Schweiz
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Das Kinderspital Zuerich, aufgenommen am Montag, 2. Mai 2011, in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Personelle Konflikte und wenig schmeichelhafte Studienergebnisse belasten das Zürcher «Kispi». Bild: KEYSTONE

Konflikte und hohe Sterblichkeitsquote – Zürcher Behörden kontrollieren Kinderspital

Die Leitung des in die Kritik geratenen Zürcher Kinderspitals musste den Gesundheitsbehörden Red und Antwort stehen.

leo eiholzer / ch media



Das Zürcher Kinderspital gerät in den Fokus der Kantonsbehörden. Auslöser ist ein Artikel, den die Redaktion CH Media vor zwei Wochen veröffentlicht hat: Im Zürcher Kinderspital haben Patienten mit einem bestimmten Herzfehler gemäss einem Vergleich von wissenschaftlichen Studien eine weniger als halb so grosse Überlebensrate wie in anderen Krankenhäusern. Im Kispi starben 39 Prozent der erfassten Kinder mit dem hypoplastischen Linksherzsyndrom, im deutschen Giessen waren es lediglich 15, im holländischen Utrecht 19 Prozent.

Ein Artikel von

Zugleich erzählten Insider von jahrelangen, massiven Konflikten zwischen den Abteilungen im Zürcher Kinderherzzentrum. Sie waren so stark, dass der nun entlassene Chefchirurg Michael Hübler die Patienten auf der Intensivstation nicht mehr besuchte.

Nun musste sich das Kinderspital vor der Zürcher Gesundheitsdirektion rechtfertigen. Die Behörden verlangten zunächst eine schriftliche Stellungnahme, Unterlagen und die Beantwortung eines Fragenkata logs. Obendrein bestellte der Kanton die Verantwortlichen des Kinderspitals zu einer Sitzung ein. Resultat: Das Kinderspital habe zwar «glaubhaft gemacht, dass die Qualität gewährleistet sei». «Das Spital ist aber (...) daran, die Situation im Bereich Zusammenarbeit der bei den Behandlungen involvierten Personen weiter zu verbessern, und wird der Gesundheitsdirektion dazu regelmässig Bericht erstatten», schreibt die Behörde in einer Stellungnahme.

Vom Tisch ist das Thema aber nicht. «Die Gesundheitsdirektion wird die Situation im Auge behalten und bei Bedarf weitere Schritte ergreifen», heisst es weiter. Details und Gesprächsprotokolle hält der Kanton mit Verweis auf laufende Abklärungen unter Verschluss.

Wie viele Kinder sterben?

Die Gesundheitsdirektion lässt trotz Nachhaken die wichtigste Frage offen: Kennen die Behörden die Sterberaten bei Patienten mit dem hypoplastischen Linksherzsyndrom im Kinderspital? Die Antwort lautet mit hoher Wahrscheinlichkeit: nein. Denn das Kinderspital sagt auf die gleiche Frage: «Wir sind dabei, die Eingriffe bei Patienten mit dem hypoplastischen Linksherzsyndrom einzeln aufzuarbeiten, und werden darüber im Juni informieren.»

Doch mindestens einen klaren Hinweis geben die Äusserungen der Gesundheitsdirektion: Die Beamten kaufen dem Kinderspital die Rolle als Medienopfer offenbar nicht ab. In dieser Rolle sieht die Leitung das Spital momentan gerne. Das Kispi versuchte, die Aussagen der Insider zu den Problemen in der Zusammenarbeit unter den Tisch zu wischen: Beteiligte beschrieben gegenüber dieser Zeitung unabhängig voneinander «Extremzustände» und «massive Konflikte», die die Behandlungsqualität beeinflussten. Das Kinderspital sagte – konfrontiert mit diesen Aussagen – nur, es gäbe «Diskussionen, die im Ergebnis zielführend geführt würden».

So richtig sicher über die eigene Einschätzung scheint sich die Leitung des Kinderspitals aber auch nicht zu sein. Der Direktor der Chirurgie, Martin Meuli, hatte zuvor in der SRF-Sendung «10vor10» «gewisse Probleme» eingestanden. «Ja, das ist nicht erst seit gestern so», schob er nach.

Nicht zu beneiden ist Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP), die erst seit vier Wochen im Regierungsrat sitzt. Die Probleme im Kinderspital hat sie von Thomas Heiniger (FDP) geerbt, der von 2007 an die Zürcher Gesundheitspolitik bestimmte.

Beim Kinderspital zieht ein Parteikollege von Heiniger die Fäden: Der Zürcher Alt-Stadtrat Martin Vollenwyder ist seit fünf Jahren Präsident der Eleonorenstiftung, die das Kispi kontrolliert. Er hielt sich bisher im Hintergrund und war auch bei der Krisen-Pressekonferenz vor zwei Wochen, an der das Kinderspital den Sterberaten-Vergleich von sich wies, nicht anwesend. Für die «Schweiz am Wochenende» war Vollenwyder am Freitag nicht erreichbar.

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    Alle Leser-Kommentare
  • terra 02.06.2019 08:51
    Highlight Highlight Lieber Herr Eiholzer, ich nehme an Sie waren auch an der Pressekonferenz wo ausführlich informiert und belegt worden ist, dass die Statistiken in keinster Weise vergleichbar sind, ah ja stimmt, in Ihrem Artikel dreht sich alles nur um die Migrosverkäuferin und den Taxichaffeur. Haben Sie sich schon mal informiert wie vielen hundert Kindern das Team des Herzzentrum jährlich das Leben rettet?. Ah nein, stimmt ja, das ist ja nicht interessant zu lesen. Ich hoffe sehr dass die Leser solche Artikel kritisch hinterfragen, die dermassen einseitig publiziert werden.
  • Peter Sager 02.06.2019 08:50
    Highlight Highlight 100000 Kinder schon heute und es werden noch mehr. Der Kanton Zürich hat nur gut gegen 200'000 Kinder. Ist schon jedes 2 Krank und werden es noch mehr werden?


    Text vom KISPI
    Spital soll künftigen Ansprüchen genügen
    Heute werden jährlich rund 100 000 junge Patientinnen und Patienten im Kinderspital behandelt. In Zukunft werden es noch mehr sein. Nur dank dem ausserordentlichen Einsatz und Engagement des Personals und viel Goodwill seitens der Eltern ist es möglich, trotz der engen Verhältnisse die wachsenden Patientenzahlen zu bewältigen.
  • Peter Sager 02.06.2019 08:13
    Highlight Highlight Das Kinderspital hat den Grössenwahn, man schaue nur mal vor Ort diese riesige Baustelle. Sind denn so viele Kinder so schlimm Krank? Was ist los mit der Gesellschaft?
    Warum fragen die Medien nie über die vielen neurologischen Schäden bei Kindern und warum es diese gibt?
  • lvsc. 01.06.2019 19:50
    Highlight Highlight Als Kind war ich oft im Kispi Zürich und irgendwie liegt es mir sehr am Herzen. Logischerweise war nicht alles immer schön, aber generell ist es mir da den Umständen entsprechend immer sehr gut gegangen und ich wurde medizinisch und vorallem menschlich gut behandelt. Es tut mir für alle Beteiligten leid, dass es in den letzten Jahren in diesen Abteilungen so zu und her gegangen ist und möchte das auch in keinster Weise in Frage stellen. Trotzdem kann ich mir vorstellen, das die Zeiten für nicht involvierte Angestellte sicher schon angenehmer waren..
  • Peter Sager 01.06.2019 17:38
    Highlight Highlight Eine Katastrophe
  • N. Y. P. 01.06.2019 15:03
    Highlight Highlight ..dass der nun entlassene Chefchirurg Michael Hübler die Patienten auf der Intensivstation nicht mehr besuchte.

    Wie bitte ?

    Man nahm den Tod von Kindern in Kauf, weil die Abteilungen nicht mehr miteinander konnten ?

    Ich frage mich, ob man das Kinderspital Zürich als Sauladen bezeichnen darf.

    Darf man ?
    • Snowwhitey 02.06.2019 13:19
      Highlight Highlight Warum muss der Chirurge den Pat. dort unbedingt besuchen? Da gibt es ja einen Kinder-IPS-Arzt der sich darum kümmert.
      Es gibt auch andere Ärzte als Chirurgen ;)

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