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Eismeister Zaugg über das Nati-Aufgebot für Olympia

Czechia's Michael Spacek, right, scores the goal to make it 1:2 against Switzerland's goalkeeper Leonardo Genoni, left, during the Euro Hockey Tour game between Switzerland and Czechia, at t ...
Leonardo Genoni wird zum dritten Mal bei Olympischen Spielen dabei sein.Bild: keystone
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Ein perfektes Aufgebot mit Tücken

Mit allen NHL-Stars, aber ohne Schillerfalter aus der heimischen Liga. Der wichtigste Mann im Olympia-Team kommt trotzdem aus der National League: Leonardo Genoni.
07.01.2026, 19:4507.01.2026, 19:45

Auf den ersten Blick wirkt Patrick Fischers Olympia-Aufgebot so erwartbar wie der Hochnebel im Januar. Keine Überraschungen. Keine Experimente. Keine Gründe für eine Polemik. Die Schillerfalter der heimischen Liga, bleiben zu Hause. Zu weich, zu leicht, zu wenig widerstandsfähig für ein Turnier der besten Spieler der Welt (also der NHL-Stars), das nicht nur gespielt, sondern überstanden werden will und härter, intensiver als jede WM wird.

Selbst Théo Rochette, Liga-Topskorer, der die Leichtigkeit des Seins und der Vollendung des finalen Torschusses verkörpert wie sonst niemand mit Schweizer Pass, darf nicht nach Mailand reisen. Immerhin: Wenn es nicht so läuft wie erwartet, gibt es im Welschland hinterher einen Grund zur Polemik. Aber keinen Grund zu seriöser Kritik: Patrick Fischer hat bei seinem Aufgebot alles richtig gemacht. Oder gilt der Einwand: Ist nicht auch Denis Malgin ein Schillerfalter? Nein. Er stürmt zwar mit der Eleganz eines Schillerfalters. Aber anders als Théo Rochette hat er in mehr als 250 NHL-Partien bereits bewiesen, dass er rumpelfest ist. Und ein Leitwolf ist er auch.

Das Aufgebot der Schweiz:
Tor: Reto Berra (HC Fribourg-Gottéron), Leonardo Genoni (EV Zug), Akira Schmid (Vegas Golden Knights)
Verteidiger: Tim Berni (Genève-Servette HC), Michael Fora (HC Davos), Andrea Glauser (HC Fribourg-Gottéron), Roman Josi (Nashville Predators), Dean Kukan (ZSC Lions), Christian Marti (ZSC Lions), Janis Moser (Tampa Bay Lightning), Jonas Siegenthaler (New Jersey Devils)
Stürmer: Sven Andrighetto (ZSC Lions), Christoph Bertschy (HC Fribourg-Gottéron), Kevin Fiala (Los Angeles Kings), Nico Hischier (New Jersey Devils), Ken Jäger (Lausanne HC), Simon Knak (HC Davos), Philipp Kurashev (San Jose Sharks), Denis Malgin (ZSC Lions), Timo Meier (New Jersey Devils), Nino Niederreiter (Winnipeg Jets), Damien Riat (Lausanne HC), Sandro Schmid (HC Fribourg-Gottéron), Pius Suter (St. Louis Blues), Calvin Thürkauf (HC Lugano)

Alles klar? Kein Problem? So einfach ist die Sache für Patrick Fischer dann doch nicht. Ja, er hat ein perfektes Olympia-Aufgebot gemacht. Und doch ist es eines mit Tücken. Die olympische Schicksalsfrage steht nämlich nicht auf dem Aufgebots-Blatt. Sondern zwischen den Pfosten. Dort, wo das Turnier sich verdichtet, wo Sekunden zu Ewigkeiten werden und ein einziger Fehler alle Hoffnungen auslöschen kann. Die Frage: Wer wird die Nummer eins im Tor?

Vegas Golden Knights goalie Akira Schmid makes a save during the second period of an NHL hockey game against the Chicago Blackhawks, Sunday, Jan. 4, 2026, in Chicago. (AP Photo/Paul Beaty)
Golden Knig ...
NHL-Goalie Akira Schmid ist erstmals bei den Olympischen Spielen dabei.Bild: keystone

Auf der einen Seite Akira Schmid (25), der Mann der Zukunft, der aufstrebende Titan aus der NHL, aber noch nie an einem Titelturnier die Nummer 1. Auf der anderen Seite Leonardo Genoni (38). Erinnerungen haben ihm nach 2018 und 2022 das dritte Olympia-Aufgebot beschert. Sein Mythos lebt. Der WM-Silberheld von 2018, 2024 und 2025, bei der letzten WM mit Lob und Preis überhäuft: Bester Torhüter des Turniers und MVP. Mehr geht nicht.

In der aktuellen Meisterschaft sind sechs Goalies statistisch besser als er und die Krise beim EV Zug vermag auch er noch nicht zu beenden. Reto Berra, gleich alt wie Leonardo Gennoni, ist der dritte Mann. In der Meisterschaft der konstanteste, beste Torhüter. Aber er wird, wenn alles in geordneten Bahnen läuft, in Mailand keine Rolle spielen. Wenn er auf einmal die Nummer 1 sein sollte, dann gibt es wohl keinen olympischen Ruhm. Wer mag, kann kritisieren: Warum ist nicht Stéphane Charlin (25) der dritte Mann? Turniererfahrung täte ihm gut. Neben Akira Schmid ist er der Mann der Zukunft. Aber das ist nur eine Randnotiz.

Leonardo Genoni hat Patrick Fischer eigentlich noch nie enttäuscht. Genoni gut, alles gut. Und als der Nationaltrainer im WM-Viertelfinal 2023 gegen Deutschland nicht Leonardo Genoni, sondern Robert Mayer, 2023 Meister und Mann der Stunde, vertraute, war die Folge eine der bittersten Niederlagen seiner Karriere.

Alles läuft auf diese eine Frage hinaus: Akira Schmid oder Leonardo Genoni? Vielleicht beginnt Patrick Fischer das Turnier mit Genoni, weil Vertrauen und Vergangenheit schwerer wiegen als NHL-Tauglichkeit. Vielleicht endet es mit Schmid, weil sich in den drei Vorrunden-Partien zeigt, dass die ruhmreichste Ära unserer Hockey-Geschichte – die Ära Genoni – zu Ende geht und eine neue beginnt. Das ist der Vorteil: In den drei ersten Partien (die erste am 12. Februar gegen Frankreich) entscheidet sich nur, ob die Schweizer direkt in den Viertelfinal kommen oder den Umweg über die Qualifikation nehmen müssen.

Für die Schweizer gilt bei einem Titelturnier auch mit allen NHL-Stars. Ein guter Torhüter ist nicht alles, aber ohne guten Torhüter ist alles nichts.

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68 Kommentare
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Hallo22
07.01.2026 21:58registriert Oktober 2016
Bei Rochette übersehen viele welche Position er spielt. Rochette ist gelernter Center. Mit Hischier, Suter und Malgin sind bereits die Top 3 Center-Positionen besetzt. Da Rochette nicht zum Viertliniencenter taugt, müsste man einen aus dem Quartett auf Flügel auflaufen lassen. Dazu kommt, das Kurashev auch Center kann. Die einzige Frage ist, was wenn Suter noch verletzt ist? Kann man dan nachnominieren? Rochette wäre dann sicherlich ein Kanditat...
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re-spectre
07.01.2026 21:40registriert Dezember 2019
Ein Schillerfalter in Maximalform könnte eine solide Kämpfertruppe durchaus komplettieren. Bei der Torhüter Auswahl sehe ich eher weniger das Problem. Die Defensive scheint mir bei Einhaltung des konsequenten Einsatzes mit kühlem Kopf sehr stark, obwohl auf zusätzliche Weltklasse (Bichsel) verzichtet wird, um die Empfindlichkeiten des Trainers nicht noch mehr zu reizen. Aber auf Rochette in seiner Killerform zu verzichten nur wegen angeblich fehlender Beständigkeit gegenüber NHL-Rambos finde ich taktisch unklug, und wird bei Torflaute auch auf Fischers Qualifikation und Zukunft Einfluss haben.
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Walt White
07.01.2026 20:09registriert November 2015
„Keine Gründe für eine Polemik“
Doch, die gibt es, Reto Berra.
An der letzten WM zur Regeneration beurlaubt und nun wieder aufgeboten. Er müsste eigentlich, bei gleicher Anwendung des Bichsel Massstabes, bis weit nach seinem Karrierenende eine Aufgebotssperre erhalten.
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