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Seit Anfang November steht Xavi bei Barcelona an der Seitenlinie.
Seit Anfang November steht Xavi bei Barcelona an der Seitenlinie. Bild: keystone
Analyse

Barças Hinrunde ist vorbei – so sieht der bisherige Einfluss von Rückkehrer Xavi aus

04.01.2022, 19:32
Dario Bulleri
Dario Bulleri
Dario Bulleri
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Vor ziemlich genau zwei Monaten kehrte Vereinslegende Xavi Hernandez zu Barcelona zurück. Der ehemalige Weltklasse-Mittelfeldspieler wurde zur Freude vieler Fans als neuer Cheftrainer vorgestellt. Das grosse Ziel des 41-Jährigen: Das kriselnde Barcelona so bald wie möglich an die nationale Spitze zu bringen. Dafür setzte Xavi auch einige harte Massnahmen durch.

Nach anfänglicher Euphorie ist es nun etwas ruhiger geworden. Auch unter dem neuen Trainer konnte Barcelona das Out in der Champions League nicht abwenden, in der Liga konnte man sich zwar verbessern, liegt aber nach wie vor «nur» auf dem fünften Platz. Hat sich in Barcelona in den ersten Monaten unter Xavi also nichts verändert? Eine Übersicht.

Die Resultate

In den ersten neun Spielen unter Xavi gab es für Barça in der Liga vier Siege (gegen Espanyol, Villarreal, Elche und Mallorca), drei Unentschieden (gegen Benfica, Osasuna und den FC Sevilla) sowie zwei Niederlagen (gegen Bayern und Betis Sevilla). Damit kommen die Katalanen unter ihrem neuen Coach bisher auf einen Punkteschnitt von 1,67, der zwar etwas höher ist als in den Spielen dieser Saison zuvor (1,52), aber den Ansprüchen Barcelonas noch immer nicht wirklich genügt.

Zum Vergleich: Xavis Vorgänger Ronald Koeman kam in seinen 13 Monaten auf einen Punkteschnitt von 1,96, wobei er im letzten Jahr noch den Vorteil hatte, auf Superstar Lionel Messi zählen zu können.

Auch was die Anzahl Tore und Gegentore angeht, sind unter Xavi keine grossen Unterschiede zum Saisonstart auszumachen. Zwar kassierte Barça im Schnitt etwas weniger Gegentore, war dafür in der Offensive leicht weniger erfolgreich.

Die Leistungen

Schaut man sich die Leistungen von Barcelona unter Xavi etwas genauer an, sieht man, dass sich die Katalanen zuletzt etwas unter Wert geschlagen haben. In den bisherigen Ligaspielen mit dem neuen Trainer kommt Barça auf einen Schnitt von 2,16 xPoints pro Spiel, was bedeutet, dass die Katalanen aufgrund der Spielverhältnisse einige Punkte mehr hätten sammeln sollen, als sie es tatsächlich taten. In dieser Tabelle liegt Barcelona auf Rang 3, hinter Atlético und Sevilla, aber noch etwa vor Real Madrid. In den Spielen vor der Übernahme Xavis lag der Wert noch bei 1,87.

Deutlich weniger gross ist der Unterschied hingegen bei den xGoals und den xGA, also der Anzahl zu erwartenden Tore und Gegentore anhand der eigenen und gegnerischen Chancen. Barça ist zwar offensiv etwas gefährlicher geworden unter Xavi, hat aber in der Defensive dafür etwas mehr zugelassen. Kurioserweise also genau das gegenteilig zu dem, was die tatsächlich erzielten Tore und Gegentore suggerieren.

Die Aufstellung

Während seiner Zeit in Katar bei Al-Sadd stellte Xavi in der Defensive vor allem in seinen letzten Wochen regelmässig eine Dreierverteidigung auf. Darauf verzichtete er in Barcelona bisher. Stattdessen lässt er, wie auch Vorgänger Koeman, im für Barça klassischen 4-3-3 spielen. Wie man es von Barcelona kennt, ist das Spiel auch unter Xavi auf viel Ballbesitz ausgerichtet, wobei man den Ball mit dem neuen Trainer leicht weniger in den eigenen Reihen hatte (61,11 Prozent gegenüber 64,08 Prozent) als zuvor.

Bislang verzichtete Xavi als Barça-Trainer auf grosse Experimente, was die Formation angeht.
Bislang verzichtete Xavi als Barça-Trainer auf grosse Experimente, was die Formation angeht. Bild: keystone

Personell gab es unter Xavi zuletzt hingegen eine Veränderungen, wobei ein Grossteil davon aufgrund von Verletzungen oder positiven Corona-Tests nicht freiwillig war. Dabei hat Xavi gezeigt, dass gewillt ist, möglichst vielen Jungen eine Chance zu geben.

Als zuletzt Memphis Depay fehlte, ersetzte er diesen nicht durch Routinier Luuk de Jong, sondern warf stattdessen den unerfahrenen 22-jährigen Ferran Jutgla ins kalte Wasser. Ebenfalls zu den Profiteuren gehören der 20-jährige Nico Gonzalez, welcher neu zu einer Stammkraft geworden ist, der 20-jährige Marokkaner Ez Abde, der zuletzt fast immer von Anfang an spielen durfte, sowie der 17-jährige Ilias Akhomach, der 18-jährige Estanis Pedrola sowie der 20-jährige Alvaro Sanz, die alle unter Xavi ihr Debüt geben durften.

Ferran Jutgla erzielte gegen Elche in seinem ersten Spiel in der Startelf gleich sein erstes Tor.
Ferran Jutgla erzielte gegen Elche in seinem ersten Spiel in der Startelf gleich sein erstes Tor.Bild: IMAGO / NurPhoto

Einer der Verlierer ist hingegen Philippe Coutinho. Der Brasilianer, der einst für 135 Millionen nach Spanien wechselte, stand in den neun Spielen unter Xavi nur einmal in der Startformation und viermal gar nicht erst auf dem Platz. Barcelona wäre wohl nicht unglücklich darüber, den 29-Jährigen noch im Winter verkaufen zu können, um etwas Gehaltsbudget zu bekommen.

Das Klima

Der wohl grösste Unterschied seit der Ankunft von Xavi ist, dass man bei Barcelona das Gefühl hat, dass endlich wieder Ruhe eingekehrt ist. Xavi scheint bei der Mannschaft trotz seinen strengeren Forderungen sehr geschätzt zu werden, zudem hat er ein gutes Verhältnis zu Präsident Joan Laporta – bei Koeman war zweiteres noch anders gewesen. Und auch bei den Fans geniesst Xavi aufgrund seiner nicht weit zurückliegenden Erfolge als Spieler viel Kredit, weshalb die Stimmung auch bei enttäuschenden Resultaten bisher nicht mehr derart schnell kippte.

Ez Abde jubelt nach seinem Tor gegen Osasuna gemeinsam mit Xavi.
Ez Abde jubelt nach seinem Tor gegen Osasuna gemeinsam mit Xavi.Bild: keystone

Mit Xavi scheint Barcelona zudem wieder etwas am Glamour gewonnen zu haben. Mit Ferran Torres wurde bereits ein grosser Name verpflichtet – er soll der Wunschtransfer Xavis gewesen sein. Und auch der Flügelstürmer selbst sagte offen, der Trainer sei einer der Gründe gewesen, warum er sich für einen Wechsel von Manchester City zu Barcelona entschieden hat:

«Ich kenne seine Karriere als Spieler. Er ist fantastisch. Und jetzt als Trainer ist er genauso gut. Er ist erst am Anfang, aber ich weiss, dass er eine Art von Trainer ist, welche die Qualität hat, um mir zu helfen. So kann ich wachsen und mich verbessern. Ich freue mich darauf, mit ihm zu arbeiten.»
Ferran Torres bei seiner Vorstellung in Barcelona.

Fazit

Ein «neues» Barcelona hat man seit der Übernahme von Xavi nicht gesehen – der unmittelbare Effekt wie etwa nach Antonio Contes Unterschrift bei Tottenham bleib aus. Die Resultate sind weiterhin nicht berauschend – besonders schmerzhaft sind das Remis gegen Benfica und die Pleite gegen Bayern in der Champions League. Und in der Liga verlor man gegen Betis, dem bisher einzigen Gegner aus der Top 6 der Tabelle seit der Übernahme Xavis.

Gleichzeitig gilt es festzuhalten, dass die Resultate etwas täuschen. Wie schon unter Ronald Koeman zeigen die Statistiken, dass man von den Leistungen her eigentlich viel näher an der Spitze dran sein müsste. Bedenkt man zudem, dass viele wichtige Spieler – etwa Ansu Fati oder Pedri – zuletzt fast immer fehlten, scheint eine weitere Steigerung durchaus möglich. Zudem ist Xavi dabei, weitere starke Junge zu integrieren. Auch bei Spielern wie etwa Gavi oder Nico Gonzalez wird es so wohl zu weiteren Fortschritten kommen, was sich in Zukunft auszahlen dürfte.

«Golden Boy» Pedri kam aufgrund von Verletzungen in dieser Saison fast nie zum Einsatz.
«Golden Boy» Pedri kam aufgrund von Verletzungen in dieser Saison fast nie zum Einsatz.Bild: keystone

Das Ziel von Xavi und Barcelona wird wohl in erster Linie sein, sich für die Champions League zu qualifizieren und im Sommer das Kader so aufzustellen, dass man mittelfristig wieder zu einem Topclub werden kann. Erst dann und nach seiner ersten richtigen Vorbereitung mit Barcelona wird sich zeigen, wie weit nach oben Xavi die Katalanen tatsächlich führen kann.

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