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Der Sportchef des EV Zug, Reto Klaey vor dem Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und dem SC Bern vom Samstag, 28. September 2019 in Zug. (PPR/Urs Flueeler).

Zug-Sportchef Reto Kläy wird für Spieler in der Fremde zum Vergolder. Bild: KEYSTONE

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Handwerk hat goldenen Boden – Zugs Sportchef macht die «Armen» reich

Ahnt Zugs Sportchef Reto Kläy, woran seine Mannschaft im Titelkampf scheitern könnte? Er kauft jedenfalls in den Transfer-Brockenstuben und nicht mehr in den Edel-Boutiquen ein. Glück für Langnau, dass Larri Leeger trotzdem um zwei Jahre verlängert hat.



Dem EV Zug fehlt es an einem guten Abend weder an Selbstvertrauen noch an Leidenschaft oder Tempo und Talent. Sie haben in dieser Saison sogar den Meister schon zweimal gebodigt.

Aber noch ist nicht jeder Abend ein guter Abend. Der «Transfersieger» – Sportchef Reto Kläy hat auf diese Saison den teuersten Torhüter (Leonardo Genoni) und den besten Skorer mit Schweizer Pass (Grégory Hofmann) eingekauft – ist noch weit davon entfernt, die Liga zu dominieren.

Die neuen Spieler des EV Zug mit Erik Thorell, Jan Kovar, Leonardo Genoni und Gregory Hofmann, von links, bei ihrem ersten Eistraining beim offiziellen Trainingsstart fuer die neue Schweizer Eishockey National League Saison 2019/ 2020 am Montag, 29. Juli 2019 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler).

Trotz Thorell, Kovar, Genoni und Hofmann – der EVZ ist noch kein absolutes Spitzenteam. Bild: KEYSTONE

Die Zuger haben weder die stabilste Verteidigung noch den feuerkräftigsten Sturm und auch nicht das beste Powerplay und das Unterzahlspiel der Liga. Aber immerhin am meisten Tore in Unterzahl erzielt. Oder wie es die Nordamerikaner sinngemäss sagen: Alle Werkzeuge sind vorhanden, nun müssen sie in der Werkzeugkiste richtig eingeordnet werden. Zurzeit herrscht schon noch etwas Unordnung in der Zuger Hockey-Werkzeugkiste.

Vor allem die defensive Stabilität gibt zu Sorgen Anlass: Die Zuger haben bisher zu viele Tore kassiert (51). Nur noch der SCB (65), die Lakers (58), Ambri (54) und Lausanne (52) sind defensiv weniger solid. Aber alle vier haben schon zwei Spiele mehr bestritten.

Wenn die Zentralschweizer eine meisterliche, mit dem SCB vergleichbare Dynastie aufbauen wollen, dann müssen sie defensiv viel solider werden. Für mehr defensive Stabilität brauchen sie nicht noch mehr spielerischen Tingeltangel, Talent und Tempo. Sondern solides Handwerk. Und genau das hat Sportchef Reto Kläy in den letzten Wochen gesucht. Er konnte weitgehend in Ruhe arbeiten.

Es geht um unspektakuläre Transfers. Und ungewollt ist er dabei ein Wohltäter geworden. Bei der letzten Transferoffensive hatte er Stars eingekauft (wie Leonardo Genoni und Grégory Hofmann) und mit seinen Offerten die Reichen mit auslaufenden Verträgen noch reicher gemacht. Wer nicht nach Zug wechselte und blieb, wo er war, konnte dank Reto Kläys Offerte den Lohn bei der Verlängerung ordentlich erhöhen.

Zug's forward Lino Martschini #46 celebrates his goal with teammates defender Jesse Zgraggen, 2nd left, forward Gregory Hofmann, 3rd right, center Jan Kovar #43, of Czech Republic, and defender Miro Zryd, right, past Geneve-Servette's forward Guillaume Maillard, left, after strong the 0:1, during a National League regular season game of the Swiss Championship between Geneve-Servette HC and EV Zug, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, October 29, 2019. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Grégory Homann trifft und trifft, doch noch greifen beim EVZ nicht alle Rädchen ineinander. Bild: KEYSTONE

Und nun sind diese Saison die «Armen» dran. Arm natürlich in Anführungszeichen. Im Rahmen seiner defensiven Stabilitäts-Bemühungen für nächste Saison hat Zugs Sportchef erst einmal mit seinem Angebot Zürichs Defensivverteidiger Phil Baltisberger (23) zu einer schönen Aufbesserung der finanziellen Verhältnisse verholfen: Um den drohenden Abgang nach Zug zu verhindern, hat ZSC-Sportchef Sven Leuenberger Phil Baltisbergers Vertrag gleich um vier Jahre bis 2024 verlängert. Einst wurden nur Topskorer bei Verhandlungen so zuvorkommend behandelt.

Auch Claude-Curdin Paschoud (23) konnte in Davos oben bei den Vertragsverhandlungen das Interesse von Reto Kläy gewinnbringend einsetzen und zu besseren Bedingungen bis 2022 prolongieren. Sportdirektor Raeto Raffainer ist jedenfalls froh, dass es ihm gelungen ist, den Nationalverteidiger zu halten.

Larry Leeger ist inzwischen 33 Jahre alt geworden. In 333 NL-Spielen hat er 12 Tore erzielt. Ein paar Operetten-Länderspiele machen ihn noch nicht zum internationalen Star und bei Gottéron ist er einmal schon während einer laufenden Saison ausgemustert worden.

Sein Vertrag in Langnau läuft Ende Saison aus. Nun konnte er auch dank Reto Kläys Transfer-Aktivitäten bei den SCL Tigers zu besseren Bedingungen um zwei Jahre bis 2022 verlängern. Dafür folgt sein Kamerad Claudio Cadonau (31) dem Lockruf des Geldes: Er wechselt nach der Saison mit einem Zweijahresvertrag nach Zug.

Ein schöner Karriereherbst für den Zürcher, der einst für den ZSC nicht gut genug war, bei Biel aussortiert (2015) und über den Umweg Langenthal in Langnau wieder in die höchste Liga zurückgekehrt ist. Noch vor sieben Jahren waren solide Handwerker in seinem Alter wie er froh, wenn sie überhaupt in der höchsten Liga einen Vertrag bekamen und von einem Engagement bei einem Spitzenteam wagten sie schon gar nicht zu träumen.

Reto Kläy ist ja nicht der einzige Sportchef eines Spitzenklubs, der gute Handwerker sucht. Kürzlich hat ZSC-Sportchef Sven Leuenberger den Zugern Johann Morant (32) ausgespannt. Und SCB-Sportchef Alex Chatelain ist in Zug fündig geworden: nebst Nationalverteidiger Miro Zryd (24) soll der sanfte Riese Thomas Thiry (22 und 98 Spiele/3 Tore) nach Bern kommen, um ab nächster Saison die lottrige Abwehr zu stabilisieren.

Zugs Thomas Thiry, links, im Spiel gegen Berns Gaetan Haas, rechts, im vierten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Donnerstag, 18. April 2019, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Wechselt Thomas Thiry (l.) bald die Fronten? Bild: KEYSTONE

Die neue Wertschätzung für die soliden Handwerker hat etwas mit der Entwicklung des Hockeys zu tun. Das Spiel wird schneller, spektakulärer und zugleich wird der «Infight» vor den Toren intensiver. Einerseits versuchen die Stürmer, den Goalie aus dem Konzept zu bringen und andererseits setzen die Verteidiger alles daran, diese Störenfriede wegzudrängen und die Schuss- und Passlinien zu blockieren. Wer das kraftvoll, leidenschaftlich, diszipliniert, mutig und schlau nach einem vorgegebenen System vermag und darüber hinaus auch noch einen ordentlichen ersten Pass spielen kann, steht bei den Sportchefs und Trainern hoch im Kurs.

Spieler werden also längst nicht mehr nur nach Skorerpunkten und Spektakelszenen beurteilt. Längst haben die Sportchefs erkannt, wie wichtig auch die Ergänzungsspieler, die Handwerker sind und differenzierte Statistiken ermöglichen es, ihren Wert ziemlich gut zu erfassen.

Handwerk hat auch im Eishockey goldenen Boden.

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