SRF-Moderator Schmitz über Fischer-Recherche: «Kann Konsequenzen nicht beeinflussen»
Für die meisten war die Nachricht am Montag eine Überraschung. Doch dass Patrick Fischer für die Olympischen Spiele 2022 ein gefälschtes Covid-Zertifikat gekauft hatte, wusste Pascal Schmitz seit Mitte März. Der Moderator und Inlandreporter von SRF plante eigentlich ursprünglich einen «10vor10»-Beitrag über Fischers unkonventionelles Vorgehen, wie er in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger berichtet. Doch mit der Beichte Fischers wurden die Pläne über den Haufen geworfen.
«Wir haben direkt nach dem Dreh intern zu diskutieren begonnen. Wir sind schnell zum Schluss gekommen, dass wir Fischer und den Verband damit konfrontieren müssen», sagt er im Nachhinein. Dabei sei man immer transparent geblieben. «Wir haben Patrick Fischer und den Verband konfrontiert mit den Fragen, die sich dann neu gestellt haben, aus dieser Covid-Zertifikatsfrage. Darauf wollten sie nicht eingehen. Dann ist unsere Recherche losgegangen.»
Beleidigungen von Massnahmenkritikern
Schliesslich sei der Verband am Montagvormittag darüber informiert worden, dass der Fall publik gemacht werde. Für die Fragen wurde ein zweitägiges Zeitfenster eingeräumt. Doch schon am Montagabend postete Fischer selbst seine Beichte. «Das hatten wir als Möglichkeit schon im Kopf gehabt. Wir konnten dann noch am selben Abend darlegen, dass das nicht aus freien Stücken geschah, sondern nachdem wir ihn konfrontiert hatten.»
Das Vorgehen wurde bei SRF zuerst im Inlandressort, schliesslich auch mit Chefredaktor Tristan Brenn besprochen. Dass der Fall publik gemacht wurde, stösst Fischer-Fans sauer auf. Beim SRF sind laut Persönlich rund 170 Meldungen eingegangen, Schmitz selbst wurde auf Social Media teils heftig beschimpft und beleidigt, besonders aus Kreisen von Corona-Massnahmenkritikern.
Trotzdem sagt der SRF-Journalist im Interview mit dem «Tages-Anzeiger», dass er wieder gleich vorgehen würde. «Hätten wir die Information für uns behalten, hätten wir uns mitschuldig gemacht, wenn die Sache auf anderem Wege ans Licht gekommen wäre. Wir wären Mitwissende, die nichts unternommen haben, und damit auch irgendwo Günstlinge des Verbandes und von Fischer.»
Schliesslich sei es seine Aufgabe, solchem Wissen nachzugehen und den Menschen die Möglichkeit für eine Stellungnahme zu bieten. «Es ist nicht meine Verantwortung, was daraus passiert. Ich kann die Konsequenzen nicht beeinflussen.» Dass Fischer nun kurz vor der Heim-WM seinen Trainer-Job verloren hat, sei nicht sein Ziel gewesen, sagt Schmitz im Interview. «Es war einfach mein Job.» (vro)
