Sport
Eishockey

Patrick Fischer: Darum verriet SRF den Nati-Trainer

Patrick Fischer, Headcoach SIHF, rechts, spricht mit Maskottchen Cooly, links, bei einem Interview mit der SRG bei der Enthuellung der Tissot Countdown Uhr fuer die IIHF Eishockey WM 2026 in der Schwe ...
Patrick Fischer bei einem Interview mit SRF.Bild: keystone

Deshalb wollte das SRF die Straftat von Patrick Fischer öffentlichmachen

Ein vertrauensvolles Gespräch wird Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer zum Verhängnis. Sein Fall wirft auch die Frage auf, ob das Schweizer Fernsehen dabei eine rote Linie überschritt.
15.04.2026, 17:4016.04.2026, 13:39
simon häring, françois schmid-bechtel / ch media

Vor über vier Jahren fälschte Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer ein Corona-Impfzertifikat, um an die Olympischen Spiele 2022 in Peking zu reisen. Ein Jahr später wurde er wegen Urkundenfälschung verurteilt und mit einer Busse über 40'000 Franken belegt, wie aus einem Strafbefehl hervorgeht. Ausgelöst hatten Fischers Geständnis Recherchen von SRF.

Wobei man die Rolle des öffentlich-rechtlichen TV-Senders kritisch sehen darf: Fischer stellte sich vor der Eishockey-WM in Zürich und Freiburg (ab dem 15. Mai) für Dreharbeiten zur Verfügung. In deren Rahmen geriet er ins vertrauensselige Plaudern und erzählte einem SRF-Journalisten, dass er wegen einer Fälschung eines Covid-Zertifikates verurteilt worden sei.

Switzerland's head coach Patrick Fischer during the Euro Hockey Tour game between Switzerland and Finland, at the Swiss Life Arena in Zurich, Switzerland, Sunday, December 14, 2025. (KEYSTONE/And ...
Fischer fälschte ein Covid-Zertifikat.Bild: keystone

Strafbefehl längst nicht mehr öffentlich

SRF schreibt auf Anfrage von CH Media, man habe den Strafbefehl im Rahmen der Recherche von der Luzerner Staatsanwaltschaft erhalten. Dazu muss man wissen: Sind Strafbefehle rechtskräftig, können sie nur während 30 Tagen öffentlich eingesehen werden.

Der Strafbefehl gegen Fischer, der auch CH Media vorliegt, ist auf den 21. Juli 2023 datiert. Heisst konkret: SRF musste die Herausgabe mittels Gesuch bei der Staatsanwaltschaft aktiv erwirken.

Das legt den Schluss nahe: Das Schweizer Fernsehen hat Patrick Fischers Vertrauen im Rahmen der Dreharbeiten ausgenutzt und die Information dafür verwendet, die Straftat (Urkundenfälschung) öffentlich zu machen.

Darf man das?

Welche Rolle spielten Sports Awards?

Die Antwort ist nicht eindeutig und hängt auch von den Abmachungen zwischen SRF und Fischer sowie dem Kontext ab. Dazu wollte sich der TV-Sender zunächst nicht äussern. Entscheidend ist dabei, ob Fischer «off the record» gesprochen, die Information explizit als nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, gegeben hat. Eine Publikation wäre in diesem Fall nur dann zulässig, wenn ein «überwiegendes öffentliches Interesse» daran besteht.

Diesen Standpunkt vertritt SRF. Es schreibt auf Anfrage: «Es handelt sich um eine rechtskräftig festgestellte Straftat, die eine Person in öffentlicher Funktion begangen hat.» Das habe man nicht verschweigen können.

Am Mittwochabend äusserte sich der SRF-Journalist, der seit 13 Jahren auch Stadionspeaker bei den SC Rapperswil-Jona Lakers ist, in der Sendung «10vor10» . Er sagt: «Fischer erzählte während der Mittagspause ungefragt, dass er ein gefälschtes Covid-Zertifikat bestellt hat.» Dies im Beisein eines Kameramanns und des Mediensprechers des Eishockeyverbands.

Wobei der Zeitpunkt der Publikation Fragen aufwirft. Wie Recherchen von CH Media zeigen, hatte SRF schon seit mehreren Wochen Kenntnis vom Strafbefehl. Und damit vor den Sports Awards vom 29. März, in deren Rahmen Fischer als Trainer des Jahres 2025 gekürt wurde. Die Ergebnisse der Wahl in dieser Kategorie lagen schon seit Anfang Jahr vor.

Patrick Fischer (Eishockey) erhaelt den Preis Trainer des Jahres 2024 an der Verleihung der Sports Awards 2024, aufgenommen am Sonntag, 4. Januar 2025 in den Studios von SRF in Zuerich. (KEYSTONE/Enni ...
Vor wenigen Wochen wurde Fischer zum Trainer des Jahres 2025 gekürt. Bild: KEYSTONE

Fischer griff SRF-Sendung vor

SRF dementiert, dass dies eine Rolle gespielt hat und schreibt: «Es wurde nicht bewusst zugewartet.» Damit bis nach der Eishockey-WM zu warten, sei ebenfalls keine Option gewesen. «Das hätte bedeutet, eine relevante Information für die Öffentlichkeit zurückzuhalten», argumentiert SRF.

Auf die Frage, seit wann man Kenntnis vom Strafbefehl hatte, geht der Sender nicht ein. SRF wollte den Beitrag am Mittwoch wohl im Rahmen der Sendung «Rundschau» ausstrahlen und konfrontierte Fischer und den Eishockeyerband am Montagvormittag mit den Dokumenten. Fischer ging daraufhin selber an die Öffentlichkeit und griff dem SRF-Beitrag damit vor.

Video: watson/nina bürge

Fischer war bereits vorbestraft

In seiner Stellungnahme sagt Fischer: «Bis auf diesen Vorfall habe ich mich immer ans geltende Recht gehalten.» Auch das ist falsch, wie Recherchen offenbaren: Fischer wurde im März 2020 zu einer bedingten Geldstrafe in Höhe von 11'000 Franken verurteilt. Diese wurde 2023 widerrufen, «weil der Beschuldigte während der Probezeit erneut straffällig geworden ist und ihm daher keine günstige Prognose gestellt werden kann». Dabei handelte es sich um eine Geschwindigkeitsübertretung, wie der Verband sagt.

Ob der Beitrag, während dessen Dreharbeiten sich Fischer äusserte, ausgestrahlt wird, ist fraglich. SRF äussert sich zum Termin nicht konkret und schreibt dazu nur: «Wir sind aktuell an weiteren Recherchen.»

Am Ende geht es nicht nur um Patrick Fischers Fehlverhalten. Die Affäre rückt auch die Methoden des Schweizer Fernsehens in den Fokus: Fischer vertraute dem Sender – und bezahlt dafür nun den Preis.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Spengler-Cup-Sieger im neuen Jahrtausend
1 / 26
Die Spengler-Cup-Sieger im neuen Jahrtausend

2025: Davos ist wieder alleiniger Rekordsieger am Spengler Cup. Im Endspiel setzen sich die Gastgeber gegen die US Collegiate Selects mit 6:3 durch.

quelle: keystone / melanie duchene
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So krass freuten sich die Dänen über den Eishockey-WM-Halbfinaleinzug
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
117 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Rowf
15.04.2026 18:00registriert April 2026
Nicht SRF hat beschissen, sondern der zu entlassende Fischer !
29968
Melden
Zum Kommentar
avatar
Big_Berny
15.04.2026 18:00registriert April 2014
Sorry, aber SRF hat einen Öffentlichkeitsauftrag und natürlich sollte es solche Dinge, wenn es davon weiss, veröffentlichen. Dieselben Medien, die das jetzt kritisieren, hätten im umgekehrten Fall genauso kritisiert, wahrscheinlich sogar deutlich mehr.
25139
Melden
Zum Kommentar
avatar
Barbärner
15.04.2026 17:55registriert Februar 2019
Uiii jetzt macht ihr den Täter zum Opfer?! Hört blos auf damit! SRF hat richtig gehandelt und Fischer gehört sofort abgesetzt wenn er nicht endlich selbst den Hut nimmt!
27265
Melden
Zum Kommentar
117
Servette Chênois gewinnt mit 2:0 gegen die YB-Frauen den dritten Meistertitel
Die Fussballerinnen von Servette Chênois sind zum dritten Mal Meister der Women's Super League. Nach dem 2:1 im Hinspiel gewinnen sie gegen YB auch zuhause in Genf mit 2:0.
Im Stade de Genève kam am Freitagabend vor gut 5800 Zuschauern keine Spannung mehr auf. Bereits in der 3. Minute duschte Magdalena Sobal die Hoffnungen der Bernerinnen auf ein Comeback eiskalt. Die polnische Stürmerin setzte sich im Strafraum geschickt durch und traf bereits zum 1:0. Spätestens nach dem 2:0 durch die Spanierin Paula Serrano in der 18. Minute lag ein Exploit nicht mehr drin.
Zur Story