So eng werden die Play-Ins – die vier Teams auf Herz und Nieren geprüft
Zum dritten Mal in der Geschichte der National League finden Play-Ins statt. Welche zwei Teams schaffen es in die Playoffs?
Auf dem Programm stehen ein Kantonsderby zwischen Bern und Biel und das Duell der Quasi-Nachbarn Rapperswil und Zug. Wir analysieren die Affichen und sagen dir, welche Mannschaften eher zu favorisieren sind.
Lakers – Zug
Direktduelle
- Zug – Lakers 0:6
- Lakers – Zug 2:6
- Lakers – Zug 4:2
- Zug – Lakers 2:3nV
Torproduktion
Das Toreschiessen bereitet dem EV Zug schon die ganze Saison Probleme. Trotz vieler grosser Namen (Kubalik, Tatar oder Hofmann, um nur einige zu nennen), hat nur ein Zuger die 20-Tore-Marke geknackt: Dominik Kubalik. Bei Rapperswil hat zwar gar kein Spieler diese Marke geknackt, aber weil bei den St.Gallern die Torproduktion besser über die ganze Mannschaft verteilt ist, stehen sie trotzdem besser da. Die Lakers erzielten sowohl bei 5-gegen-5 wie auch in allen Situationen mehr Tore als der EVZ.
Verteidigung
Das ist der erste Punkt für den EVZ. Die Zuger lassen pro 60 Minuten 5-gegen-5-Eishockey Chancen für 2,26 Gegentore (Expected Goals) zu. Das reicht in der National League für das Mittelfeld. Die SCRJ Lakers hingegen stellen nach Ajoie die schwächste Verteidigung der Liga und lassen pro 60 Minuten Chancen für 2,77 Gegentore zu.
Spielkontrolle
Wenn Rappi in der ganzen Liga am zweitmeisten Chancen zulässt, dann müsste dieser Punkt doch auch an den EVZ gehen, oder? Nein – oder zumindest nicht deutlich. Die Zuger verteidigen zwar besser als Rapperswil, aber sie kreieren auch deutlich weniger Chancen (2,34 xGF/60 Minuten von Rappi gegenüber 1,96 bei Zug).
Das hat zur Folge, dass beide Teams im Verlauf dieser Saison dem Gegner oft mehr Chancen zugestehen mussten, als sie selbst kreierten. Zug hatte in seinen Spielen 46,24 Prozent der Torchancen auf seiner Seite, bei den Lakers waren es 46 Prozent. In den vier Direktduellen hatten die Rapperswiler drei Mal das Chancenplus auf der eigenen Seite. Deshalb gibt es einen Punkt für beide.
Spielstil-Duell
Nun wissen wir: Das eine Team in dieser Play-In-Serie kann nicht verteidigen (Rapperswil) und das andere generiert kaum Torgefahr (Zug). Das erschwert die Prognose zu allfälligen Stärken oder Schwächen im Spielsystem massiv. Die Lakers-Verteidigung hat Mühe, egal ob der Gegner es mit Rush-Angriffen, Forechecking oder längerem Scheibenbesitz versucht. Und gleichzeitig hat Zug im Angriff nirgendwo eine besondere Stärke, um die gegnerischen Schwächen auszunutzen. Am ehesten von Erfolg gekrönt dürfte anhaltender Scheibenbesitz sein, da Zugs Offensive in dieser Kategorie nicht gut, aber immerhin am wenigsten schwach war.
Auf der anderen Seite dürften Rush-Angriffe die vielversprechendste Option für die Lakers sein. Die Zuger Hintermannschaft hatte in dieser Saison Probleme, solche zu verteidigen, und die Rapperswiler Stürmer sind durchaus in der Lage, mit Tempo für Gefahr zu sorgen.
Goalies
Ein Team mit dem siebenfachen Meistergoalie und WM-MVP Leonardo Genoni im Kader holt sich doch sicherlich den Goalie-Punkt? Müsste man meinen. Doch dieses Jahr sieht das etwas anders aus. Genoni hat sich gegen Ende der Regular Season zwar gesteigert, aber insgesamt fällt seine Bilanz durchzogen aus. Melvin Nyffeler war in dieser Saison bislang die bessere Nummer 1. Und wenn man die Leistungen von Ivars Punnenovs mit jener von Tim Wolf vergleicht, dann haben die Lakers erst recht das bessere Goalie-Tandem dieser Serie.
Special Teams
Der EVZ hat das effizientere Powerplay und – angesichts Rapperswils defensiver Probleme wenig überraschend – auch das stabilere Unterzahlspiel. Punkt für die Zuger. Wenn die Lakers siegreich aus diesem Play-In-Duell kommen wollen, sollten sie Strafen möglichst vermeiden.
Trainer
Beide Teams haben Trainer an der Bande, die als Chef im Erwachsenen-Hockey noch nichts gewonnen haben. Aber Johan Lundskog hat immerhin schon Erfahrung, wie sich das Schweizer Hockey und Play-In-Serien anfühlen. Benoît Groulx kam als Retter nach Zug, nachdem Michael Liniger entlassen wurde. Unter dem französisch-kanadischen Doppelbürger wurde Zugs Bilanz nur wenig erfolgreicher: Elf Spiele, fünf Siege. Im Zweifelsfall geht der Punkt gegen den Notnagel und für den Wunschtrainer mit National-League-Erfahrung.
Form
Die Olympia-Pause hat den SCRJ Lakers sichtlich gutgetan. Die Rapperswiler gewannen fünf der letzten sechs Spiele, darunter auch den letzten Direktvergleich mit dem EVZ. Die Zuger dagegen gerieten zum Abschluss der Regular Season noch in eine Negativspirale mit nur zwei Siegen aus sechs Partien.
Fazit
Schaut man nur auf die Namen im Kader, müsste der EVZ in dieser Play-In-Serie favorisiert sein. Doch die Zuger brachten zu oft (und unter beiden Trainern) die Papier-PS nicht aufs Eis. So haben die Rapperswil-Jona Lakers trotz vieler Aufs und Abs am Ende die konstantere Saison gespielt.
Bern – Biel
Direktduelle
- Biel – Bern 5:6nP
- Bern – Biel 6:2
- Biel – Bern 1:2
- Bern – Biel 2:3
Torproduktion
Der SC Bern kämpft schon die ganze Saison hindurch mit Effizienzproblemen. Kein Wunder also, dass die Mutzen mit ihrer Torproduktion nur gerade Ajoie und Kloten hinter sich lassen – als eines von drei Teams mit weniger als zwei Treffern pro 60 Minuten 5-gegen-5-Hockey. Biel erzielt mit 2,33 Toren pro 60 Minuten beinahe ein halbes Tor mehr als die Stadtberner Kantonsrivalen.
Verteidigung
Einer der wenigen Bereiche, der beim SCB in dieser Saison stets funktioniert hat: die Verteidigung. Pro 60 Minuten 5-gegen-5-Eishockey lassen die Berner nur Chancen für 2,05 gegnerische Tore zu, was dem viertbesten Wert der National League entspricht. Da ist der EHC Biel mit 2,31 Expected Goals Against ein gutes Stück weniger stabil.
Spielkontrolle
Diese gute Verteidigung hat auch zur Folge, dass der SCB in der Mehrheit seiner Partien das Spielgeschehen kontrolliert. Die Mutzen haben durchschnittlich 53,88 Prozent der Chancen auf der eigenen Seite. Auch Biel schafft es, etwas mehr eigene Möglichkeiten zu kreieren, als es gegnerische Chancen zulässt (50,36 xGF%), allerdings kann es nicht ganz mit dem SCB mithalten. Zudem waren die Seeländer in drei der vier Direktduelle, was das Chancenverhältnis angeht, deutlich unterlegen.
Spielstil-Duell
Was die Offensive angeht bewegen sich die beiden Teams in allen drei primären Angriffszenarien (Rush, Forecheck, Scheibenbesitz) in vergleichbaren Sphären. Biel ist minim gefährlicher in Rush-Situationen, dafür erzeugt der SCB nach Forecheck oder anhaltendem Scheibenbesitz etwas mehr Gefahr. Bern schafft es aber insbesondere, die wichtigen Rush-Situationen besser zu verteidigen als Biel und könnte den Seeländern so bei ihrer grössten Waffe die Zähne ziehen.
Goalies
Diese Saison stellte den EHC Biel vor eine neue Herausforderung: Erstmals in seiner nun vierten Saison konnten sich die Seeländer nicht auf Harri Säteri als überdurchschnittlichen Goalie verlassen. Im Gegenteil: Der Finne lieferte über weite Strecken gar unterdurchschnittliche Leistungen ab. Klar wurde das teilweise auch von der deutlich unerfahreneren Verteidigung vor ihm beeinflusst, aber einen Teil des Leistungseinbruchs muss der 36-jährige Finne auf seine Kappe nehmen. Auch Luis Janett, Biels Nummer 2, konnte die Kohlen nicht aus dem Feuer holen.
Bei Bern spielte Adam Reideborn eine solide Saison, bei der er auch von der stabilen Verteidigung vor ihm profitieren konnte. Auf Sandro Zurkirchen als Nummer 2 war in der Regel ebenfalls Verlass.
Special Teams
Der EHC Biel hat ein mässig gutes Powerplay und ein katastrophales Unterzahlspiel. Der SC Bern hat ein ordentliches Unterzahlspiel, aber ein extrem harmloses Powerplay. Normalerweise spielen die Special Teams in einer Playoff-Serie – oder in diesem Fall Play-In-Serie – eine grosse Rolle. Ob sich im Berner Derby aber eines der beiden Teams so einen Vorteil verschaffen kann, ist fraglich.
Trainer
Heinz Ehlers in Bern gegen Christian Dubé bei Biel – beide sind Trainer, die zum Saisonstart noch nicht an der Bande der jeweiligen Klubs standen. Ehlers hat in der National League in seinen sieben Jahren als Trainer in Lausanne und Langnau nie eine Playoff-Serie gewonnen – allerdings hatte er auch begrenzte Mittel zur Verfügung. Christian Dubé schaffte es mit Fribourg-Gottéron immerhin zwei Mal in den Playoff-Halbfinal.
Form
Der SCB brachte nach der Olympiapause kaum mehr ein Bein vors andere. Mit fünf Niederlagen aus sechs Spielen geriet Ehlers Mannschaft zwischenzeitlich gar noch in Gefahr, die Play-In-Qualifikation noch zu verspielen. Etwas besser gelang der Wiedereinstieg den Bielern, die drei von sechs Partien gewinnen konnten – unter anderem die wichtigen Direktduelle gegen Bern und Langnau.
Fazit
Die Statistiken sprechen in dieser Serie für den SCB. Allerdings hätten die Stadtberner gemäss Statistiken schon die ganze Saison besser sein müssen, als sie es am Ende tatsächlich waren. Wenn sie endlich ihre Effizienz nach oben schrauben können, spricht vieles für die Mutzen. Auf der anderen Seite hat Biel nichts mehr zu verlieren und kann befreit aufspielen. Wenn sich Goalie Harri Säteri steigern kann, ist es durchaus möglich, dass die Berner mit ihren Effizienzproblemen verzweifeln.
