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Dortmund's Manuel Akanji controls the ball during the German Bundesliga soccer match between Bayer Leverkusen and Borussia Dortmund in Leverkusen, Germany, Saturday, Feb. 8, 2020. (AP Photo/Martin Meissner)

Rassismus im Stadion? Wir haben beim BVB eine klare Meinung dazu. Bild: AP

Akanjis Revier

Warum ich Rassisten ignoriere und wie wir als Mannschaft solidarisch reagieren würden

Kürzlich gab es in Deutschland zwei Fälle von Rassismus in Fussball-Stadien. Ich erkläre euch jetzt mal, wie ich selbst Rassismus erlebe, wie ich darauf reagiere und warum wir in der Kabine darüber sprechen.

Manuel Akanji
Manuel Akanji



Ich hoffe echt, der Rassismus hört eines Tages auf. Ich meine damit nicht nur im Fussball, sondern generell. Leider kann man die Denkweise gewisser Leute nicht nachvollziehen, vielleicht ist es auch eine Sache der Erziehung und wird so an Kinder weitergegeben?

Eigentlich sollten Fussballfans ja ins Stadion kommen, um ihren Verein zu unterstützen. Leider wird der Fussball aber zunehmend auch als Plattform für gewisse Botschaften missbraucht.1 Jüngst gab es in Deutschland zwei Fälle von Rassismus in den Fussballstadien. In der dritten Bundesliga wurde in der Partie zwischen Preussen Münster und den Würzburger Kickers vorbildlich gehandelt.

Das ist aber eher die Ausnahme. Aufsehen erregte der Fall um Jordan Torunarigha. Der Herthaner wurde nach einem rassistischen Zwischenfall wütend, sah darauf die gelb-rote Karte und verliess anschliessend mit Tränen in den Augen das Spielfeld.

Dieser Vorfall war auch bei uns in der Kabine ein Thema. Ich habe mit meinen Teamkollegen Dan-Axel Zagadou, Axel Witsel, Thorgan Hazard und Raphael Guerreiro darüber gesprochen, wie wir auf dem Feld gehandelt hätten. Und wir waren uns einig, dass wir – wenn so etwas bei uns geschieht – geschlossen als Mannschaft vom Feld gehen. Wir hätten bestimmt die Unterstützung der ganzen Mannschaft. Solidarität ist in dieser Sache sehr wichtig. Ich glaube auch, dass uns der BVB, der sich immer wieder klar gegen Rassismus positioniert, in dieser Sache bedingungslos unterstützen würde.

Für die Schiedsrichter sind solche Fälle immer sehr schwierig zu handhaben. Sie müssen sich schliesslich an das 3-Stufen-Protokoll der UEFA halten. Oftmals hören sie die Beleidigungen ja nicht mal. Das heisst, der Spieler muss zum Unparteiischen rennen und erklären, was passiert ist. Für den Schiedsrichter ist es dann schwer, die Situation richtig zu beurteilen.

Das 3-Stufen-Protokoll der UEFA

1. Wird ein Schiedsrichter das erste Mal auf rassistische Beleidigungen aufmerksam gemacht, muss er die Partie unterbrechen und eine Stadiondurchsage veranlassen.
2. Werden die rassistischen Anfeindungen daraufhin nicht eingestellt, wird der Schiedsrichter angehalten, das Spiel für fünf bis zehn Minuten zu unterbrechen. Zudem erfolgt eine zweite Durchsage durch den Stadionsprecher.
3. Wenn der Schiedsrichter ein drittes Mal rassistische Zwischenfälle wahrnimmt oder darauf aufmerksam gemacht wird, ist er dazu aufgefordert, das Spiel endgültig abzubrechen.

Wichtig ist, dass bei solchen Vorfällen die Vereine und Verbände umgehend reagieren und Stadionverbote konsequent durchsetzen. Es geht nur mit der Unterstützung von «oben».

Ich habe das grosse Glück, dass ich in meiner Profi-Karriere im Stadion noch keine direkten Erfahrungen mit rassistischen Vorfällen machen musste. Bei den Junioren war das früher ganz anders, da hat es sowas öfters gegeben. Das war allerdings in einem Alter, da haben meine Gegenspieler die Bedeutung ihrer Worte wohl noch nicht richtig verstanden – ich habe die Beleidigungen auch nie ernst genommen.

Weil ich im Stadion verschont blieb, heisst das nicht, dass ich keinen Rassismus erlebe. Auf Social Media kommt es regelmässig vor, dass ich Nachrichten mit rassistischem Inhalt zugeschickt bekomme. Aber ganz ehrlich: Das sind Leute, die sich hinter ihrem Laptop verstecken. Sie würden sich wahrscheinlich kaum trauen, mir das direkt ins Gesicht zu sagen.

Wenn ich dann solche Nachrichten bekomme, blockiere ich die Leute einfach. Was ich sicher nicht mache, ist darauf zu reagieren, denn ich möchte mich nicht auf dieses Niveau einlassen.

Was ich richtig stark finde, sind Fussballer, die dazu ihre Meinung sagen und sich klar positionieren, wie das zum Beispiel Bayerns Leon Goretzka zuletzt tat. Man kann und sollte aber niemanden dazu zwingen, sich politisch zu äussern. Hier muss jeder machen, was er selbst für richtig hält. Ich stehe dafür ein – ganz viele meiner Berufskollegen zum Glück auch.

1 Manuel Akanji hat diesen Blog-Eintrag vor dem Wochenende und den Ereignissen rund um die Banner in Richtung Dietmar Hopp geschrieben.

Bild

bild: sven germann

Akanjis Revier

Von Wiesendangen auf die grosse Fussballbühne: Manuel Akanji hat sich als Bundesligaspieler und in der Schweizer Nati etabliert.

In seinem Blog auf watson erzählt der 24-Jährige aus dem Leben eines Profifussballers. Unverblümt, authentisch, anekdotenreich – mit einem spannenden Einblick auf und neben das Spielfeld.

Mehr von Manuel Akanji gibt's hier:
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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Glenn Quagmire 03.03.2020 09:12
    Highlight Highlight Hoffentlich bald wieder Stammspieler....!!! Cooler Typ, toller Spieler!
  • TanookiStormtrooper 02.03.2020 18:35
    Highlight Highlight Ich finde es ja immer seltsam, wenn Spieler der anderen Mannschaft sagen, sie hätten keine rassistischen Beleidigungen/Affenlaute im Stadion gehört. Muss eine ziemlich seltsame Akustik in diesen Stadien sein, wenn nur der betroffene es hören kann.
    Wäre schön, wenn der DFB bei Rassismus genau so konsequent reagieren würde, wie sie es aktuell bei einem solventen alten Herren tun, der ihnen auch ordentlich die Taschen füllt. Ob gegen Hopp oder einen dunkelhäutigen Spieler, solche Beleidigungen sind immer fehl am Platz und sollten gleich geahndet werden.
    • Staedy 02.03.2020 22:41
      Highlight Highlight Die Verbindung Hopp und dunkelhäutiger Spieler erschliesst sich sachlich nicht. Dazu hat Rassismus nicht nur mit dunkelhäutigen Menschen zu tun. Wenn man schon davon schreibt, dann bitte auch korrekt.
    • TanookiStormtrooper 02.03.2020 23:00
      Highlight Highlight @Staedy
      Einverstanden. Wobei in der Bundesliga eben selten gegen jüdische oder arabische Spieler Stimmung gemacht wird, weil diese schlicht nicht wirklich existieren. Geschmacklose Plakate die an die NS-Zeit erinnern sieht man aber auch immer wieder, da passiert meiner Meinung nach in der Bundesliga wenig bis nichts. Ich erinnere mich zumindest nicht an einen Spielunterbruch wegen eines "Juden"-Plakats.
    • Herbibi 03.03.2020 02:39
      Highlight Highlight @Staedy “Die Verbindung Hopp und dunkelhäutiger Spieler erschliesst sich sachlich nicht.“

      Sie sagen ja selbst, Rassismus habe nicht nur mit dunkelhäutigen Spielern zu tun. Man könnte Rassismus als eine Form von Erniedrigung bezeichnen. Auch Herr Hopp sollte statt sachlich kritisiert, erniedrigt werden. Die Leute die das tun, stehen auf einer ganz primitiven Stufe und sollen gestoppt werden. Das ist der Zusammenhang.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Staedy 02.03.2020 18:03
    Highlight Highlight Die Aussage wir gehen vom Feld, wie sie nun auch auf Schalke gemacht wurden sind super, vorbildlich und lobenswert. Wenn es denn soweit ist, und je nach dem die entsprechenden Konsequenzen vor einem liegen, kommen leider ganz andere Interessen des Klubs zu tragen. Ich erinnere mich an einen Mordanschlag auf Spieler des Klubs von Akanji vor ca. 2 Jahren. Am Tag darauf spielten alle, ob begeistert oder nicht, obwohl ein Teamkollege nur mit viel Glück überlebte. Keiner spielte nicht. Ich hoffe, es bleibt nicht wieder nur bei den Worten. Jetzt ist die Zeit für Taten.
    • Ueli der Knecht 02.03.2020 19:12
      Highlight Highlight Das waren damals keine rassistische sondern schnöde pekuniäre Motive.

      Insofern war es genau richtig, sich möglichst von diesem Anschlag nicht beirren zu lassen, und weiterzuspielen, als ob nichts geschehen sei.

      The show must go on. Umsomehr einer mit dem Anschlag das Spiel verderben wollte.
  • Raembe 02.03.2020 17:19
    Highlight Highlight Super Format! Immer wieder spannend diese Einblicke. Danke
  • postprandiales Vigilanzsuppressionssyndrom 02.03.2020 17:08
    Highlight Highlight ein trauriges Thema. Gerade der Fussball, der vor allem in höheren Ligen so multikulturell ist, kann hier eine große Vorbildsfunktion haben.

    Frage mich allerdings auch, wann im Fussball Homosexualität offen thematisiert werden kann. Für mich geht die Akteptanz in beide Richtungen. Herkunft und sexuelle Orientierung sollten gleichermaßen egal sein.
  • ChlyklassSFI 02.03.2020 16:41
    Highlight Highlight Danke, Herr Akanji. Schade fehlt vielen anderen Spielern diese Einstellung.
  • w'ever 02.03.2020 16:40
    Highlight Highlight ich verstehe nicht warum die spieler die option in betracht ziehen bei einem rassismus vorfall geschlossen vom spielfeld zu gehen. sendet dass nicht die falsche botschaft?

    ich würde es viel eher begrüssen, wenn sich die spieler geschlossen gegen den sektor stellen aus dem die rassistischen rufe kommen, bis diese personen das stadion verlassen.
    • Ueli der Knecht 02.03.2020 19:16
      Highlight Highlight Wenn jemand die Konfrontation sucht, ist es nicht schlau, sich dieser Konfrontation zu stellen.

      Der Klügere gibt nach, und weicht der Konfrontation aus. Denn mit Rassisten diskutieren ist Wasser auf deren Mühlen.

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