Gibt es noch Hoffnung für den HC Lugano?
Es sieht nicht gut aus für den HC Lugano in den Playoff-Viertelfinals gegen die ZSC Lions. Nach drei Niederlagen zum Auftakt der Serie droht den Tessinern heute Abend bei einer weiteren Pleite das frühe Saisonaus. Besonders besorgniserregend war der Auftritt der Luganesi im dritten Spiel vom Mittwoch (0:4), als sie auswärts in Zürich absolut chancenlos waren.
So stellt sich unweigerlich die Frage: Gibt es überhaupt noch Hoffnung für das Team von Trainer Tomas Mitell? Und wo muss Lugano ansetzen, um die Hoffnung auf ein Comeback weiterleben zu lassen? Begeben wir uns mal auf Spurensuche.
Nebenschauplätze sein lassen
Eine Szene bleibt von Spiel 3 in Erinnerung. Kurz vor Schluss des Mitteldrittels liefern sich ZSC-Stürmer Vinzenz Rohrer und Lugano-Verteidiger Connor Carrick einen Faustkampf. Die Emotionen beschränken sich aber nicht nur aufs Eisfeld. Als Luganos Captain Calvin Thürkauf in die Garderobe verschwinden will, lässt er sich auf ein Wortgefecht mit einem provokanten Zürcher Fan ein.
Heute spielt der HCL zu Hause, Provokationen der ZSC-Anhänger dürften so weitaus weniger wirksam sein. Aber prinzipiell gilt: Lugano sollte die Nebenschauplätze sein lassen und seine Energie und seinen Fokus lieber auf das Spielgeschehen richten.
In diesen Punkt fliesst auch die Disziplin ein. Es ist nicht so, dass die Tessiner bislang undiszipliniert gewesen wären – in drei Spielen hatten die Lions nur sechs Überzahlgelegenheiten. Das Problem ist die Effizienz der Zürcher: Jede dritte Strafe kostet die Tessiner ein Gegentor. Das können sie sich nicht leisten, sofern sie sich nicht bereits in die Ferien verabschieden möchten.
Auf van Pottelberghe setzen
Niklas Schlegel spielte eine sehr gute Regular Season. Der Zürcher beim HC Lugano zeigte konstante Leistungen und bewahrte sein Team so im Verlauf der Saison vor rund 13 zusätzlichen Gegentoren. In den Playoffs konnte Schlegel bislang aber nicht an diese Leistungen anknüpfen.
Das ist leider etwas, das sich ein wenig durch Schlegels Karriere zieht. In seinen mittlerweile sechs Jahren in Lugano spielte der 31-Jährige fünf Mal Playoffs oder Playouts. Dabei zeigte er in vier Saisons in den wichtigsten Spielen des Jahres jeweils schlechtere Leistungen als zuvor in der Regular Season. Einzig in den Playoffs 2024 vermochte sich Schlegel in den Playoffs noch zu steigern. Trotzdem scheiterten die Tessiner dort in sieben Spielen an Fribourg-Gottéron.
So ist womöglich der Zeitpunkt gekommen, um heute Abend im vierten Spiel auf Joren van Pottelberghe zu setzen. Der 28-Jährige spielte in der Regular Season nicht ganz so konstant wie Schlegel und hat auch etwas weniger Playoff-Erfahrung. Aber 2023 machte er bei Biels Weg in den Playoff-Final auch vier Spiele und wusste zu überzeugen.
Effizienz steigern
Das ist natürlich viel einfacher geschrieben als tatsächlich getan. Fakt ist: Lugano hat in den drei Playoff-Spielen nur vier Tore geschossen. In beiden Auswärtsspielen blieben die Tessiner torlos und nur 4,4 Prozent ihrer Schüsse finden den Weg an ZSC-Goalie Simon Hrubec vorbei. Das reicht auf diesem Niveau einfach nicht.
Doch wie könnte Lugano die Effizienz steigern? Das ist natürlich extrem schwierig, wenn auf der anderen Seite nicht nur ein Spitzengoalie wie Simon Hrubec, sondern auch Klasseverteidiger wie Dean Kukan, Yannick Weber, Christian Marti oder Mikko Lehtonen stehen. Vereinfacht gesagt, gibt es zwei Möglichkeiten, Hrubec das Leben zu erschweren: ihm die Sicht nehmen oder ihn dazu zwingen, sich schnell von Seite zu Seite verschieben zu müssen.
Was beim Blick auf die bisherigen Chancen auffällt: Lugano ist sehr darauf bedacht, stets einen eigenen Spieler vor Hrubec' Tor abzustellen. Allerdings positioniert sich dieser oft so, um Scheiben abzulenken oder Abpraller zu verwerten, und nicht, um Hrubec die Sicht komplett zu nehmen. Der tschechische Goalie ist aber so gut, dass er fast keine Abpraller zulässt, wenn er die Scheibe früh genug sieht.
Von den bislang vier Lugano-Toren in dieser Serie fielen zwei, weil Hrubec die Scheibe nicht oder erst zu spät sehen konnte. Die anderen beiden fielen, nachdem die Tessiner das Spiel auseinandergezogen und den gegnerischen Goalie zu grossen Seitwärtsbewegungen gezwungen hatten. Beide Methoden können also zum Erfolg führen.
Erstes Drittel überstehen
In den drei bisherigen Spielen hiess das Resultat aus Lugano-Sicht: 0:1, 1:3 und 0:2. Obwohl die Tessiner in ihrem Heimspiel das erste Tor schossen, gingen sie dort wie in den anderen beiden Partien auch mit einem Rückstand in die erste Pause. Das darf heute Abend nicht passieren, ansonsten wird es quasi unmöglich, die Lions noch aufzuhalten.
Zwar muss Lugano, wie wir nun wissen, an seiner Effizienz arbeiten und dringend mehr Tore schiessen. Aber die Mannschaft von Tomas Mitell darf natürlich nicht blind nach vorne stürmen. Gerade im ersten Drittel ist daher etwas Vorsicht angesagt, dass man den läuferisch und technisch starken ZSC-Stars nicht voll ins Messer läuft.
