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Xherdan Shaqiri an der Hand von Jürgen Klopp.
Xherdan Shaqiri an der Hand von Jürgen Klopp.Bild: AP
Analyse

7 Gründe, weshalb Liverpool den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hingelegt hat

Der FC Liverpool wurde in der Saison 1989/90 zum letzten Mal englischer Meister. Mit der aktuellen Tabellenführung beginnen die Fans bereits wieder zu träumen – tatsächlich sprechen einige Argumente für die «Reds». 
10.12.2018, 12:2611.12.2018, 03:37

Liverpool freut sich über den besten Saisonstart in der 126-jährigen Klubgeschichte. Nach 16 Partien haben die «Reds» dank 13 Siegen und 3 Unentschieden 42 Punkte auf dem Konto und liegen seit dem Wochenende an der Tabellenspitze der Premier League

Das sind die sieben Gründe, weshalb das Team von Jürgen Klopp auf Rang eins steht und dieses Jahr tatsächlich wieder einmal Meister werden könnte.

Ein Weltklasse-Torhüter

Alisson Becker bleibt auch unter Druck cool.
Alisson Becker bleibt auch unter Druck cool.Bild: EPA/EPA

Loris Karius war letzte Saison ein guter, meist sogar ein sehr guter Torhüter. Auch wenn er nachträglich auf seine zwei Fehler im Champions-League-Finale reduziert wird. Doch mit Alisson Becker hat Liverpool nun einen Keeper von Weltklasse-Format. Dies belegen auch einige Zahlen zum brasilianischen Schlussmann:

  • In 16 Premier-League-Spielen nur 6 Gegentore. 
  • Bereits 10 Liga-Spiele zu Null.
  • 85,71 % aller Schüsse gehalten. Das ist Liga-Bestwert (bei Torhütern mit mindestens 200 Einsatzminuten).
  • Er beteiligt sich am Spielaufbau und hat bereits 349 erfolgreiche Pässe gespielt (zweitbester Wert hinter Chelseas Kepa). Seine Erfolgsquote bei Pässen unter Druck liegt bei 73 % und ist Liga-Bestwert. 

Die statistisch beste Defensive Europas

Virgil van Dijk spielt bisher eine grossartige Saison.
Virgil van Dijk spielt bisher eine grossartige Saison.Bild: EPA/EPA

Dass Liverpool mit nur sechs Gegentoren die beste Defensive aller Klubs in einer Top-Fünf-Liga stellt, hängt natürlich nicht nur mit Alisson, sondern auch mit der starken Verteidigung zusammen.

Virgil van Dijk ist der derzeit beste Innenverteidiger der Premier League. Zweikampf- und kopfballstark, dazu eine gute Spieleröffnung und vor allem ein Leader. Neben ihm ist der erst 21-jährige Joe Gomez ebenfalls zu einem Leistungsträger gereift. Der Engländer hat sich allerdings kürzlich den linken Fuss gebrochen und wird rund sechs Wochen ausfallen. Er kann durch Joel Matip oder WM-Finalist Dejan Lovren, der nach eigener Aussage weniger Fehler macht als Sergio Ramos, ersetzt werden. Die Aussenverteidiger-Positionen sind mit Trent Alexander-Arnold und Andrew Robertson ebenfalls sehr gut besetzt. 

Vor allem zuhause an der Anfield Road hat sich Liverpool zu einer Festung entwickelt. Seit Februar 2018 gab es in zwölf Heimspielen in der Premier League genau ein Gegentor. 

Die Breite

Xherdan Shaqiri: mehr als nur einer für die Breite.
Xherdan Shaqiri: mehr als nur einer für die Breite.Bild: AP/PA

Liverpool hat im Sommer 182 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Dabei ist bloss Alisson unumstrittener Stammspieler. Die bereits bestens eingespielte Mannschaft wird durch die Neuzugänge punktuell ergänzt, die neuen Spieler werden langsam an Spielsystem und Team herangeführt.

Speziell das Mittelfeld wurde mit Fabinho und Naby Keita nochmals deutlich verstärkt. Das gibt Jürgen Klopp mehr Optionen – er hat mittlerweile auch auf der Bank sehr hohe Qualität und kann rotieren, ohne dass das Team merkbar schwächer wird.

Und da ist ja noch einer: Xherdan Shaqiri, das Transfer-Schnäppchen des Sommers. Für läppische 14,7 Millionen Euro verpflichtet, befindet sich Shaqiri in der Form seines Lebens. Der Schweizer ist zudem flexibel, kann sowohl im offensiven Mittelfeld als auch auf dem Flügel spielen.

Das «One Season Wonder»

Mo Salah mit seinem dritten Tor gegen Bournemouth.
Mo Salah mit seinem dritten Tor gegen Bournemouth.Bild: AP/PA

Mohamed Salah sei ein «One Season Wonder». Ein Spieler, der nur eine gute Saison hatte. Das wurde dem Ägypter nach seiner überragenden letzten Saison (52 Spiele, 44 Tore, 16 Assists) in den letzten Wochen zumindest oft unterstellt. 

Tatsächlich läuft es dem Ägypter in dieser Saison nicht so gut wie vor Jahresfrist. Und trotzdem hat Salah in 16 Premier-League-Spielen 10 Tore geschossen und fünf weitere vorbereitet. Salah führt zusammen mit Pierre-Emerick Aubameyang die Torschützenliste an. 

Durch seinen Hattrick vom Wochenende ist Salah mit seinen 42 Toren sogar vorgerückt auf Rang neun der besten Premier-League-Torschützen in der Geschichte des FC Liverpool – nach bloss 52 absolvierten Partien.

Man stelle sich vor, Salah erreicht im Verlauf der Saison noch die Form, die er als «One Season Wonder» hatte …

Die Lehrjahre unter Klopp

Jürgen Klopp hat mit Liverpool derzeit viel zu jubeln. Zumindest in der Premier League.
Jürgen Klopp hat mit Liverpool derzeit viel zu jubeln. Zumindest in der Premier League.Bild: AP/AP

Jürgen Klopp hat seine exakte Vorstellung von Fussball. Diese akribisch dem Team einzutrichtern, benötigt Zeit. Das war schon in Mainz und in Dortmund der Fall. Nach jeweils drei bis vier Jahren kamen die Erfolge unter dem «Normal One».

In Liverpool ist Klopp jetzt etwas über drei Jahre im Amt, den ersten Erfolg hatte er mit dem Einzug ins Champions-League-Finale im letzten Frühling. Der Titel fehlt allerdings noch. 

Klopps Trainerstationen und Erfolge
Mainz 05
Amtsantritt: Februar 2001
Aufstieg in 1. Bundesliga: Mai 2004
Borussia Dortmund

Amtsantritt: Juli 2008
Meisterschaften: Mai 2011 und Mai 2012
FC Liverpool:
Amtsantritt: Oktober 2015

Jürgen Klopp variiert das Spielsystem gerne. Vorzugsweise spielt er allerdings ein offensives 4-3-3, bei dem er gerne auf starkes Offensiv-Pressing setzt. Doch der FC Liverpool hat unter Klopp gelernt, bei erfolglosem Pressing wieder schnell hinter den Ball zu kommen und danach Konter zu fahren. Die «Reds» führen in der Statistik der Torschüsse nach schnellen Kontern (15) – daraus haben sich fünf Tore ergeben, auch das ein Bestwert.

Charakteristisch für Jürgen Klopp ist zudem, dass er nichts, oder zumindest so wenig wie möglich, dem Zufall überlässt. Deshalb erwartet er von seinem Team, dass die Angriffe zu Ende gespielt werden, bis die Lücke da ist und der Abschluss aus dem Strafraum möglich ist. Der Zufallsfaktor durch Distanzschüsse soll möglichst klein gehalten werden. Wenig überraschend hat Liverpool in dieser Saison 31 seiner 34 Premier-League-Tore innerhalb des Strafraums erzielt. 

Liverpool kann ManCity, Klopp kann Guardiola

«Wie machst du das bloss?», fragt sich Guardiola gegen Klopp wohl des öfteren. 
«Wie machst du das bloss?», fragt sich Guardiola gegen Klopp wohl des öfteren. Bild: AP/AP

Der FC Liverpool und Manchester City haben sich an der Spitze der Tabelle bereits etwas abgesetzt. Dass der grösste Konkurrent Manchester City heisst, wird Jürgen Klopp passen. Denn im Direktduell gegen die Citizens (unter Guardiola) hat Klopp eine starke Bilanz: vier Siege, zwei Remis, eine Niederlage. 

Die Direktduelle seit Guardiola bei City coacht
31.12.2016: Liverpool – ManCity 1:0
19.03.2017: ManCity – Liverpool 1:1
09.09.2017: ManCity – Liverpool 5:0
14.01.2018: Liverpool – ManCity 4:3
04.04.2018: Liverpool – ManCity 3:0 (CL)
10.04.2018: ManCity – Liverpool 1:2 (CL)
07.10.2018: Liverpool – ManCity 0:0
03.01.2019: ManCity – Liverpool -:-

In der Gesamtbilanz inklusive Partien zwischen Borussia Dortmund und Bayern München führt Klopp gegen Guardiola ebenfalls. Er steht bei acht Siegen, zwei Remis und fünf Niederlagen. Gegen keinen anderen Trainer hat Pep Guardiola auch nur annähernd so oft verloren. José Mourinho konnte Guardiola immerhin fünf Mal bezwingen, musste sich aber auch elf Mal geschlagen geben.

Wenn ein Trainer Guardiola auscoachen kann, dann ist es Jürgen Klopp. Das Premier-League-Rückspiel steht am 3. Januar in Manchester an.

Die Spektakel-Liga

Manchester United konnte gegen die Young Boys wie so oft in dieser Saison nicht überzeugen.
Manchester United konnte gegen die Young Boys wie so oft in dieser Saison nicht überzeugen.Bild: KEYSTONE

Die Premier League bietet viel Spektakel. Das ist schön und gut so. Doch das ständige Ich-habe-den-Ball-und-renne-damit-sofort-nach-vorne hat auch Nachteile. Es ist nicht wirklich erfolgreich. Kein Wunder hat die Premier League trotz dem Geldregen und Milliarden-Investitionen in der Champions League keinen Erfolg. Dafür ist der gespielte Fussball oft zu naiv.

Jürgen Klopp kann genau das ausnutzen, weil er sein Augenmerk trotz Super-Sturm auch auf die Defensive legt. Dass er die richtige Balance findet, um in der Premier League erfolgreich zu sein.

In der Champions League ist das in dieser Saison schon schwieriger. Da braucht Liverpool einen Heimsieg gegen Napoli, um das Out in der Gruppenphase zu verhindern. In der Königsklasse hat Liverpool in fünf Spielen nämlich bereits drei Niederlagen kassiert – in der Premier League noch keine. Die Mannschaft hat sich eine Cleverness angeeignet, die zumindest für die Premier League reichen könnte. Zum ersten Mal seit 1990.

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Delay Lama
10.12.2018 15:03registriert Oktober 2016
Klopp ist einfach auch ein Toptrainer! Ich finde, er hat das Team nochmals sinvoll und Top verstärkt. Gerade die Breite des Kaders kann gegen Ende der Saison wertvoll sein. Für Shaqiri freue ich mich besonders, da er von seinen Anlagen her schon immer ein klasse Spieler war. In dieser Form ist er für die Nati goldwert.
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Nelson Muntz
10.12.2018 17:48registriert Juli 2017
Sollte der LFC Meister werden und Shaq spielt zusätzlich an der Nations League in Portugal gross auf, wird ein harter Frühsommer für seine Hater auf Blick und 20min.
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Heinz Schmid
10.12.2018 14:01registriert Mai 2018
Die Reds unter Klopp sind Leidenschaft pur, das wird mit Hoffnung im Herzen weitergehen.
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