eidgenössischen Kommission für Impffragen zum Astrazeneca-Produkt. Um was geht es hier?

Die Eidgenössische Kommission für Impffragen will derzeit keine Empfehlung abgeben. Es gebe verschiedene offene Fragen, sagt Christoph Berger, Präsident des Gremiums. «Wir müssen diese zuerst adressieren und beantworten, bevor wir eine Empfehlung abgeben.» Mit den derzeit verfügbaren Daten aus den klinischen Studien könne die Kommission den Impfstoff besonders gefährdeten Personen nicht empfehlen. Dazu gehören über 64-jährige Menschen und Risikopatienten.

Christoph Berger, Praesident, Eidgenoessische Kommission für Impffragen EKIF, aeussert sich an einem Point de Presse zur Covid 19 Pandemie, am Dienstag, 26. Januar 2021, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Christoph Berger ist Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen. Bild: keystone

Hat die Kommission generelle Einwände gegen den Impfstoff?

Die Kommission sei nicht grundsätzlich gegen den Astrazeneca-Impfstoff. «Wir werden nun die offenen Fragen anschauen und nach einer allfälligen Zulassung durch die Swissmedic die Impfstrategie entsprechend anpassen», sagt Berger. Eine der Möglichkeiten: Der Impfstoff wird für unter 65-Jährige empfohlen, nicht aber für Ältere. Es sei denkbar, dass Astrazeneca weitere Daten zu den besonders gefährdeten Personen publiziere. «Das werden wir dann natürlich anschauen», sagt Berger.

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