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Sind an der Wasseroberfläche braun-grüne Verfärbungen zu sehen, sollte man vom Baden absehen. Denn dann sind Blaualgen im Wasser. (Greifensee, August 2011)
Sind an der Wasseroberfläche braun-grüne Verfärbungen zu sehen, sollte man vom Baden absehen. Denn dann sind Blaualgen im Wasser. (Greifensee, August 2011)Bild: kanton zürich, baudirektion

Blaualgen-Alarm am Greifensee: Worauf du achten musst

Nach einem Spaziergang am Greifensee starben am Wochenende zwei Hunde. Vermutlich wurden sie durch Blaualgen vergiftet. Was du zu den giftigen Algen wissen musst und wo jetzt Vorsicht geboten ist.
16.05.2022, 19:35

Das schöne Wetter am Wochenende lockte viele Schweizerinnen und Schweizer an die Gewässer. So auch an den Greifensee – mit traurigen Folgen: Wie «Züriost» berichtet, starben zwei Hunde im Zürcher Tierspital, weil sie sich mutmasslich mit Blaualgen vergiftet hatten.

Blaualgen kommen in der Schweiz häufig vor. Wie du sie erkennen kannst, warum Vorsicht geboten ist und was ihr Wachstum mit dem Klimawandel zu tun hat, erfährst du in den folgenden fünf Punkten.

Was sind Blaualgen?
Blaualgen sind eigentlich keine Algen, sondern Bakterien, weil sie keinen echten Zellkern besitzen. Die sogenannten Cyanobakterien können aber – wie Algen auch – Fotosynthese betreiben, darum ordnete man die Bakterien fälschlicherweise den Algen zu und nennt sie heute immer noch Blaualgen.

Es gibt etwa 2000 Arten der Blaualgen und sie haben die ganze Erde besiedelt. In manchen Seen und Gewässern kann es vorwiegend im Hochsommer zu einer explosionsartigen Entwicklung von Blaualgen kommen. Dafür verantwortlich ist eine hohe Nährstoffkonzentration und viel Sonnenlicht – die perfekten Bedingungen für die Blaualge.

Wo wird derzeit vor giftigen Blaualgen gewarnt?

Sowohl die Stadtpolizei Uster als auch die Kantonspolizei Zürich warnten am Wochenende vor Blaualgen in Zürcher Gewässern. Aktuell betroffen ist der Greifensee.

In Vergangenheit gab es aber auch Fälle, wo in anderen Gewässern, beispielsweise im Neuenburgersee sehr viele Blaualgen aufgetaucht sind.

Die Blaualgen wachsen vorwiegend dort, wo das Wasser ruhig steht und durch viel Sonneneinstrahlung erwärmt wird. Fliessgewässer sind weniger betroffen. Folgt eine Schönwetterperiode auf wechselhaftes Wetter, kann es innert weniger Tage zu einem starken Wachstum von Algen kommen.

Dann sind die Kantone zuständig, davor zu warnen. Wie dies beispielsweise im Kanton Zürich am Wochenende der Fall war. Denn die Kantone sind verantwortlich für die Überwachung der Wasserqualität der Seen und informieren die Bevölkerung über Verunreinigungen. Zudem sammelt das Bundesamt für Umwelt die kantonalen Daten und stellt sie für einen nationalen Bericht zur Verfügung. Wer genaueres zu den Gewässern wissen möchte, kontaktiert am besten das kantonale Labor, das Amt für Gewässerschutz im Wohnkanton oder das Bundesamt für Umwelt.

Kann ich Blaualgen in Gewässern erkennen?

Eine hohe Konzentration von Blaualgen in Gewässern ist gut von Auge erkennbar. Das Wasser erscheint dann grünlich gefärbt oder die Wasseroberfläche hat ölartige Schmieren oder Flocken. Zudem riecht es oft schlecht – vergleichbar mit einem muffigen, erdigen Geruch. Steht man knietief im Wasser und kann seine eigenen Füsse nicht mehr sehen, sollte man nicht baden gehen.

Der Kanton Zürich veröffentlichte im Juni 2021 ein Merkblatt zu Blaualgen, die folgende Slideshow zeigt Bilder von Blaualgen in Zürcher Gewässern.

So sehen Blaualgen in Gewässern aus

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So sehen Blaualgen in Gewässern aus
quelle: kanton zürich, baudirektion
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Wie gefährlich sind Blaualgen?

Es gibt 2000 Arten von Blaualgen. Nur ein kleiner Teil dieser Arten bildet giftige Stoffwechselprodukte, die für Menschen und Tiere schädlich oder sogar tödlich sein können.

Gefährlich wird es hauptsächlich dann, wenn die Blaualgen in einem Gewässer hoch konzentriert sind, weil sie sich explosionsartig verbreitet haben. Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation sagen, dass milde Symptome, wie beispielsweise Hautausschläge oder gerötete Augen bei 20'000 Cyanobakterienzellen pro Milliliter auftreten können.

Bei einer Konzentration von 100'000 Bakterienzellen pro Milliliter oder mehr kann die Toxinkonzentration kritischere Werte erreichen. Eine solche Konzentration kann zu Atembeschwerden oder grippeähnlichen Symptomen, Durchfall oder Übelkeit führen.

Dann ist insbesondere für Kleinkinder und Tiere Vorsicht geboten. Tiere, vor allem Hunde, laufen grössere Gefahr, vergiftet zu werden, weil sie am Ufer oft grössere Mengen Wasser trinken oder nach dem Schwimmen ihr Fell sauber lecken.

Was muss ich nach einem Kontakt tun?

Personen mit empfindlicher Haut und Kleinkinder sollten nur in Gewässer baden gehen, wo das Wasser klar ist. Wer dennoch in Kontakt mit Wasser mit vielen Blaualgen kam, soll sich danach gut duschen und abtrocknen.

Hunde sollten nicht vom Wasser trinken und gewaschen werden, falls sie doch in Kontakt damit kommen. Falls Verdacht besteht, dass ein Hund dennoch Wasser getrunken hat, sollte sofort ein Tierarzt oder eine Tierärztin kontaktiert werden.

Müssen wir in Zukunft mit mehr Blaualgen rechnen?

Cyanobakterien gehören zu der ältesten Lebensform auf der Erde. Es gibt sie also schon sehr lange. Aber ihre Häufigkeit und Intensität nehmen zu. Das zeigen zahlreiche Studien, wie das Eawag, das Wasserforschungsinsitut der ETH, schreibt.

Steigende Temperaturen können Cyanobakterien direkt und indirekt fördern. Je wärmer das Wasser ist, desto schneller wachsen die Blaualgen. Doch auch eine immer wärmer werdende Oberflächenwassertemperatur kommt den Bakterien gelegen. Denn das warme Wasser ist leichter und sinkt in milden Winter nicht in die Tiefe. Das führt dazu, dass sich die Seen immer schlechter durchmischen. Ohne diese Tiefenwasserdurchmischung bleiben die Bakterien in der Oberfläche hängen und sinken nicht in auf den Seeboden, wo sie normalerweise zersetzt werden. (ohe)

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38 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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*Butterfly*
16.05.2022 20:12registriert Februar 2022
Ups, und ich dachte, dieses Problem komme erst im Hochsommer, wenn es richtig schwül und heiss wird....

Wieder etwas gelernt, Danke.
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