Schweiz
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ZUR THEMATIK DER VON ARMUT BETROFFENEN ALLEINERZIEHENDEN MUETTER UND IHRER KINDER, SCHICKEN WIR IHNEN HEUTE, DONNERSTAG, 12.05.2016, FOLGENDE FINGIERTE UND GESTELLTE BILDSERIE --- [Symbolic Image, Staged Picture, Model Released] A woman pushes a shopping cart, with a child sitting inside on the roof of the shopping center in Emmen, photographed on April 21, 2016 in Emmen, Canton of Lucerne. (KEYSTONE/Christof Schuerpf)

[Gestellte Aufnahme, Symbolbild, Model Released] Eine Frau schiebt einen Einkaufswagen, in dem ein Kind sitzt, auf dem Dachgeschoss des Parkhauses des Shoppingcenter Emmen, fotografiert am 21. April 2016 in Emmen. (KEYSTONE/Christof Schuerpf)

Schweizerinnen und Schweizer schämen sich, arm zu sein. Bild: KEYSTONE

Interview

«Arme gelten als Schmarotzer. Das ist falsch»

530'000 Menschen in der Schweiz sind arm, 1,1 Millionen armutsgefährdet. Weshalb so viele Leute in unserem so reichen Land kein Geld haben, sagt Bettina Fredrich von Caritas im Interview. Ein Gespräch über alleinerziehende Mütter, Scham und die Rolle der Wirtschaft. 



530'000 Menschen in unserem Land sind arm. Das macht viele nachdenklich. Warum ist das Thema so emotional?
Bettina Fredrich:
Studien zeigen auf, dass die Schweiz Jahr für Jahr das reichste Land ist, das Land mit dem durchschnittlich grössten Vermögen pro Kopf. Aktuell sind es 570'000 Franken. Doch dieses Vermögen ist immer ungleicher verteilt. Über eine halbe Millionen Menschen besitzen gar nichts. Das empört viele Schweizerinnen und Schweizer.  

Gar nichts ist in der Schweiz halt nicht ganz gar nichts. Wie müssen wir uns arme Schweizer vorstellen?
Wer lediglich 2219 Franken pro Monat zur Verfügung hat, gilt bei uns als arm. Eine Familie mit zwei Kindern, die mit 4031 Franken auskommen muss, ebenfalls. Diese Menschen haben zwar ein Dach über dem Kopf und zu Essen, aber sie können nicht am öffentlichen Leben teilnehmen. Häufig leben sie in sozialer Isolation. 

Was bedeutet das?
Eine armutsbetroffene Familie kann beispielsweise nicht in die Ferien, die Kinder können kein Instrument lernen, nicht Pony reiten gehen und sie haben keine Bücher. Die Hobbies werden vom Portemonnaie bestimmt. Kinder armer Eltern trauen sich nicht, Freundinnen oder Freunde nach Hause zu nehmen, weil sie in einer kleinen Wohnung wohnen und kein eigenes Zimmer haben. Oder sie gehen an keine Geburtstage mehr, weil es kein Geld gibt für Geschenke. Bringt heute ein Kind an einen Kindergeburtstag etwas selber Gebasteltes mit, wird es schräg angeschaut. Es gibt viele Beispiele mehr. Die Armut in der Schweiz hat viele Gesichter. 

Armut

quelle: bundesamt für statistik 

Sieht man diesen Menschen ihre Armut an?
Armutsbetroffenen Menschen fehlt das Geld für den Zahnarzt. Also gehen sie nicht mehr hin. So verschleppen sie Bagatellen und werden ernsthaft krank. Dies wiederum hält sie langfristig von der Arbeit ab. Eventuell verlieren sie diese. Es sind häufig viele Faktoren, die Armut verursachen und verstärken. Schlechte Gesundheit, unsicherer Job, keine angemessene Wohnversorgung. Das führt zu Rückzug. 

Umfrage

2219 Franken pro Monat. Ist man damit wirklich arm?

  • Abstimmen

1,867

  • Sicher. Das reicht kaum für das Nötigste. 87%
  • Das muss reichen. Arm ist man erst, wenn man weniger als das hat. 13%

Wohin ziehen sie sich zurück?
Viele Leute schämen sich für ihre Armut und versuchen sich zu verstecken. Bei uns heisst es, wer will, der ist nicht arm. Bei uns kann es jeder schaffen. Arme gelten oft als Schmarotzer. Doch das ist einfach nur falsch. Unsere Armut ist hausgemacht. Wir haben ein strukturelles Problem. 

«Heute ist es so, dass vor allem Männer, die 100 Prozent arbeiten, von Weiterbildungen profitieren. Frauen, die einen Teilzeit-Job haben, weil sie zum Beispiel alleinerziehend sind, ist das vergönnt.»

Inwiefern ein strukturelles Problem? 
Das grösste Armutsrisiko haben Menschen ohne nachobligatorische Bildung. Das sind Menschen, die sich nach der obligatorischen Schule irgendwie durchkämpfen, von Job zu Job hüpfen. Verlieren sie einen solchen Job, finden sie nur schwer einen neuen, weil sie keine Ausbildung haben. Hierzulande verschwinden immer mehr Jobs für Niedrigqualifizierte. Sie werden entweder in andere Länder ausgelagert, wo Arbeitskräfte billiger sind oder Maschinen übernehmen ihre Arbeiten. Wir müssen also bei der Bildung und der Qualifizierung der Menschen ansetzen. 

Bettina

Bettina Fredrich, Leiterin Fachstelle Sozialpolitik bei der Caritas. bild: zvg

Aber die Schweiz hat doch eines der besten Bildungssysteme überhaupt.
Das stimmt in vielerlei Hinsicht. Mängel bestehen aber bei den Möglichkeiten zur Nachhol- und Weiterbildung. Hier muss die Schweiz investieren und zwar bei allen Arbeitnehmenden. Heute ist es so, dass vor allem Männer, die 100 Prozent arbeiten, von Weiterbildungen profitieren. Frauen, die einen Teilzeit-Job haben, weil sie zum Beispiel alleinerziehend sind, ist das vergönnt. Somit bleiben Niedrigqualifizierte oft arm. Das muss sich ändern. Hier ist auch die Wirtschaft gefordert.

Was erwarten Sie von der Wirtschaft?
Es braucht existenzsichernde Löhne und Investitionen in qualifizierende Weiterbildung. Das bedeutet, dass auch Arbeiternehmende mit weniger gut bezahlten Jobs von einer Firma weitergebildet werden müssen. Es muss für alle Angestellten eine Karriereplanung geben. 

ZUR CARITAS-STUDIE UEBER ARMUT UND ALLEINERZIEHENDE STELELN WIR IHNEN AM FREITAG, 12. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  The Caritas logo on the window pane of the Caritas Market in Zurich, Switzerland, pictured on January 11, 2010. The Caritas Market sells groceries and hygiene products at very low prices for people earning minimum wages. (KEYSTONE/Gatean Bally)

Caritas-Logo an der Fensterscheibe des Caritas-Markts in Zuerich, aufgenommen am 11. Januar 2010. Im Caritas-Markt koennen Menschen mit minimalem Einkommen Lebensmittel und Hygieneartikel zu Tiefstpreisen einkaufen. (KEYSTONE/Gatean Bally)

Zahlreiche arme Menschen kaufen bei Caritas ein.  Bild: KEYSTONE

Die Unternehmen sollen das alles stemmen?
Nein. Es braucht das Engagement von allen Akteuren. Wir wissen heute, dass Ungleichheiten zwischen Kindern durch Kindergarten und Schule nicht wettgemacht werden können. Um die ungleichen Startchancen auszugleichen, braucht es frühe Förderung vor dem obligatorischen Kindergarten – zum Beispiel in Kitas. Für armutsbetroffene Familien ist das aber oft zu teuer. Deshalb werden Kinder, die in Armut aufwachsen, von wirksamen Massnahmen ausgeschlossen. Die Gefahr, dass sie selbst später armutsbetroffen sind, ist gross. Hier ist der Bund gehalten, die Kosten für die Kitas zu senken.

Das Wundermittel heisst schlicht Bildung? 
Bildung ist zentral, um Armut zu verhindern. Mit Bildung alleine schafft man die Armut aber nicht aus der Welt. Ob Menschen von Armut betroffen sind, hängt auch von den Möglichkeiten ab, Familie und Beruf zu vereinbaren. Zudem spielen die Kosten für das Wohnen und die Krankenkasse eine zentrale Rolle. 

Bild

quelle: bundesamt für statistik 

Die Wirtschaft macht zu wenig. Tun Politiker mehr?
Seit 2013 gibt es immerhin ein nationales Programm gegen die Bekämpfung von Armut in der Schweiz. Das ist gut. Auf kantonaler Ebene allerdings sieht es wesentlich schlechter aus. Weil man in der Vergangenheit grosszügig Steuern für Gutverdienende gesenkt hat, fehlt den Kantonen nun das Geld für eine wirksame Armutspolitik. Sie müssen sparen und tun dies auf dem Buckel der Ärmsten. Das muss korrigiert werden. Eine erste Weiche stellen wir, indem wir die Unternehmenssteuerreform III nicht annehmen. 

Defintion von Armut in der Schweiz

Als arm gelten Personen, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um die für eine gesellschaftlich integriertes Leben notwendigen Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Die Armutsgrenze besteht aus einem Pauschalbetrag für den Lebensunterhalt, den individuellen Lohnkosten sowie monatlich 100 Franken pro Erwachsener für weitere Auslagen. Im Jahr 2014 betrug sie durchschnittlich 2219 Franken pro Monat für eine Einzelperson und 4031 Franken pro Monat für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern. Die Armutsgrenze orientiert sich an den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS). (feb). 

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    Alle Leser-Kommentare
  • dracului 07.12.2016 22:10
    Highlight Highlight Schmarotzer sind in der Biologie Pflanzen oder Tiere, die „auf Kosten eines anderen - eines Wirts - leben“. Der eigentliche Parasit und Schmarotzer sind die Reichen, welche den Wirt (uns) immer schamloser aussaugen. Die Reichen/Unternehmer/Politiker tun gut daran, die Symbiose mit dem Wirt zu pflegen. Der obige Artikel zeigt, dass der Wirt kränkelt und sich keine Besserung abzeichnet. Es ist höchste Zeit, dass der Wirt wieder belebt wird! Ist der Wirt erst einmal tot, stirbt nämlich auch der Schmarotzer/Parasit!
  • The Host 07.12.2016 20:06
    Highlight Highlight Spätestens wenn die Roboter immer mehr der Arbeit übernehmen, werden wir realisieren müssen, dass Wohlstand nicht an die wirtschaftliche Leistung des Einzelnen gebunden werden kann.
  • #bringhansiback 07.12.2016 19:05
    Highlight Highlight Zitat: "Seit 2013 gibt es immerhin ein nationales Programm gegen die Bekämpfung von Armut in der Schweiz"

    Ein Programm das die Bekämpfung der Armut bekämpfen soll? Doppelte verneinung und so ;)
  • x4253 07.12.2016 16:37
    Highlight Highlight Mit Fleiss lässt sich vieles kompensieren, aber eben beileibe nicht alles.
    Was viele vergessen: Arm seinist richtig teuer. Man bezahlt dies mit Zeit und seiner Gesundheit, und man lebt indirekt auf Kredit -> Billige Kleidung muss häufiger ersetzt werden. Billiges Essen führt unter Umständen zu Mangelernährung und gesundheitlichen Problemen-> Arztkosten
    Die Beschaffung von alltäglichem ist aufwändiger, da man nicht einfach so zu Migros/Coop gehen kann, sondern sich Aktionen heraussuchen muss, Preise vergleichen muss etc -> Zeit die anderswo wieder fehlt.
  • Writtencolors 07.12.2016 14:53
    Highlight Highlight Dass Kinder, die in armen Verhältnissen aufgewachsen sind, gefährdet sind, auch wieder arm zu werden, kann ich mir nicht so wirklich vorstellen.

    Ich bin in einer armen Familie aufgewachsen und habe alles dafür getan, um da raus zu kommen. Ich achte sehr auf mein Geld und überlege immer zweimal, wie viel ich wo ausgeben will.


    Kann es nicht auch sein, dass diese armen Kinder später das Geld bewusster ausgeben und sehr darauf achten, nicht in die Armut zu geraten?
    • shoerli 07.12.2016 15:01
      Highlight Highlight Ich denke, das Problem ist, dass diese Kinder oft gar nicht in die Armut geraten, sondern schon tief drinstecken. Eher muss man sich hart herauskämpfen, was aber schwierig ist, wenn die Ressourcen für Bildung in der Familie nicht gegeben sind.
    • Tartaruga 07.12.2016 15:08
      Highlight Highlight Wenn du dir keine Ausbildung leisten kannst und später keine Arbeit findest, wie sollst du da raus kommen? Du hattest ja anscheinend die Wahl wo du dein Geld ausgibst.
    • Firefly 07.12.2016 15:14
      Highlight Highlight Es liegt wohl eher daran, dass Kinder die in armen Verhältnissen aufwachsen weniger Zugang zu Bildung haben. Aber verallgemeinern kann man das natürlich nicht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • newname 07.12.2016 14:50
    Highlight Highlight Also nach den Zahlen von vorherigen Artikel gelte ich als arm. Fühlen tue ich mich aber überhaupt nicht arm. Ich habe mich letzten Mai selbständig gemacht und lebe extrem günstig aber habe alles was ich brauche. Krankenkassenvergünstigung erhalte ich, sonst finanziere ich alles selber. Ferien liegen im Moment mehr wegen der Arbeit als wegen dem Geld nicht drin. Kommt halt auch darauf an, was man will. Mit meiner Ausbildung könnte ich gutes Geld verdienen. Mir ist es im Moment aber wichtiger Zeit zu haben und unabhängig zu sein.
    • Momo_1 07.12.2016 15:03
      Highlight Highlight @Newname, es scheint mir, du hast keine Familie. Stell dir also vor, dein Lohn müsste für 4 Personen reichen.
      Dann sehe es wohl nicht mehr so rosig aus in deinem Portemonnaie!
    • Firefly 07.12.2016 15:15
      Highlight Highlight Ich nehme an du hast keine Kinder und was auf der hohen Kante?
    • Töfflifahrer 07.12.2016 15:20
      Highlight Highlight Ich glaube aber es gibt einen Unterschied zwischen freiwillig so leben können und so leben zu müssen. Sie haben die Ausbildung offenbar bereits um Ruck Zuck einige Gänge raufschalten zu können. Andere habe aber die Mittel für die Weiterbildung nicht und haben ihre Möglichkeiten nicht. Wie sähe es bei Ihnen aus wenn Kinder da wären?
  • Madison Pierce 07.12.2016 14:43
    Highlight Highlight Der Fokus sollte meines Erachtens auf den Kindern liegen. Die können in keinem Fall etwas dafür und sollen eine faire Chance bekommen.

    Bei uns ist zum Beispiel die Musikschule günstiger für Kinder von Eltern mit geringem Einkommen. Aber ein paar hundert Franken pro Jahr sind immer noch viel. Wieso nicht gratis machen? Kostet im Vergleich ja nicht viel. Oder Skilager, Exkursionen ins Technorama etc. Kostet alles weniger als die übliche Kreditüberschreitung beim Bau einer Turnhalle...
    • Momo_1 07.12.2016 15:09
      Highlight Highlight @Medison, die Musikschule sollte schon seit Jahren viel günstiger sein. Dazumal hat sich Christine Egerszegi dafür stark gemacht und konnte die Abstimmung gewinnen. Nur leider wurde das Begehr bis heute nicht umgesetzt. SCHANDE, denn die "Rechten" in den Räten kneiffen!!
  • Wilhelm Dingo 07.12.2016 14:41
    Highlight Highlight Arme gelten sicher NICHT als Schmarotzer, ich kenne fleissige Leute mit wenig Geld. Nur faule welche es nicht hinkriegen und deshlab arm sind gelten als Schmarotzer, von denen kenen ich auch einige. Zwei der strukturellen Probleme sind aber, dass wir mit der Zuwanderung tiefe Löhne ins Land holen und gleichzeitig die Preise hoch bleiben. Beide Strukturschwächen sind aber aus Sicher der Konzerne eine Strukturstärke: billige Arbeitskräfte & hohe Preise = Fetter Gewinn! Klingelts?
    • Töfflifahrer 07.12.2016 15:23
      Highlight Highlight Gebe Ihnen recht, nur es gibt leider auch solche, die von beginn weg keine Chance hatten und irgendwann aufgegeben haben. Die gelten nun als faul. OK, och kenne auch solche die einfach nicht wollen, aber eben kenne ich auch solche die wollten aber sich selbst aufgegeben haben.
    • Fabio74 07.12.2016 21:20
      Highlight Highlight Nun die rechte Parlamentsmehrheit weigert sich gegen Lohndumping und Schwarzarbeit vorzugehen.
      Mindestlohn will das Volk nicht.
  • flyme 07.12.2016 14:41
    Highlight Highlight Ein Artikel über Armut in der Schweiz und darunter Werbung für die 3. Säule und das Sparen von Steuern. Bin ich der Einzige, der hier gnadenlosen Zynismus spürt?
    • magicfriend 07.12.2016 14:55
      Highlight Highlight Die Werbung wird nicht Artikelspezifisch eingeblendet, ist also purer Zufall. Also kann man Watson sicher keinen Vorwurf machen.
    • #bringhansiback 07.12.2016 19:24
      Highlight Highlight Watson kann man insifern einen Vorwurf machen, dass sie immernoch kein _freiwilliges_ werbefreies Bezahlangebot haben...
  • Kookaburra 07.12.2016 14:37
    Highlight Highlight Bildung ist kein Universalheilmittel...
    Nun müssen einerseits einfach Jobs mit "Überqualifizierten" besetzt werden, die dann frustriert sind. Andererseits geben die HR-Leute oft auch schon gar keine "Brotjobs" mehr an Gebildete, man entscheidet, dass diese "unzufrieden wären" und nimmt lieber Immigranten, die dankbar sein müssen.
    Ausserdem geht durch diese "Weiterbildungs - gegen einander Ausspielungs-Hetze" jegliche Lebensqualität zum Teufel. Die Hetzjagd "du musst immer besser werde" gepaart mit "Immigranten sind eh besser und billiger" versklavt und entmündigt uns. Das Hamsterrad ist dumm.
    • Asmodeus 07.12.2016 15:30
      Highlight Highlight "Sorry. Wir können Ihnen diesen Job nicht geben. Sie sind Überqualifiziert."

      Gott wie ich diesen Satz nach meiner Lehre damals gehasst habe.
      Nein ich war ja scheinbar lieber 13 Monate arbeitslos als überqualifiziert in einer Bude zu hocken.
    • Tobias K. 07.12.2016 17:52
      Highlight Highlight Darf ich mir hier kurz einklinken? Da ich selber HR tätig bin möchte ich doch kurz einige Worte über das Argument von Dovahkiin verlieren. Die Absagen an überqualifizierte beruht auf Erfahrungsfällen. Man kann heute im HR nicht auf jeden Kandidaten zu 100% eingehen. Dafür fehlt schlicht die Zeit bei weit über 300 Bewerbungen pro Stelle im Schnitt. Wir wollen ja einen motivierten MA einstellen, der sich im Idealfall mehrere Jahre an uns bindet. Was nützt uns jemand der überqualifiziert ist, wenn er uns verlässt, sobald er etwas besser passendes findet.
    • Asmodeus 07.12.2016 17:56
      Highlight Highlight Ich habe da sogar Verständnis für Tobias.

      Uns wurde damals bei Bewerbungen gepredigt genau das in die Lebensläufe zu schreiben, was das HR in ihren Ursprungstext packt, denn nur wenn sie 90-100% Übereinstimmung haben landet man überhaupt erst in der zweiten Runde.

      Aber der Frustfaktor ist halt doch hoch, wenn man arbeitslos ist weil man "zu gut" ist um zu arbeiten :)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hansi Meier 07.12.2016 14:25
    Highlight Highlight Unter Freunden erwähnen wir öfters den "Winti-Style", das heisst, dass ein Doppelverdiener-Paar die eigene Erwerbstätigkeit so weit reduziert (beide arbeiten nur noch 30-40%, dass man überall zu Vergünstigungen kommt: Krankenkasse, Genossenschaftswohnung, Kinderkrippe etc. Es beschreibt also das Verhalten, sich "künstlich" arm zu arbeiten, um zu Sozialhilfe zu kommen, wir haben das öfters in Winterthur beobachtet, daher der Name. Dieses Phänomen ist aber sicher in jeder sozialen Stadt anzutreffen. Ist das verwerfllich?
    • Madison Pierce 07.12.2016 15:14
      Highlight Highlight Aber sicher ist das verwerflich! Jeder soll selbst für sich sorgen, wenn er dazu fähig ist. Freiwillig weniger zu arbeiten und dann von Steuergeldern zu profitieren zeugt von einem schlechten Charakter.

      Habe noch nie vom "Winti-Style" gehört und denke, das tun sicher nur wenige Leute. Normalerweise hat man ja etwas höhere Ziele im Leben als die Krankenkasse verbilligt zu bekommen. Und was will man den tun mit der ganzen Zeit, wenn man ja nur wenig Geld hat?
    • Adrian Habegger 07.12.2016 15:20
      Highlight Highlight Ich als Winterthurer empfinde diese Aussage als sehr geschmackslos und DUMM, da sie jeglicher Grundlage entbehrt
    • Adrian Habegger 07.12.2016 15:21
      Highlight Highlight Zumal man solche Tatsachen wohl kaum "beobachten" kann
    Weitere Antworten anzeigen
  • Asmodeus 07.12.2016 14:19
    Highlight Highlight "Diese Menschen haben zwar ein Dach über dem Kopf und zu Essen, aber sie können nicht am öffentlichen Leben teilnehmen."

    Teilweise haben sie nicht einmal wirklich etwas zu essen.

    Und hört HERRGOTT NOCHMAL auf damit die Bildung als Allheilmittel zu betrachten.
    Ja sie ist wichtig, aber sie hilft überhaupt nichts wenn durch Krankheit/Unfall die Menschen nicht mehr arbeiten können und die Sozialwerke diese Menschen fallen lassen.

    Es gibt nicht nur schwarz und weiss verdammt nochmal. Es gibt auch hochintelligente und gebildete Menschen die arm sind.
    • Spooky 07.12.2016 14:54
      Highlight Highlight "Es gibt auch hochintelligente und gebildete Menschen die arm sind."

      Zum Beispiel ich.
    • Cardea 07.12.2016 15:09
      Highlight Highlight Steht ja auch so im Artikel? Bildung ist ein Teil der Lösung und nicht das Allheilmittel...
    • fabianhutter 07.12.2016 15:26
      Highlight Highlight Bildung ist kein ALLheilmittel, aber es ist ein Heilmittel, das oft hilft.

      Es gibt immer Spezialfälle, denen spezielle Hilfe zuteil werden muss (oder müsste). In einem solchen Interview, oder bei politischen Vorgehen versucht man möglichst allgemein zu helfen. Es ist fast nicht möglich in vernünftigem Ramen Massnahmen aufzulisten, die ALLEN helfen.

      Ich wäre deshalb mehr an Ihren Lösungen für solche Fälle interessiert, als an Ihrem Frust über eine nicht perfekte Lösung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • stan1993 07.12.2016 14:17
    Highlight Highlight Meine persönliche Meinung, in keinem anderen Land der Welt kann man sich durch schulische Leistung und Disziplin besser aus der Armut befreien.
    Man muss es einfach nur wollen!
    Ohne Fleiss kein Preis!
    • Kyle C. 07.12.2016 14:29
      Highlight Highlight stan, lies das Interview nochmals durch. Weshalb es eben nicht so ist wie von dir beschrieben steht da gut formuliert drin.
    • Menel 07.12.2016 14:39
      Highlight Highlight Machen sie mal als Erwachsener eine Umschulung oder eine Lehre. Sie werden sehen, dass sie das nicht finanziert bekommen, ausser sie können wieder bei ihren Eltern einziehen!
    • stan1993 07.12.2016 14:52
      Highlight Highlight Man kann auch fünf Jahre einen "scheissjob" machen und sparen indem man verzichtet und danach die Lehrzeit mit dem ersparten überbrücken, aber eben verzichten ist in der heutigen Konsumgesellschaft schwierig, aber nicht unmöglich.
      @ stef
      Ich verstehe ihren Hinweis zum Artikel nicht was ich übersehen habe könnte dass man mit Fleiss nicht erreichen kann? Bitte umd Aufklärung, danke :)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Einer Wie Alle 07.12.2016 14:16
    Highlight Highlight Ich selbst gehöre zur Zeit auch zur ärmeren Gesellschaft (3'200 pro Monat), aber mit noch einem tausender weniger würde es sehr kritisch werden. Aber wieso man sich versteckt, weil man als Schmarotzer angesehen werden könnte verstehe ich nicht. Ja ich beziehe Prämienverbilligung, ja ich bezahle kaum Steuern, na und? Es gibt Leute die huschen von Meeting zu Meeting und verdienen sich eine goldene Nase. Ich sehe mich nicht als Schmarotzer und das sollten Leute mit 2'200 im Monat erst recht nicht von sich denken! Wenn man sich versteckt kann einem auch nicht geholfen werden.
    • Wehrli 07.12.2016 14:38
      Highlight Highlight Wer sagt dass "Arme als Schmarotzer gelten"? Nur die Medien! Ich habe das aus keinem Mund bisher gehört. Eine reine mediale Empörfloskel, damit der Graben noch tiefer wird. Denkt ihr manchmal mit, liebe Medien, dass ihr da aufstachelt?
    • lilie 07.12.2016 14:51
      Highlight Highlight @Einer wie alle: Ich habe Leute in meinem Umfeld, die von Sozialhilfe oder einer sehr bescheidenen Rente leben. Sie getrauen sich kaum, etwas abzumachen, weil sie sich schon einen Kaffee unterwegs nicht leisten könnten. Kino oder zusammen Pizza essen gehen, liegt nicht drin. Sie können niemanden bei sich einladen, weil sie schon für sich selber kaum Platz haben.

      Und sie schämen sich, das zuzugeben, und sie möchten auch nicht immer eingeladen werden.

      Es ist wirklich sehr schwer. In unserem Land heisst es schnell, wer kein Geld hat, ist selber schuld.
    • Asmodeus 07.12.2016 15:23
      Highlight Highlight @Wehrli
      Setz Dich mal an einen Stammtisch oder hör SVP-Wählern 10 Minuten lang zu.

      Oder generell Abstimmungskampf wenn mal wieder ein IV-Revision geplant ist und andauernd nur von "Sozialschmarotzern" die Rede ist.

      Sogar gewisse SP-Politiker haben sich ja geweigert zum RAV gehen zu wollen, weil sie sich dann wie Schmarotzer fühlen würden.

      Mal ganz davon abgesehen, dass die Ämter (RAV, Sozialamt, Betreibungsamt, IV) einen wie den letzten Dreck behandeln und einem erst Recht das Gefühl geben Abschaum zu sein.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lowend 07.12.2016 14:00
    Highlight Highlight Wenn man mit unersättlichen Vielfrassen am Tisch sitzt, bleiben für die, die deren Egoismus und Sozialdarwinismus nicht mit gleicher Brutalität ausleben, oder aus gesundheitlichen Gründen nicht ausleben können, halt nur die Brosamen übrig, wobei die voll gefressenen Vielfrasse sich dann auch noch derart ungeniert breit machen, dass die Schwächeren immer weiter vom Tisch verdrängt werden.
    • Amboss 07.12.2016 14:12
      Highlight Highlight Und ab wie viel Einkommen ist man in deiner Schwarz-Weiss-Welt ein Vielfrass?
    • Scott 07.12.2016 14:24
      Highlight Highlight Alle die CHF 1.- mehr verdienen als Lowend.
    • Kyle C. 07.12.2016 14:25
      Highlight Highlight Amboss, das Zauberwort heisst gerechtere Verteilung. Damit meine ich nicht einfach das Geld verteilen, sondern die Chancen. Ist im obigen Interview recht gut geschildert. Es ist nur zweitrangig, wie viel die "Vielfrasse" verdienen, sondern weshalb sie solche werden konnten, bzw. auf wessen Buckel dies geschehen ist. Die Reichen sollen von mir aus ruhig reich bleiben, aber wie Lowend bereits sagt, sie sollen die Schwächeren nicht verdrängen. Ein Aufstieg geschieht in unserem System immer zu Lasten von anderen.
    Weitere Antworten anzeigen

Reis zum selber Abfüllen – so sagen die Detailhändler dem Plastik den Kampf an

Das Plastik muss weg. Das haben auch die Detailhändler erkannt. Intensiv arbeiten sie an alternativen Verpackungsmöglichkeiten. In fünf Migros-Filialen wird derzeit gar ein Offenverkauf von Reis und Hülsenfrüchten getestet.

Geschälte Orangen in Plastik verpackt, gedämpfte Kartoffeln frisch vakuumiert: Immer wieder ernten Detailhändler für ihre Verpackungsmethoden harsche Kritik in den sozialen Medien.

Die hiesigen Detailhändler wehren sich gegen die Vorwürfe und gehen in die Offensive. In fünf Migros-Filialen in Genf wird derzeit der Offenverkauf von Reis und Hülsenfrüchten getestet.

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