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Basels Eray Coemert, Luca Zuffi, Fabian Frei und Geoffrey Serey Die, von links, sind konsterniert, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen den Berner Young Boys und dem FC Basel, am Sonntag, 23. September 2018, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Die bittere Erkenntnis: Der FCB wurde von YB ein- und überholt. Bild: KEYSTONE

Analyse

7 Fehler zur Machtverschiebung – darum hat Basel den Anschluss an YB komplett verloren

Das 1:7-Fiasko des FCB bei YB ist ein Desaster, aber es ist ein Absturz mit Ansage. denn die Fehler beim einstigen Schweizer Serienmeister haben sich in der letzten Zeit dramatisch gehäuft.

Céline Feller / Nordwestschweiz



Es ist der 23. September 2017. Drei Tage nachdem der FC Basel mit dem 1:2 in St.Gallen eine der schlimmsten Niederlagen der jüngsten Geschichte kassiert hat, setzt er ein unerwartetes Zeichen. An diesem 23. September 2017 gewinnt der FCB gegen den FC Zürich 1:0. Es ist der Beginn des Wiederaufschwungs in der vergangenen Saison. Es folgt das 5:0 gegen Benfica, die beste Champions-League-Gruppenphase der Vereinshistorie und die Jagd auf YB, das bis auf zwei Zähler eingeholt werden kann.

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Die Tore bei der 1:7-Schlappe gegen YB. Video: YouTube/wankdorf1898

Genau ein Jahr später, am 23. September 2018, geht der FCB gegen ebendieses YB 1:7 unter. Ein Spiel mit historischem Ausmass, das den FCB in der 7. Runde auf Rang 7 abrutschen lässt. Zwölf Punkte hinter Leader YB. Der Absturz des FCB und diese Machtverschiebung von Basel nach Bern gründen in Fehleinschätzungen, die in diesem Jahr zwischen dem 1:0 gegen den FCZ und dem 1:7 gegen YB getroffen worden sind. Eine Aufarbeitung in Form von sieben Punkten, angelehnt an den Tabellenplatz und die Anzahl Tiefschläge beim 1:7.

Der Champions-League-Trugschluss

5:0 und 2:0 gegen Benfica Lissabon, 1:0 gegen Manchester United, noch nie da gewesene zwölf Punkte in der Gruppenphase der Champions League – und im Achtelfinal noch ein 2:1-Auswärtssieg bei Manchester City. Wer solche Erfolge feiert, ist stärker, als es ein verpasster Meistertitel vermuten lässt. Denn diese Erfolge zeigen auch, dass der Fussball von Raphael Wicky funktioniert.

Dachte die FCB-Führung jedenfalls. Ein Trugschluss, der zu einer nicht mehr nüchternen Betrachtung führte. Anders ist es nicht nachzuvollziehen, wieso im Sommer die gleich hohen Ziele gesteckt wurden wie in der Saison zuvor, in der derer zwei verpasst wurden. Es zeigt: Die Qualität dieser Mannschaft wurde überhöht.

Basel's players celebrate their 3rd goal with Dimitri Oberlin, right, and Taulant Xhaka left, during an UEFA Champions League Group stage Group A matchday 2 soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and Portugal's SL Benfica in the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Wednesday, September 27, 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

5:0 gegen Benfica – die FCB-Bosse liessen sich durch die Champions-League-Erfolge blenden. Bild: KEYSTONE

Zu viele Abgänge im Sommer

So sehr überhöht gar, dass man meinte, dieses Kader verkrafte nach dem Umbruch im Winter im Sommer gleich einen nächsten. Einen, bei dem mit Tomas Vaclik, Michael Lang und Mohamed Elyounoussi drei Leistungsträger wegtransferiert werden. Zwar wurden sie alle drei ersetzt, ein Substanzverlust war aber programmiert.

epa05560996 Basel players (L-R) Mohamed Elyounoussi, Michael Lang, goalkeeper Tomas Vaclik, and Marek Suchy show their dejection after the UEFA Champions League group A soccer match between Arsenal FC and FC Basel 1893 in London, Britain, 28 September 2016. Arsenal won 2-0.  EPA/GIAN EHRENZELLER

Elyounoussi, Lang und Vaclik sind weg, nur Captain Suchy ist in Basel geblieben.  Bild: EPA/KEYSTONE

Der Steffen-Stocker-Tausch

Apropos Substanzverlust: Diesen hat der FCB bereits im Winter erlitten. Nicht nur, weil Manuel Akanji zum BVB gewechselt hat. Sondern vor allem, weil man Renato Steffen gegen Valentin Stocker eingetauscht hat. Stocker wurde als 1:1-Ersatz angepriesen. In Wahrheit ist er nur ein Schatten seiner früheren FCB-Jahre. Damit musste rechnen, wer wusste, wie oft beziehungsweise selten Stocker in Berlin gespielt hat – und dass er verletzt war. Zu glauben, Steffen könne so adäquat ersetzt werden, war von Beginn an eine falsche Annahme. Der Tausch wird mittlerweile intern als einer der grössten Fehler betrachtet.

epa06953122 Basel's Valentin Stocker reacts during the UEFA Europa League third qualifying round second leg match between  FC Basel 1893 and Vitesse Arnhem, in Basel, Switzerland, 16 August 2018.  EPA/ENNIO LEANZA

Valentin Stocker konnte die Erwartungen bislang nicht erfüllen. Bild: EPA/KEYSTONE

Trainerwechsel zum falschen Zeitpunkt

Nach einem Ligaspiel musste Raphael Wicky gehen. Das war nicht verfrüht, sondern kam zu spät. Denn wer schon seit dem Frühling Zweifel hegt (Streller: «Ohne die unglaubliche Champions-League-Kampagne hätte man in den ersten vier Wochen nach Rückrundenstart eventuell anders reagiert»), muss spätestens im Sommer die Reissleine ziehen. So hätte Marcel Koller die notwendige Zeit gehabt, das Kader zu verstärken und seine Ideen zu vermitteln.

ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS DER FC BASEL SICH VON TRAINER WICKY TRENNT --- FCB-Cheftrainer Raphael Wicky bei der Saisonvorschau-Medienkonferenz des FC Basel Stadion St. Jakob in Basel, am Mittwoch, 18. Juli 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Wicky brachte die Mannschaft bereits im Frühling nicht mehr weiter. Bild: KEYSTONE

Die irritierenden Aufstellungen gegen YB und Limassol

Natürlich hat das Rückspiel gegen Limassol keinen Einfluss auf die Meisterschaft. Aber sowohl dort als auch gegen YB wählte Trainer Marcel Koller fragwürdige Aufstellungen. In Zypern musste Albian Ajeti zuschauen und Samuele Campo spielte auf dem Flügel, in Bern brachte der sonst auf Erfahrung setzende Koller Afimico Pululu statt Luca Zuffi und Noah Okafor statt Kevin Bua. Taktische Kniffe, die sich als Fehler herausstellten. Beide Spiele gingen verloren.

Bild

Die FCB-Aufstellung gegen YB. bild: transfermarkt

Zu wenige, taugliche Campus-Spieler

Verjüngt und verbaslert soll der FCB werden. Nur: Auf dem Campus tummeln sich zu wenige Talente, die die nötige Qualität haben. Intern herrscht die Meinung, dass einzig Noah Okafor zurzeit dieses Potenzial hat. Auch wenn die Idee romantisch ist: selbst der FC Basel hat nicht in jedem Jahrgang einen Xherdan Shaqiri oder einen Granit Xhaka.

Basel's Noah Okafor during a training session the day before the UEFA Europa League play-off second leg match between Cyprus' Apollon Limassol FC and Switzerland's FC Basel 1893 in the GSP stadium in Nicosia, Cyprus, on Wednesday, August 29, 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Noah Okafor hat viel Potenzial, braucht aber noch Zeit. Bild: KEYSTONE

Die Fehleinschätzung des Vorsprungs gegenüber YB

Die wohl grösste Fehleinschätzung wurde nicht in diesem Jahr zwischen den beiden Spielen getroffen, sondern am 7. April 2017. «Vier bis acht Junge im Kader zu haben, ist realistisch. Im Moment ist der Abstand zu YB so gross, dass man dieses Risiko eingehen kann», sagte Streller da. Einen verpassten Meistertitel und ein 1:7 später ist klar: Er hatte unrecht.

FC Basels Sportchef Marco Streller bei der Ankunft der Mannschaft nach dem Ausscheiden aus der Europa League am EuroAirport in Basel, am Freitag, 31. August 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Die Streller-Strategie ist ein Schuss in den Ofen. Bild: KEYSTONE

Die Karriere von Marcel Koller

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Die Karriere von Marcel Koller
quelle: keystone / christoph ruckstuhl
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