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Aktuell die zwei formstärksten Teams der Liga: Davos und Rapperswil.
Aktuell die zwei formstärksten Teams der Liga: Davos und Rapperswil.Bild: keystone
Analyse

Davos, Rappi und Co. an der Ligaspitze – das steckt hinter dem Erfolg

An der Spitze der National League grüsst mit Davos, Fribourg, Biel und den Lakers aktuell ein überraschendes Quartett. Wie es dazu kommen konnte.
19.11.2021, 13:48

Bald ist die Hälfte der National-League-Saison vorbei und auf den ersten vier Positionen sind Mannschaften, die man vor dem Saisonstart vielleicht nicht dort erwartet hätte: Davos, Fribourg, Biel und die SCRJ Lakers.

Bild: screenshot sihf.ch

Während Biel sich in den letzten Jahren zu einer Mannschaft gemausert hat, die stets um die vorderen Ränge mitspielen kann, gab es bei Davos, Rappi und Fribourg doch offene Fragen. Wie gut hält die HCD-Defensive und sind die Torhüter stark genug? Wie verarbeiten die Lakers die Abgänge von Trainer Jeff Tomlinson und Verteidiger Dominik Egli? Und ist das Kader von Gottéron nicht zu alt?

Doch wie wir nun wissen, waren alle diese Sorgen unberechtigt. Das Quartett hat sich in der ersten Saisonhälfte mit guten Leistungen ganz nach vorne gearbeitet. Aber: Wo liegen eigentlich die Gründe dafür? Und wie nachhaltig ist der Erfolg?

HC Davos

Nach der letzten knorzigen Saison, die im enttäuschenden Pre-Playoff-Out gegen den SC Bern endete, war Trainer Christian Wohlwend schon etwas angezählt. Nun stürmte der Engadiner mit seiner jungen Mannschaft bis an die Ligaspitze.

Die Gründe für die gute Rangierung:

  • Verbesserte Defensive: Der wichtigste Punkt in der Wiederauferstehung des HC Davos ist eine stark verbesserte Verteidigung. Kassierten die Bündner im vergangenen Jahr noch die drittmeisten Tore der National League, lässt derzeit nur der EV Zug noch weniger Gegentreffer zu.

    Die Bündner lassen zwar weiterhin viele Schüsse zu, sie konnten aber die Gefährlichkeit dieser Schüsse entschärfen. Der HCD hat gemäss nlicedata.com etwa die wenigsten Tore erhalten, bei denen dem Goalie die Sicht verdeckt war.
  • Hervorragende Goalie-Leistungen: Gilles Senn hat sich nach einem schwachen Saisonstart gesteigert und zeigt jetzt auch regelmässig solide Leistungen. Geradezu überragend ist, was Sandro Aeschlimann aufs Eis bringt. Der 26-Jährige wirkt derzeit kaum überwindbar, erhält pro Spiel durchschnittlich nur 1,35 Gegentore. Dass Aeschlimann aktuell der heisseste Torhüter der Liga ist, zeigt sich auch im Tracking von nlicedata.com. Demnach hat der HCD-Goalie bereits 7,9 Tore mehr verhindert, als gemäss den zugelassenen Chancen zu erwarten gewesen wäre.
  • Gleich gute Offensive: Tore schiessen war noch selten das Problem vom HCD. Die Bündner erzielen auch diese Saison mit Abstand die meisten Tore der Liga. Angeführt wird die Mannschaft vom genialen Import-Trio mit Matthias Bromé, Matej Stransky und Denis Rasmussen. Andres Ambühl zeigt auch mit 38 Jahren keine Anzeichen von Müdigkeit. Dahinter können sich auch die Neuzugänge entfalten. Raphael Prassl, Julian Schmutz, Dominik Egli oder Axel Simic tragen munter zur Torproduktion bei.
  • Kein Verletzungspech: Ebenfalls ein nicht zu unterschätzender Faktor. Der HCD wurde bislang mehrheitlich von der Verletzungshexe verschont. Enzo Corvi fehlte einige Spiele und aktuell fallen Egli und Valentin Nussbaumer aus. Aber der Kern der Mannschaft war sonst praktisch immer fit.
Fehlt dem HCD aktuell: Dominik Egli.
Fehlt dem HCD aktuell: Dominik Egli.Bild: keystone

Bleibt der Erfolg?

Die Spielgrundlagen beim HCD passen. Sie kreieren viele gefährliche Chancen und lassen wenig zu. Es ist auch ein genügend breites Kader vorhanden, um allfällige Verletzungen abzufangen.

Wenn man beim HCD irgendwo eine Regression erwarten kann, dann bei den Goalies. So gut Aeschlimann derzeit auch spielt, eine Fangquote von über 95 Prozent während einer ganzen Saison zu halten, ist praktisch unmöglich. Sollten Aeschlimanns Leistungen irgendwann nachlassen, könnte das auch die eine oder andere Niederlage mehr bedeuten. Ein grosser Absturz in der Tabelle scheint bei Davos aktuell aber nicht realistisch.

HC Fribourg-Gottéron

Den Erfolg von Fribourg haben wir Anfang Saison, als die Drachen einen Sieg an den anderen reihten, schon einmal analysiert. Verändert hat sich seither nicht viel. Die wichtigsten Punkte fassen wir hier noch einmal zusammen.

Die Gründe für die gute Rangierung:

  • Stabile Defensive: Keine Mannschaft in der National League lässt im eigenen Drittel weniger zu als Fribourg. Aus dieser Stabilität baut die Mannschaft von Christian Dubé das Spiel auf.
<b>Links:</b> Je mehr blau desto weniger Schüsse lässt die Mannschaft im Vergleich mit dem Ligadurchschnitt zu. Fribourg ist in der Verteidigung also 21 Prozent besser als der Ligadurchschnitt.<br><b>Rechts:</b> Je mehr rot desto mehr Schüsse generiert die Mannschaft im Vergleich mit dem Ligadurchschnitt. Fribourg ist im Angriff also 11 Prozent besser als der Ligadurchschnitt.
Links: Je mehr blau desto weniger Schüsse lässt die Mannschaft im Vergleich mit dem Ligadurchschnitt zu. Fribourg ist in der Verteidigung also 21 Prozent besser als der Ligadurchschnitt.
Rechts: Je mehr rot desto mehr Schüsse generiert die Mannschaft im Vergleich mit dem Ligadurchschnitt. Fribourg ist im Angriff also 11 Prozent besser als der Ligadurchschnitt.
Bild: screenshot nlicedata.com
  • Hervorragende Special Teams: Gottéron hat das beste Powerplay und das drittbeste Unterzahlspiel der Liga. Damit macht es in vielen Spielen den Unterschied.
  • Ausgeglichenheit: Im Gegensatz zu anderen Teams hat Fribourg keinen alles überragenden Star. Dafür bringen die Drachen mit jeder einzelnen Linie Torgefahr aufs Eis.

Bleibt der Erfolg?

Ja. Im Gegensatz zum HCD ist Gottéron in dieser Saison weniger vom Torhüter abhängig. Auch wenn Reto Berra mal schwächere Phasen einziehen sollte, ist die Mannschaft gut genug, um weiter zu gewinnen. Fribourg wird weiterhin ganz vorne mitmischen.

EHC Biel

Wie bereits erwähnt: Von den aktuellen vier Spitzenteams hat man Biel noch am ehesten dort erwartet, wo es jetzt klassiert ist. Auch in den letzten Jahren mischten die Seeländer oft vorne mit.

Die Gründe für die gute Rangierung:

  • Ausgeglichenheit: Der EHC Biel ist keine Mannschaft, die eine besondere Stärke hat, aber auch keine Mannschaft mit einer grossen Schwäche. Egal, welche Kategorie man anschaut, die Seeländer sind mindestens im Ligadurchschnitt, wenn nicht sogar besser positioniert zu finden.
  • Rhythmus-Kontrolle: Die Spiele des EHC Biel sind ligaweit jene mit der tiefsten Pace, also den wenigsten kumulierten Schussversuchen von den Seeländern und ihren Gegnern. Böse Zungen würden behaupten, der EHCB lullt die Gegner ein. Positiv formuliert sagen wir: Biel lässt sich nicht auf einen offenen Schlagabtausch ein, sondern kontrolliert oft die Scheibe und damit auch den Spielrhythmus.
  • Joren van Pottelberghe: Der Goalie ist einer der Hauptgründe, warum Biel derzeit so weit oben zu finden ist. Der gebürtige Zuger trägt in dieser Saison eine noch grössere Last, weil sein Ersatz Elien Paupe eine schwierige Phase durchmacht und nur selten zum Einsatz kommt. JvP spielt aber gut genug, um für Biel an manchen Abenden die Kohle aus dem Feuer zu holen.
Ein Pfeiler des Bieler Erfolgs: Joren van Pottelberghe.
Ein Pfeiler des Bieler Erfolgs: Joren van Pottelberghe.Bild: keystone
  • Spielplan: Der EHC Biel hat bereits 24 Spiele absolviert und damit zwei mehr als Davos oder Fribourg an der Spitze oder der EV Zug direkt hinter ihnen. Die sechstplatzierten ZSC Lions haben gar erst 20 Spiele auf dem Konto. Auch dank dieses Polsters halten sich die Seeländer derzeit vor den meistgenannten Titelfavoriten aus Zug und Zürich.

Bleibt der Erfolg?

Die Punkte, die Biel derzeit pro Spiel holt, entsprechen etwa dem, was die Mannschaft auf dem Eis zeigt. Es ist aber davon auszugehen, dass der EHCB im Laufe der Saison noch von auf dem Papier stärkeren Mannschaften wie dem ZSC oder Zug überholt wird. Eine allfällige Schwächephase von Joren van Pottelberghe könnte zudem grossen Einfluss haben.

SC Rapperswil-Jona Lakers

Weitaus am überraschendsten dürfte die aktuelle Platzierung der Rapperswil-Jona Lakers sein. Vor wenigen Jahren jeweils noch das designierte Schlusslicht der Liga, haben sich die St.Galler nun mit mittlerweile acht Siegen in Serie auf den vierten Platz vorgekämpft.

Die Gründe für die gute Rangierung:

  • Effizienz: Nur der HCD macht mehr aus seinen Chancen als die SCRJ Lakers. 10,2 Prozent der Rapperswiler Schüsse landen im Tor. Einerseits ist es eine Tatsache, dass in der National League nur die ZSC Lions mehr Schüsse aus dem Slot abgeben als die Lakers.

    Andererseits ist es aber sicher auch so, dass Rappi im Moment einige Spieler hat, denen das Glück hold ist. Namentlich weisen Gian-Marco Wetter, Marco Lehmann, Jeremy Wick und Dominic Lammer derzeit Schusseffizienzen vor, die über den ganzen Verlauf einer Saison nur schwer zu halten sind.
  • Goalies: Dass Melvin Nyffeler für die Lakers Siege stehlen kann, wissen wir bereits. Der 26-Jährige tut dies auch diese Saison wieder mit einer beeindruckenden Regelmässigkeit, wehrte bislang 92,6 Prozent aller Schüsse auf sein Tor ab und bewahrte damit die Lakers so schon vor 5,3 zusätzlichen Toren.

    Neu ist allerdings, dass dies neben Melvin Nyffeler auch Noel Bader regelmässig schafft. Der 25-Jährige hat zwar erst vier Spiele absolviert, in diesen aber restlos überzeugt. Eine verlässliche Alternative zu Nyffeler ist für Rapperswil Gold wert.
  • Spielplan: Genau wie Biel hat auch Rappi bereits 24 Spiele absolviert. Sortiert man die Tabelle nach Punkten pro Spiel hat der EVZ den SCRJ bereits überholt. Und genau wie bei Biel droht auch den Lakers Gefahr von hinten durch die ZSC Lions, die noch vier Partien weniger gespielt haben.

Bleibt der Erfolg?

Die Lakers spielen derzeit wohl etwas über ihren Verhältnissen. Dass Nyffeler sein aktuelles Niveau hält, scheint realistisch. Deutlich unwahrscheinlicher ist hingegen, dass die Pucks weiterhin so häufig reinfallen, wie es bei Rapperswil derzeit der Fall ist. Weil der SCRJ es bislang nicht schafft, seine Gegner stark zu dominieren, würden ausbleibende Tore auch zwangsläufig mehr Niederlagen bedeuten.

Allerdings hat sich die Mannschaft zuletzt auch in einen regelrechten Rausch gespielt. Die Stimmung ist bestens und man kann weiterhin ohne Druck aufspielen. Das spielt durchaus auch eine Rolle. Die Lakers werden im Laufe der Saison wohl wieder etwas zurückfallen. Aber eine direkte Playoff-Qualifikation ist kein Ding der Unmöglichkeit.

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