Sport
Best of watson

Sarah Davies ist Schönheitskönigin und Gewichtheberin

Sarah Davies an der WM 2018 im turkmenischen Aschgabat.
Sarah Davies an der WM 2018 im turkmenischen Aschgabat.bild: instagram/sarahd_gb

Diese Schönheitskönigin will bei Olympia 2020 eine Medaille holen – im Gewichtheben

Die Gewichtheberin Sarah Davies träumt von einer Olympiamedaille 2020 in Tokio. Aber vorher hat sie England an den Wahlen zur Miss Intercontinental vertreten.
20.02.2019, 15:4621.02.2019, 05:46
Ralf Meile
Folge mir
Mehr «Sport»

Hand aufs Herz. Wenn man dir sagt, du sollst dir eine Gewichtheberin vorstellen: Wie sieht die dann aus?

Vermutlich eher nicht so:

In zwei Welten top

Sarah Davies ist Gewichtheberin. Sie gewann im vergangenen Jahr Silber an den Commonwealth Games, an der WM 2018 wurde die Britin in der Klasse bis 64 Kilogramm Neunte im Stossen, ein Jahr zuvor war sie WM-Sechste im Zweikampf. An den Olympischen Spielen 2020 in Tokio will sie Geschichte schreiben und als erste britische Gewichtheberin eine Medaille gewinnen.

Doch Sarah Davies ist auch noch auf einer zweiten Bühne zuhause. Die 26-Jährige aus Preston nördlich von Liverpool ist eine Schönheitskönigin. Kürzlich nahm sie als englische Vertreterin an den Wahlen zur Miss Intercontinental auf den Philippinen teil.

Sarah Davies stellt sich vor.Video: YouTube/Miss Intercontinental

Für den Sieg reichte es Davies bei der Miss-Wahl in Manila nicht, den holte sich mit Karen Gallman eine Filipina. Dafür gewann Davies als Gewichtheberin schon viele Auszeichnungen.

«Schönheitsköniginnen müssen dünn und blond sein, Gewichtheberinnen burschikos und dick. Ich kann leider mit nichts davon dienen.»
Sarah Davies«Zeit»

Einst gemobbt, heute Kämpferin

Davies nutzt den Catwalk als Plattform – aber nicht nur für sich selber. Sie kämpft gegen stereotype Schönheitsideale und Körperbilder an, hält Vorträge dazu an Schulen.

Denn als Jugendliche litt Davies selber unter einem Körper, der nicht den gängigen Normen entsprach. Sie war Kunstturnerin, ambitioniert, mit grossen Träumen. Doch als 14-Jährige hörte sie entnervt auf, ihr muskulöser Körper mit dem breiten Kreuz und den stämmigen Oberarmen bot den Mitschülern reichlich Stoff für Mobbing. «Ich wollte irgendwann einfach nur noch normal sein», sagt Davies heute in der Zeit.

Davies mit ihrer Silbermedaille der Commonwealth Games.

Mit dem Spitzensport schliesst sie fürs erste ab. Sie beginnt in Leeds ein Studium und lässt sich von Mitschülern dazu überreden, an einem Schönheitswettbewerb teilzunehmen. Prompt gewinnt sie ihn. Ein Moment, in dem es «Klick» macht. «Ich habe gemerkt, dass ich ein Vorbild für Mädchen sein kann, die sich so fühlen wie ich damals, die vielleicht anders aussehen und deshalb leiden», erinnert sich die 1,64 m grosse und 66 Kilogramm schwere Athletin. «Ich wollte ihnen zeigen, dass man auch ein gutes Körpergefühl haben kann, wenn man sich nicht zu Tode hungert. Meine Preise sind der Beweis, dass es geht.»

«Als Kind wurde ich gehänselt, weil ich als Turnerin muskulös war. Nun habe ich noch mehr Muskeln und bin vollkommen zufrieden mit meinem Körper. Was ich kann, ist wirklich aussergewöhnlich: Nicht viele Leute können das Doppelte ihres Körpergewichts über ihren Kopf stemmen.»

Die Studentin verliebt sich in einen Gewichtheber, den Olympiateilnehmer Jack Oliver. Und weil sie nun oft bei ihm im Trainingsraum ist, beginnt sie ebenfalls mit Reissen und Stossen. Mittlerweile ist der 28-Jährige nicht mehr nur Trainer und Freund, sondern auch Goldmedaillengewinner an den Commonwealth Games und ihr Verlobter.

An der WM 2018 stellt Davies mit 123 kg im Stossen und 217 kg im Zweikampf neue britische Rekorde auf.

Sarah Davies ist kein Teenager mehr, doch auch als erwachsene Frau muss sich noch für ihren Körper rechtfertigen. Das habe sie überrascht, gibt sie zu. Doch mit mittlerweile 26 Jahren geht sie entschlossen ihren Weg. Die Gewichtheberin und Schönheitskönigin ist und macht, was sie will: «Für mich bedeutet Feminismus, dass Frauen eben genau das tun können, was auch immer sie wollen.»

Jastina Doreen Riederer – die ehemalige Ex-Miss-Schweiz

1 / 8
Jastina als Miss Schweiz gefeuert
Jastina Doreen Riederer wurde am 10. März 2018 in der Trafohalle in Baden zur Miss Schweiz gekrönt.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Die Preise für Schönheits-OPs sinken – aber wieso?

Video: srf

Unvergessene Olympia-Momente: Sommerspiele

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
6 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Gooner1886
20.02.2019 16:40registriert Mai 2018
Dann wünsche ich viel Erfolg, viel mehr gibt es nicht zu sagen.
432
Melden
Zum Kommentar
6
Die magische Show des Floyd Landis, die ein einziger grosser Schwindel ist
20. Juli 2006: Fans, Experten und Journalisten sind aus dem Häuschen. Wie sich Floyd Landis auf der Etappe nach Morzine das Leadertrikot zurück holt, hat die Tour de France ewig nicht mehr gesehen. Doch der Zauber verfliegt schnell.

Es ist eine Etappe fürs Geschichtsbuch, welche die Fahrer der Tour de France an diesem 20. Juli 2006 von Saint-Jean-de-Maurienne nach Morzine führt. Denn was der Amerikaner Floyd Landis zeigt, ist nicht von dieser Welt. Was sich kurze Zeit später auch exakt so bestätigen wird …

Zur Story