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epa06196236 Swiss rider Dominique Aegerter of Kiefer Racing celebrates on the podium after winning the Moto2 Grand Prix of San Marino and Riviera of Rimini at Misano circuit, in Misano Adriatico, Italy, 10 September 2017.  EPA/Fabrizio Petrangeli

Dominique Aegerter enttäuschte in Aragonien. Bild: EPA/ANSA

Kein Sex, kein Sieg? Die Freuden und Leiden des letzten wahren Töff-Rock'n'Rollers

Dominique Aegerter, der strahlende Sieger von Misano, hat in Aragon eine empfindliche Niederlage erlitten. Wenigstens ist sein Ruf als «Rock’n’Roller» intakt geblieben

klaus zaugg, aragon



Dominique Aegerter (26) ist cool, populär und hat im Fahrerlager den Ruf, ein Rock’n’Roller zu sein. Wie wirkt sich das im Alltag aus? Hier eine Episode aus dem Fahrerlager beim letzten GP in Aragon.

Der geknickte Sieger von Misano wird von einer internationalen Chronisten-Runde (Chronistin war keine dabei) nach den Gründen für den etwas enttäuschenden 12. Platz befragt. Es ist ja etwas ungewöhnlich, wenn einer nur zwei Wochen nach einem grandiosen Sieg «nur» Zwölfter wird.

epa06223985 Swiss Moto2 rider Dominique Aegerter, Kiefer Racing, competes in Aragon Grand Prix at Motorland circuit in Alcaniz, Teruel, Spain, 24 September 2017.  EPA/Javier Cebollada

Fuhr eine Woche nach seinem Sieg nur hinterher. Bild: EPA/EFE

Nach technischen Erklärungen, warum seine Höllenmaschine halt nur im Regen und nicht bei trockener Piste einwandfrei funktioniert, – Erklärungen, die für das Publikum nicht weiter aufregend sind – nimmt Dominique Aegerter sich selbst von der Kritik nicht aus. Er nennt Punkte, die er im Hinblick auf die nächste Saison verbessern will: Unter anderem eine Optimierung des Trainings um lockerer zu werden und zwei Kilo Gewicht abzubauen und bessere Konzentration auf die Rennerei. «Vielleicht muss ich mich vom Donnerstagmittag bis nach dem Rennen aus allen sozialen Medien verabschieden.»

Rückenschmerzen wegen schlechtem Sex?

Er sei hier in Aragon einfach zu angespannt gewesen und habe wegen der Verkrampfung der Muskeln Rückenschmerzen gehabt. Kurzum: wir haben nicht mehr den gleichen coolen, lockeren, charismatischen Dominique Aegerter wie in Misano gesehen.

epa06167093 Swiss Moto2 rider Dominique Aegerter of the Keifer Racing Suter team on the grid during the Moto2 race of the 2017 British Motorcycling Grand Prix at the Silverstone race track, Northampton, Britain, 27 August 2017.  EPA/TIM KEETON

Dominique Aegerter: War der Sex vor dem Rennen schlecht? Er kontert souverän. Bild: EPA/EPA

Und da der GP-Zirkus mit seinem Macho-Milieu nicht unbedingt als blühende Oase der politischen Korrektheit gilt, wird er von einem vorwitzigen internationalen Chronisten gefragt, ob die Verspanntheit möglicherweise daher komme, dass er vor dem Rennen in Misano guten und vor Aragon keinen Sex gehabt habe.

Dominique Aegerter dementiert nicht, überlegt kurz und beginnt zu lachen: «Und was ist dann vor all den Rennen, die ich nicht gewonnen habe? Das wäre doch ein langweiliges Leben …» In der Tat: 176 GP hat er nicht gewonnen.

Reputation wie der legendäre Barry Sheene

Sein Ruf als Rock’n’Roller ist also auch in der Niederlage von Aragon intakt geblieben. Er hat bis heute zwei GP-Siege und acht Podestplätze geholt und wird nie so erfolgreich sein wie sein ganz grosses Idol Barry Sheene. Der Brite gewann 23 GP, fuhr 52 Podestplätze heraus und feierte 1976 und 1977 den WM-Titel in der Königsklasse (damals 500 ccm). Vor allem aber war er der charismatischste Fahrer seiner Generation und ein Playboy. Sein Markenzeichen war die Nummer 7. Ihm zu Ehren hat Dominique Aegerter die 77 gewählt.

JAHRESRUECKBLICK 2003 - PEOPLE - BARRY SHEENE, GESTORBEN AM 10. MAERZ 2003: British former world 500 cc motorcycling champion Barry Sheene is seen in this picture made in Donnington, England, in 1976. Sheene died Monday, March 10, 2003 in Australia after a battle with cancer of the throat and stomach, aged  52. Sheene won the World Motorcycle Championships twice in the 1970s and became famous for overcoming his numerous crashes on the track. (KEYSTONE/AP Photo/PA/Str) === UK OUT, MAGAZINES OUT, ,  ===  [LON4]

Barry Sheene verstarb 2003. Bild: AP PA

Die Erfolge seines Idols wird «Domi» zwar nicht mehr erreichen. Aber seine Reputation als «Rock’n’Roller» hält im Fahrerlager schon fast einem Vergleich mit Barry Sheene stand.

Bei Lüthi wird in diesen Tagen nicht gescherzt

Bei Tom Lüthi (30) wird in diesen Tagen nicht frivol gescherzt. Bei ihm geht es nüchtern und konzentriert zu und her. Auch bei der medialen Befragung nach dem Rennen. Schliesslich steht ein WM-Titel auf dem Spiel.

epa06220178 Swiss Moto2 rider Thomas Luthi of CarXpert Interwetten Kalex team in action during the second free practice session at Motorland circuit in Alcaniz, Teruel, Spain, 22 September 2017. The Aragon Motorcycling Grand Prix will take place on 24 September 2017.  EPA/Antonio Garcia

Tom Lüthi muss in Asien jetzt mächtig Gas geben. Bild: EPA/EFE

In Misano brauste er gleich hinter Dominique Aegerter über die Ziellinie. Hier hat er gerade noch den 4. Platz gerettet – und ist sichtlich zerknirscht. «Ich war total am Limit. Mehr war nicht möglich.» Er hat im Titelkampf gegen Franco Morbidelli eine Niederlage erlitten. Der Italiener baute mit seinem 8. Saison-Sieg den Vorsprung von 9 auf 21 Punkte aus. Auf dem gleichen Material. Tom Lüthi sagt, die Enttäuschung sei bald verarbeitet. «Wir können nicht verpassten Gelegenheiten nachtrauen. Wir müssen uns darauf konzentrieren, besser zu werden.»

Wann singt die dicke Lady?

Nun folgen die drei Übersee-GP in Japan, Australien und Malaysia. Eigentlich die Chance, sich eine gute Ausgangslage für das «Endspiel», für den letzten GP am 12. November in Valencia zu erarbeiten. Tom Lüthi hat in den letzten vier Jahren bei dieser Übersee-Tournee in zwölf Rennen acht Podestplätze herausgefahren. Alles klar? Nicht ganz. Vor einem Jahr holte er in Japan, Australien und Malaysia zusammengerechnet bloss vier Punkte mehr als Franco Morbidelli. Aber es gilt der Spruch aus dem amerikanischen Rennsport: «It’s not over before the fat lady sings». Und sie hat noch nicht gesungen.

Fat Lady Klaus Zaugg Symbol-Fat-Lady, Bild: flickr.com

Die Fat Lady hat noch nicht gesungen, Tom Lüthi darf noch hoffen.

Der Vergleich mit der «fetten Dame» kommt übrigens aus der Welt der Oper. Bei Richard Wagners «Der Ring der Nibelungen» tritt zum Finale («Götterdämmerung») Brünhilde auf, die in der Regel von einer opulenten Dame gespielt wird. Erst wenn sie gesungen hat, ist das grosse Spektakel zu Ende. Und nicht vorher.

Welcher Typ ist wohl Dominique Aegerter?

Video: watson

Alle Schweizer Töff-GP-Sieger

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Tom Lüthi – die Fortsetzung einer Misere mit Maske und Maulkorb

Seit die Scheidung von seinem Team verkündet ist, quält sich Tom Lüthi (34) als grimmig entschlossener Einzelkämpfer durch den Rest der Saison. Er hat in Aragon soeben einen enttäuschenden 12. Platz herausgefahren. Mehr und mehr kommt nun ans Licht, wie Misstrauen im Team und fachliche Inkompetenz der Techniker seine Titelchancen ruiniert haben.

Teamchef Jürgen Lingg hat die mediale Kritik an der technischen Betreuung als einen Grund für die Trennung von Tom Lüthi per Ende Saison genannt. «Das hat mich doch sehr erstaunt» sagt Tom Lüthis Freund und Manager zu dieser seltsamen Begründung. «Tom und ich sind verdächtigt worden, Informationen an Sie weitergegeben zu haben. Weil anders Ihre kritischen Analysen nicht zu erklären seien. Das ist Unsinn und hat uns auch irritiert.»

Es gibt allerdings schon eine Erklärung: der Motorradrennsport …

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