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Davos Trainer Arno Del Curto beim ersten Playoff-Finalspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos am Donnerstag, 2. April 2015, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Will bei seiner Aussage über Jürgen Klopp falsch verstanden worden sein: Arno Del Curto. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

«Ich werde Jürgen Klopp wohl schreiben und mich entschuldigen»

HCD-Kulttrainer Arno Del Curto (58) über die starke Reaktion seines Teams im zweiten Finalspiel (5:2), seine Kritik an Jürgen Klopp und seine Abneigung gegen öffentliche Auftritte.



Wie war diese starke Reaktion nach dem 0:3 im ersten Spiel in Zürich möglich?
Arno Del Curto: Wir waren schon im ersten Spiel nicht so schlecht. Im ersten Drittel waren wir ebenbürtig. Aber alle haben von unserer Schwächephase im zweiten Drittel, als wir das 0:1 und das 0:2 kassierten, und vom letzten Drittel, als eigentlich alles entschieden war, geschrieben und gesprochen. Und es gibt noch etwas, das ich eigentlich nicht glauben will, aber offenbar doch eine Rolle spielt.

Was wäre das?
Es ist keine Ausrede. Aber es ist offenbar doch so, dass es eine Rolle spielt, wenn man eine längere Ruhepause hatte als der Gegner. Wir brauchten nach unserer neuntägigen Pause einfach Zeit, um ins Spiel zu kommen (die ZSC Lions hatten lediglich fünf Tage Pause – die Red.).

Sind Sie überrascht von der starken Leistung im zweiten Spiel?
Nein. Eine Reaktion auf eine Niederlage ist nur normal. Es war wirklich ein sehr gutes Spiel. Wir hätten vielleicht noch etwas ruhiger und präziser spielen können, aber es war wirklich ein gutes Spiel, es war wie ... wie … wie soll ich sagen, wie …

… wie NHL?
... das haben Sie gesagt, nicht ich. So einen Vergleich darf ich mir nicht anmassen. Ich bin schon genug ins Fettnäpfchen getreten.

Aber noch nicht in diesen Playoffs.
Doch. Ich mache im Interview mit der NZZ ein paar Bemerkungen zu Jürgen Klopp und schon gibt es daraus eine Story auf Bild.de.

Das ist Del Curtos Aussage über Jürgen Klopp:

«Letztlich muss jeder selber lernen zu verlieren, aber auch lernen zu gewinnen, ohne dabei abzuheben. Schauen Sie das Beispiel des Dortmund-Trainers Jürgen Klopp an: Er liess seine Mannschaft so grossartig spielen. Dann wurde er grösser als sein Team. Dass die Spieler davon früher oder später die Schnauze voll haben, ist absehbar.» – «Ich gebe Interviews wie dieses. Das gehört zum Geschäft. Aber sonst? Wie oft sehen Sie mich in Fernsehsendungen oder in der Schweizer Illustrierten? Klopp war überall. Er ist gleich berühmt wie die Bundeskanzlerin. Das sehen die Spieler, und irgendwann kommt das zurück.»

Aber das ist doch nicht so schlimm.
Ja, eigentlich nicht. Und offenbar haben mir viele zugestimmt und wunderten sich, dass es einen Schweizer braucht, der gewisse Dinge sagt. Aber ich bin falsch verstanden worden. Das ist mir nicht recht.

Falsch zitiert?
Nein, nein. Aber ich werde falsch verstanden. Ich habe Jürgen Klopp doch nicht kritisieren wollen. Eigentlich wollte ich ihn nur schon lange einmal fragen, ob es nicht ein Problem für seine Spieler sei, dass er prominenter ist als die Bundeskanzlerin. Weil mich das einfach interessiert. Ich will das wirklich nicht als Kritik verstanden haben. Ich als kleiner Wicht würde es nie, nie, nie wagen, so einen grossartigen Menschen zu kritisieren. Ich werde ihm wohl schreiben und mich entschuldigen.

Aber eigentlich ist es ja bei Ihnen auch so. Sie sind viel bekannter als Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und Ihre Spieler.
Das kann man doch nicht vergleichen. In Deutschland sind die Politiker viel populärerer als bei uns. Ich will ja gar nicht in der Öffentlichkeit stehen und meine Spieler wissen das. Haben Sie mich je als TV-Co-Kommentator oder TV-Experte gehört?

Nein, nie.
Eben. Das mache ich nie. Ich kann doch nicht jene kritisieren, die das gleiche tun wie ich. Ich sage 50 Prozent, nein 75 Prozent, nein, was sage ich da, 90 Prozent der Medienanfragen ab. Ja, ich werde mich noch mehr aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Wenn die Playoffs vorbei sind, werde ich bis zum Spengler Cup nicht mehr in den Medien zu finden sein. Nur für den Spengler Cup. Weil ich das muss. Sonst werde ich alles absagen. Ja, wenn ich einmal wegen meines Berufes zu Interviews und öffentlichen Auftritten gezwungen werden sollte, dann höre ich auf.

Aber Sie können es drehen und wenden wie sie wollen: Sie sind nun mal eine der prominentesten Persönlichkeiten der helvetischen Zeitgeschichte.
Ach was, ich fühle mich als kleines A****loch und nicht als grosser, bedeutender Mensch.

Zurück zum Finale: Können Marc Wieser und Perttu Lindgren spielen?
Marc Wieser noch nicht. Er leidet immer noch an der Gehirnerschütterung aus dem ersten Spiel. Aber Lindgren spielt.

Wird Reto von Arx wieder dabei sein? Und wenn, als Stürmer oder Verteidiger?
Das weiss ich noch nicht. Ich werde erst in aller Ruhe nachdenken. Aber ich entscheide mich manchmal auch erst ganz spontan im allerletzten Moment. Manchmal habe ich auf einmal noch eine Erleuchtung ... und manchmal halt auch nicht.

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