SCB-Sportchef Plüss: «Ich würde noch so gerne Simon Moser klonen»
«Der SCB gehört an die Spitze.» Da ist Martin Plüss klipp und klar. Dem 48-jährigen Sportdirektor des SC Bern ist indes bewusst, dass die Transformation nicht von heute auf morgen stattfinden kann. «Es braucht ein tragfähiges Fundament, damit wir uns nachhaltig an der Spitze festbeissen können.»
Der 12. Platz in der Tabelle mit 20 Punkten aus 19 Spielen entspricht nicht den Ansprüchen des 16-fachen Meisters. Plüss sagt, dass nach dem letzten Titelgewinn 2019 die notwendige Erneuerung verpasst wurde. «Man bezahlte für strategische Fehler der Vergangenheit und der Mannschaft fehlten gewisse Generationen.»
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Weniger Geld als früher
Dafür verantwortlich war auch die Tatsache, dass die National League gegenüber seinen Spielerzeiten kompetitiver geworden sei. «Als wir sehr erfolgreich waren, gab es mehr oder weniger vier Klubs, die den Titel unter sich ausmachten. Dieses Quartett balgte sich um die Top-Spieler.» Heute seien es acht oder neun Klubs, weshalb die Chance, seinen Wunschspieler zu erhalten, schon rein mathematisch kleiner sei.
Noch etwas anderes hat sich gegenüber den erfolgreichen SCB-Jahren verändert: Die «Mutzen» können nicht mehr mit der ganz grossen Kelle anrichten. «Wir waren damals auch nicht immer vorne. Aber man hatte stets das Geld, um kurzfristige Korrekturen anbringen zu können.» Die Corona-Pandemie veränderte das, denn der SC Bern finanziert den Sport durch Einnahmen seiner zahlreichen Gastro-Betriebe.
Routiniers in der Krise
Aktuell versuchen Plüss und Co. einen schwierigen Spagat: die Mannschaft umbauen und trotzdem vorne mitspielen. «In den ersten beiden Jahren klappte das, in dieser Saison überhaupt nicht. Momentan haben wir sehr viele Spieler, die ihrem Rendement nicht gerecht werden, und das ist schwierig zu verkraften.»
Martin Plüss betont, dass der Umbau vor allem auch über die Nachwuchsarbeit gelingen muss. «Es hat gar nicht so viele Spieler auf dem Markt, wie man immer meint, bei denen wir finden, dass sie uns weiterhelfen können. Ich würde noch so gerne einen Klon von Simon Moser holen, aber das ist nicht die Realität.»
Vielmehr müsse man in Bern ein Umfeld schaffen, das auf potenzielle Neuverpflichtungen attraktiv wirke. «Bei der Infrastruktur sind wir hinter anderen, das lässt sich nicht von heute auf morgen korrigieren. Aber wir arbeiten daran.» Er stelle fest, sagt Plüss, dass der Klub bereits anders wahrgenommen werde als noch vor zwei Jahren.
«In Bern musst du drei Mal in der Woche gut spielen, zwei Mal reicht nicht»
Fürs Image seien die vielen Wechsel im Management und beim Trainer jedoch nicht gut. «Und wenn wir nun am Schwanz herumdümpeln, hilft uns das bei der Spielerrekrutierung natürlich nicht.» Andere Klubs seien besser aufgestellt oder auf dem Papier dem Meistertitel näher.
Unter dem unlängst entlassenen Trainer Jussi Tapola habe sich schon einiges geändert. Der SCB habe nie den Stempel gehabt, dass man sich dort als junger Spieler weiterentwickeln könne. Das sei mittlerweile anders. Plüss erwähnt etwa Marco Lehmann, der in Bern Nationalspieler geworden sei, Benjamin Baumgartner oder Yanick Sablatnig, «den niemand auf der Rechnung hatte».
Aktuell findet der Sportdirektor etwa die Entwicklung von Alain Graf «beeindruckend». Der 20-Jährige ist zum Stammspieler aufgestiegen. Nun müsse die jüngere Generation sich weiter aufdrängen, um in die Top-Linien zu kommen. «Es braucht Konkurrenzsituationen, damit wir besser vorbereitet sind für verletzungsbedingte Ausfälle oder Leistungseinbrüche abfedern können.» Und die Spieler müssten verinnerlichen, dass beim SCB andere Massstäbe gelten: «In Bern musst du drei Mal in der Woche gut spielen, zwei Mal reicht nicht.»
Bis Ende Saison führt Heinz Ehlers die Mannschaft. Zu bestimmen, wer auf den Dänen folgen soll, ist eine von Plüss' wichtigsten Aufgaben. «Wir brauchen jemanden, der sehr viel Leadership hat», nennt der Sportdirektor eine Grundvoraussetzung. Und: Man müsse die Trainer-Crew als Ganzes beurteilen. «Ich glaube, das All-in-one-Paket, bei dem der Head Coach alles kann, gibt es nicht mehr.»
Eine Präferenz zur Herkunft des neuen Trainers habe er nicht, sagt Plüss, der in seinen 23 Jahren als Profi in der Schweiz und in Schweden gespielt hat. Die verschiedenen Stile hätten sich ohnehin angeglichen. «Wir brauchen schlicht den Coach, der zu uns passt. Er muss mit der Mannschaft, die wir haben, das Maximum herausholen.»
Langeweile dürfte beim SCB-Sportdirektor kaum aufkommen in den nächsten Wochen und Monaten. Martin Plüss ist motiviert, den Karren aus dem Dreck zu ziehen: «Es ist ein spannendes Projekt mit vielen Chancen. Jetzt windet und bläst es, und es ist wirklich nicht gut. Aber daraus kann man etwas Cooles machen, wenn man die richtigen Abzweigungen nimmt.»
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
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