Die grössten NHL-Enttäuschungen vor der Trade-Deadline – werden auch Schweizer gedealt?
In der NHL rückt die Trade-Deadline immer näher. Ab dem 6. März ab 21 Uhr (MEZ) sind keine Tauschgeschäfte mehr für die aktuelle Saison möglich. Die Teams müssen sich entscheiden, ob sie «Buyer» (Käufer) oder «Seller» (Verkäufer) sind. Käufer sind im Normalfall die guten Teams, die sich für die bald anstehenden Playoffs nochmals verstärken wollen, oder Teams, die im Kampf um die letzten Playoff-Plätze nochmals aufrüsten. Verkäufer sind Teams, die einige ihrer guten Spieler für Draft-Picks oder junge Talente verkaufen.
Jedes Jahr gibt es Teams, die unerwartet in die Verkäuferrolle rutschen, weil ihre Saison viel schlechter läuft als erwartet. Sie müssen ihren Plan überdenken und komplizierte Fragen beantworten, wie es weitergehen soll. Dieses Jahr sind es fünf Klubs, die deutlich unter den Erwartungen blieben und mit dem Playoff-Kampf nichts zu tun haben werden. Wir gehen auf ihre einzelnen Situationen ein.
New Jersey Devils
Einmal mehr spielen die New Jersey Devils mit ihren Schweizern Nico Hischier, Timo Meier und Jonas Siegenthaler eine enttäuschende Saison. Der Rückstand auf den letzten Wild-Card-Platz beträgt bereits jetzt elf Punkte. New Jersey wird ohne ein riesiges Wunder zum zweiten Mal innert drei Jahren die Playoffs verpassen.
Darum fordern die Devils-Fans nun nicht nur den Kopf von Trainer Sheldon Keefe, sondern auch jenen von General Manager (GM) Tom Fitzgerald. Der 57-Jährige hat das aktuelle Team mit all seinen Mängeln (fehlendes Skoring, keine Physis) aufgebaut und im Herbst ohne Not mit Goalie Jacob Markström verlängert. Der bereits 36-jährige Goalie spielt bislang eine schwache Saison (Fangquote 88,6 Prozent) und erhielt trotzdem eine Vertragsverlängerung bis 2028 dotiert auf jährlich sechs Millionen Dollar.
Vorerst bleibt Fitzgerald aber der Mann, der New Jersey aus dem Sumpf führen soll. Vor rund einem Monat kündigte er an, dass er «signifikante Veränderungen» herbeiführen und die Offensive der Devils verstärken möchte. Passiert ist seit dem Trade von Ondrej Palat zu den New York Islanders Ende Januar allerdings gar nichts mehr. Realistisch scheint momentan einzig, dass Verteidiger Dougie Hamilton noch irgendwohin verscherbelt wird. Dabei ginge es Fitzgerald aber eher darum, die 9-Millionen-Cap-Hit des Kanadiers loszuwerden und nicht darum, Draft-Picks oder Talente einzusammeln.
Anfang Februar gab es Spekulationen, dass die Minnesota Wild an Nico Hischier interessiert seien. Aber dass die Devils ihren Captain und einen der beliebtesten Spieler bei den eigenen Fans einfach abgeben, scheint sehr unwahrscheinlich. Auch ein Trade von Timo Meier und Jonas Siegenthaler scheint momentan unrealistisch, ganz einfach, weil ihr Trade-Wert noch nie so tief war wie gerade in diesem Moment.
Toronto Maple Leafs
In einer ähnlichen Situation wie New Jersey steckt auch Toronto. Ein Rückschritt war nach dem Abgang von Mitch Marner zwar erwartet worden, aber dass die Leafs nun schon neun Punkte Rückstand auf die Playoff-Plätze haben, kommt überraschend. Wie in New Jersey sind auch in Toronto sowohl Trainer (Craig Berube) als auch GM (Brad Treliving) in die Kritik geraten. Berube erreicht die Mannschaft offenbar nicht mehr. Und die Leafs-Fans warten seit Mitte Juli darauf, dass Treliving in irgendeiner Form auf die Krise reagiert.
Mittlerweile gilt ein sogenannter Retool als wahrscheinlichstes Szenario für Toronto. Bei diesem wird im Gegensatz zu einem vollen Rebuild nicht alles abgerissen, sondern die Mannschaft rund um den bestehenden Kern erneuert. Falls das tatsächlich der Plan von Treliving ist, dürften die Leafs an dieser Deadline einer der Seller sein und einige Spieler ausserhalb ihres Kerns verhökern.
Ein heisser Kandidat dafür ist Oliver Ekman Larsson. Der schwedische Verteidiger spielt bislang eine überzeugende Saison und insbesondere die Edmonton Oilers sollen Interesse zeigen. Gleiches gilt für Stürmer Bobby McMann, der in dieser Saison schon fast 20 Tore erzielt hat. Ein weiterer Name, der im Umlauf ist, ist Scott Laughton. Der Center ist bei den Leafs-Fans sehr beliebt. Aber wenn er ihnen noch den einen oder anderen Draft-Pick einbringt, könnten sie womöglich damit leben. Die Colorado Avalanche sollen Interesse zeigen.
Die Draft-Picks oder Prospects können sie entweder nutzen, um ihre Zukunft abzusichern, oder sie später selbst wieder für Verstärkungsspieler eintauschen.
New York Rangers
General Manager Chris Drury hat es geschafft, eine Mannschaft, die 2022 und 2024 noch im Conference Final stand, innert zwei Jahren komplett zu demontieren. Es begann im Dezember 2024, als Drury Captain Jacob Trouba zuerst öffentlich blossstellte und ihn dann zu den Anaheim Ducks tradete. Kaapo Kakko, der Nummer-2-Draft von 2019, wurde nur wenige Tage später zu den Seattle Kraken geschickt.
Die Rangers blieben aber unter den Erwartungen, auch als von den Vancouver Canucks Problemspieler J. T. Miller zum Team stiess. Im Sommer 2025 gab Drury mit Chris Kreider die nächste Team-Legende ab – zum Missfallen der eigenen Fans. Kurz darauf musste auch der talentierte Verteidiger K'Andre Miller dran glauben. Und kurz vor der Olympia-Pause tradete der Rangers-GM auch noch Artemi Panarin weg. Die Ausbeute in all diesen Tauschgeschäften war mickrig.
So bleiben die New Yorker auch in dieser Saison eine Enttäuschung. Mit nur 53 Punkten sind sie auf dem letzten Platz der Eastern Conference, die Playoffs sind mit 18 Punkten Rückstand quasi unerreichbar. Die Rangers-Fans müssen daher mit weiteren Verkäufen rechnen. Heissester Trade-Kandidat ist Vincent Trocheck – trotz einer No-Trade-Klausel, die zehn Teams beinhaltet. Der Center hat nach 45 Spielen 38 Punkte auf dem Konto und war als Defensivspezialist ein wichtiger Teil des US-Teams, das in Mailand Olympiagold gewonnen hat. Als Abnehmer werden die Minnesota Wild gehandelt, wo Trocheck mit seinen Olympiakollegen Quinn Hughes, Brock Faber und Matt Boldy wiedervereint wäre.
St. Louis Blues
Im vergangenen Sommer unterschrieb Pius Suter für zwei Jahre bei den St. Louis Blues. Damals hätte der Zürcher wohl noch nicht gedacht, dass der Stanley-Cup-Sieger von 2019 eines der schwächsten Teams der Liga sein würde. Mit 53 Punkten und zwölf Zählern Rückstand auf die Wildcard-Plätze sind die Playoffs für St. Louis kein Thema mehr. GM Doug Armstrong wird stattdessen erneut versuchen, durch einen Retool das Team neu zu positionieren.
Ganz zuoberst auf der Verkaufsliste steht Justin Faulk. Als rechtsschiessender Verteidiger dürfte der Routinier auf dem Markt besonders beliebt sein. Neben den Edmonton Oilers sollen auch die Detroit Red Wings interessiert sein. Aber die Blues haben viele weitere interessante Namen in ihren Reihen: Jordan Binnington, Brayden Schenn, vielleicht gar Robert Thomas oder Jordan Kyrou. Wie radikal Doug Armstrong die Trade-Deadline angehen wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.
Über Pius Suter gibt es hingegen noch kaum Trade-Gerüchte. Der 29-jährige Defensiv-Center könnte sicher so manches Playoff-Team verstärken. Angesichts seines Cap-Hits von 4,125 Millionen bis 2026 dürften andere Spieler aber interessanter sein.
Vancouver Canucks
Die schmerzhaftesten Abschiede haben die Vancouver Canucks wohl schon hinter sich. Im Januar 2023 gaben sie Bo Horvat an die New York Islanders ab. Im vergangenen Januar war es J. T. Miller, der zu den Rangers wechselte. Und im letzten Dezember der grosse Schock, als Captain Quinn Hughes zu den Minnesota Wild getradet wurde.
Mit aktuell 43 Punkten sind die Canucks das schlechteste Team der Liga und Hoffnung auf rasche Besserung gibt es kaum. Weil viele Stars schon in den letzten Monaten und Jahren verscherbelt wurden, hat Vancouver an der diesjährigen Deadline kaum mehr gewichtige Kandidaten. Evander Kane würde wohl gerne zu einem Stanley-Cup-Anwärter wechseln. Der Stürmer ist längst nicht mehr so produktiv wie zu seinen besten Zeiten, aber seine Physis könnte hinsichtlich der Playoffs für einige Teams interessant werden.
Und vielleicht gibt es ja auch noch einen Knaller mit Elias Pettersson – dem letzten Spieler mit Star-Potenzial im Kader der Canucks. Der Schwede war in den letzten Jahren allerdings bei weitem nicht gut genug, um sein Jahresgehalt von 11,6 Millionen Dollar (bis Sommer 2032) zu rechtfertigen. Es gibt nur wenige Teams – beispielsweise Detroit –, die eine solche Lohnsumme stemmen könnten.
