Goaliebehinderung? Nicht genommene Challenge kostete Zug wohl den Sieg zum Playoff-Auftakt
Davos war auf bestem Weg, das Auftaktspiel in der Playoff-Viertelfinalserie gegen den EV Zug wegzuschenken. Der souveräne Qualifikationssieger liess Powerplay-Chancen ungenutzt, spielte lange mit wenig Intensität und kassierte nach dem Anschlusstreffer zum 1:2 im Schlussdrittel nur eine Minute später das 1:3 der Zuger.
Doch der HCD gab nicht auf, powerte weiter und schaffte es am Ende mit drei Toren innert weniger als sechs Minuten, das Spiel noch vor dem Ende der regulären Spielzeit zu drehen. Michael Fora, Brendan Lemieux und Yannick Frehner trafen zum 4:3-Endstand.
Wie es scheint, hat am Ende eben auch Zug Geschenke gemacht. Einerseits natürlich dadurch, wie die Zentralschweizer in der Schlussphase verteidigt haben. Andererseits aber auch mit einer unterlassenen Coach's Challenge – wie MySports-Schiedsrichterexperte Matthias Kehrli nach Spielschluss erklärte.
Konkret ging es um den Davoser Treffer zum 2:3 durch Michael Fora. Schon im Livebild war zu sehen, wie Zugs Goalie Leonardo Genoni sofort bei den Schiedsrichtern protestierte. Die Vermutung: Der EVZ-Keeper glaubte, die Scheibe im Chaos blockiert zu haben, ehe sie von den Davosern wieder hervorgestochert und von Fora dann über die Linie gedrückt wurde. Die Wiederholung zeigte jedoch, dass die Scheibe jederzeit spielbar und das Tor korrekt war.
Oder doch nicht? Schiri-Experte Kehrli sagt nein. Dabei geht es ihm nicht um das Gestochere bei Genonis Beinschoner, sondern um die Szene zuvor. «Rasmus Asplund geht direkt durch den Torraum auf Genoni und behindert ihn», erklärt Kehrli. Der Zuger Goalie verliere durch diese Aktion auch seinen Stock, habe keine Zeit, sich neu zu positionieren und die Davoser Chance abzuwehren. «Wäre da eine Coach's Challenge genommen worden, wäre diese erfolgreich gewesen», ist sich der frühere National-League-Schiedsrichter sicher.
Diese Coach's Challenge blieb jedoch auch nach Genonis Protesten aus. Vielleicht war das Beispiel von Christian Dubé noch irgendwo im Hinterkopf. Der Trainer des EHC Biel nahm im Play-In-Hinspiel eine Challenge, als der SC Bern auf 2:4 verkürzen konnte. Auch er vermutete eine Torhüterbehinderung, die Challenge war aber nicht erfolgreich. So blieb nicht nur das zweite Berner Tor bestehen, sondern Biel kassierte wegen der erfolglosen Challenge auch noch eine Strafe und dort ein weiteres Tor. Bern nahm den Schwung mit ins Rückspiel und kegelte die Seeländer in der ersten Play-In-Runde raus.
So aber blieb das Davoser Anschlusstor bestehen und alles war aufgegleist für die Wende. Das Momentum ist nun trotz einer über weite Strecken mässigen Leistung uneingeschränkt auf der Seite von Qualisieger Davos. Spiel 2 geht am Sonntagabend (ab 20 Uhr im watson-Liveticker) über die Bühne. (abu)
