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Ich war am Cooper's Hill Cheese Rolling ... und OMG, WAR DAS GEIL

Bild: obi/watson
Alljährlich treffen sich die mutigsten Männer und Frauen der Welt an einem steilen Hang im Westen Englands und riskieren Kopf und Kragen, um einem Käselaib hinterher zu rennen. Es ist Wahnsinn. Und grossartig. Findet zumindest unser Berichterstatter vor Ort.
31.05.2019, 11:2701.06.2019, 13:21

Es ist schwierig, einem Nichteingeweihten das Cooper's Hill Cheese Rolling zu erklären. Als ich dies mal bei einer kalifornischen Dame versuchte, wählte ich die einfache Lösung und schickte eines der YouTube-Videos vom Event.

Die Antwort kam postwendend:

«I will choose my future husband from amongst the winners of the Cooper's Hill Cheese Rolling.»

«Ich werde meinen Ehemann aus den Reihen der Gewinner des Cooper's Hill Cheese Rolling küren.»
Bild: AP/PA

In der Tat, mutigere Menschen als die, die sich diesem sausteilen Hang im malerischen Gloucestershire hinunterstürzen, gibt es kaum. Ich jedenfalls gehöre entschieden nicht dazu (nein, ich bin nicht den Hang runter). Aber ich wollte seit eh und je die Sause live miterleben. Am letzten Montag war's schliesslich so weit.

Aber erst mal von vorne:

Am Cooper’s Hill Cheese Rolling and Wake bei Brockworth in der Grafschaft Gloucestershire geht es darum, einem Laib Double-Gloucester-Käse hinterher zu rennen, der einen Hügel herunterrollt. Angeblich geht die Tradition auf die Römerzeit zurück. Es soll dabei um Weiderechte gegangen sein. Als gesichert gilt, dass sie seit 200 Jahren durchgeführt wird. Die Rennen finden in mehreren Runden statt. Jeweils der schnellste Mann und die schnellste Frau gelten als Sieger.

Bild: AP/PA

2010 verbot der neue Polizeichef der Grafschaft die Veranstaltung aufgrund Sicherheitsbedenken. Und er wurde regelrecht zusammengestaucht, so beliebt ist die Tradition bei Lokalbevölkerung und Besuchern zugleich. Auch der absurde Ansatz, den Käsehersteller haftbar zu machen für eventuelle Verletzungen der Teilnehmer, wurde abgeschmettert.

Stattdessen hat man eine pragmatische Lösung gefunden: Der Event findet statt – aber inoffiziell. Will heissen: Es ist eine Megasause, die etliche Besucher aus aller Welt anzieht, aber ein definierter Veranstalter existiert schlicht nicht. Genaue Angaben darüber, wo und wann was abgeht, findet man im Web nur schwierig. Die Seite, die am ehesten als offizielle Webseite gelten könnte, informiert lediglich, die ersten Läufe würden so um 12 Uhr beginnen, weshalb man sich ordentlich früh einfinden soll. Ausserdem steht ein Disclaimer: Mitmachen auf eigene Gefahr.

Als ich und meine Begleitung um Halb 11 Uhr im unglaublich putzigen Brockworth eintreffen, ist bereits ein ziemlicher Pulk Menschen zu Fuss zum rund zwei Kilometer entfernten Cooper's Hill unterwegs. Sofort merkt man, dass es sich hierbei um eine dieser «only in England»-Veranstaltungen handelt. Obwohl grosse Menschenmassen unterwegs sind, kommt man gut aneinander vorbei. Die Polizei hat die Strassen um den Hügel herum abgesperrt (nööö deswegen ist die Sache längst kein «offizieller» Event) und informiert jeden Fahrer freundlich, wo man bequem den Göppel parkieren kann. Setzt man dann den Weg zu Fuss fort, folgt man einfach der Menschenmenge.

Bild: obi/watson

Es geht einen flauschigen Spazierweg hinauf, mitten durch die wunderschöne Landschaft Gloucestershires, über Felder und Zäune, mitunter ordentlich steil. Alle Altersgruppen sind vertreten, Locals und Besucher aus allen Herren Ländern. Und Hunde. Hunde allüberall. Die Stimmung ist super.

Alsbald hört man aus der Ferne Jubelrufe, die besagen, dass die ersten Rennen im Gange sind. Am Cooper's Hill angekommen, schlängelt man sich auf die eine oder andere Seite hinauf, nimmt seinen (Steh-) Platz in der Menge ein und stellt als Erstes fest: F me sideways ist das STEIL!

Bild: obi/watson

Und – ach guck! – da wird der Erste auch schon auf der Bahre weggetragen. (Zwei weitere Tragbahren-Episoden werden noch folgen.)

Bild: obi/watson

Wir waren rund zwei Stunden vor Ort und konnten uns so ungefähr die Regeln zusammenreimen – oder zumindest der Ablauf: Eine Gruppe Wettkämpfer versammelt sich am Fuss des Hügels und muss zunächst den Hügel hinaufrennen (hier versagen bereits die ersten, denn, wie gesagt, es ist so was von steil). Dieser Teil des Wettkampfs findet übrigens auch für Kinder statt (den Hügel hinunterrennen freilich dürfen die Balge dann doch nicht).

Einmal oben angekommen, beginnt das eigentliche Cheese Rolling: Das Publikum ruft im Chor «Cheese! Cheese! CHEESE! CHEESE!» – und dann kommt er schon hinuntergerollt, der Double Gloucester, und zwar mit einem Affenzahn, ... dicht gefolgt von den ersten Käse-Jägern. Die Führenden rollen, purzeln, fliegen regelrecht den Hang hinunter, begleitet von einem Aufschrei der Zuschauer.

Guck' – ich hatte das Handy dabei 😂

Video: watson/Oliver Baroni

Eingefangen werden sie am Fuss des Hügels von den strammen Männern des örtlichen Rugby-Teams, die übrigens ganze Arbeit leisten. Probier' du mal, einen Erwachsenen aufzufangen, der kopfüber mit Fallgeschwindigkeit auf dich zu fliegt! Ohnehin ist die Idee, Rugbyspieler als Fänger einzusetzen, ein Geniestreich sondergleichen, denn es gibt kaum eine Disziplin, die dafür besser geeignet wäre. Ordentlich lustig wird es zuweilen, wenn sich das Team in einem Sauhaufen auf das Schlusslicht eines Rennens stürzt oder bei den Frauen-Läufen die eine oder andere Dame durchaus «romantisch» auffängt.

Bild: obi/watson

Um das ein für alle Mal klarzustellen: Das Cheese Rolling ist eine uriges Spektakel, das in seiner Kombination von Komik und Gefahr gar mittelalterlich wirkt. Furchtbar lustig, wie die Leute da den Berg hinunterpurzeln; furchtbar, wie sich einzelne verletzen. Als Zuschauer pendelt man stets irgendwo zwischen einem Lachanfall und Todesangst.

Und es ist grossartig. Es ist grossartig, wie die Menschen Spass höher als Vernunft gewichten und dies zu einem Community-Event erster Güte erheben. Nirgends wirst du ein wohlwollenderes Publikum erleben als am Rand des Cooper's Hill in Gloucestershire. Nirgends wirst du mehr Spass haben, als wenn du nachher im Pub in Brockworth mit einem der Sieger ein paar Biere hebst. Beschlossene Sache: Ich geh' wieder hin.

Hier die Highlights vom diesjährigen Cheese Rolling (diesmal von einem fähigeren Filmer als ich)Video: YouTube/Kate Rose

Ach ja: Den Käselaib eingefangen – was ja eigentlich Ziel des Rennens wäre – hat noch niemand. Das geht sowieso nicht: Das Ding ist bis zu 110 km/h schnell, wenn es unten am Berg ankommt.

Ach, ÜBRIGENS:

Hallooo? Schweiz??
WO? WANN?? HOPP!!!
Liebe Schweizer, achtet mal auf die Worte cheese und hill in diesem Artikel! Na? Dämmerts? Wenn es zwei Sachen in der Schweiz im Überfluss gibt, dann sind das
- Käselaibe und
- Hügel (bei uns heissen sie manchmal auch ‹Berge›).
Deshalb: WANN UND WO MACHEN WIR DAS ERSTE SCHWEIZER CHEESE ROLLING? Los!

So ging's damals anno 2015 am Cooper's Hill ab:

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Am Cooper's Hill Cheese Rolling 2015 trafen sich am 25. Mai die mutigsten Frauen und Männer der Welt
quelle: pa photos / / 23111957
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44 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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TanookiStormtrooper
31.05.2019 11:42registriert August 2015
Ich bin enttäuscht! Der Titel suggeriert Baroni hätte sich auch den Hügel runtergestürzt. CLICKBAIT!!! 😂🧀⛰
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ralck
31.05.2019 11:59registriert Juni 2015
Und falls du dir auf dem Weg nach unten noch kein Schleudertrauma geholt hast, sorgen gleich die Rugby-Spieler dafür. 😂😂😂

Ich finds eine geile Sache. Mitmachen müsste ich wohl auch nicht unbedingt…
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Carpe Diem
31.05.2019 14:19registriert Januar 2019
Wie hat es doch seinerzeit Obelix so trefflich formuliert: "Die spinnen die Briten!" 😆
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