DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
 210527 Gregory Hofmann of Switzerland celebrates the 7-0 goal during the 2021 IIHF Ice hockey, Eishockey World Championship, WM, Weltmeisterschaft game between Switzerland and Slovakia on May 27, 2021 in Riga. Photo: Simon Hastegard / BILDBYRAN / kod SH / SH0118 ishockey ice hockey ishockey-vm iihf ice hockey world championship switzerland schweiz slovakia day 7 bbeng jubel *** 210527 Gregory Hofmann of Switzerland celebrates the 7 0 goal during the 2021 IIHF Ice Hockey World Championship game between Switzerland and Slovakia on May 27, 2021 in Riga Photo Simon Hastegard BILDBYRAN kod SH SH0118 ishockey ice hockey ishockey vm iihf ice hockey world championship switzerland schweiz slovakia day 7 bbeng jubel, PUBLICATIONxNOTxINxSWExNORxAUT Copyright: SIMONxHASTEGARD BB210527SH039

Spielen wir gegen Deutschland «unser» Hockey? Bild: www.imago-images.de

Eismeister Zaugg

Welches Hockey wird nun gegen Deutschland gespielt?

Die Schweiz ist im Viertelfinal gegen Deutschland klarer Favorit – aber nur dann, wenn «unser» Hockey gespielt wird. Von den Schweizern wissen noch Patrick Fischer und Andres Ambühl wie es ist, die Deutschen dann zu besiegen, wenn es wirklich zählt.



Um es etwas überspitzt auf den Punkt zu bringen: die Schweizer fliegen an dieser WM. Die Deutschen gehen zu Fuss. Schweiz gegen Deutschland ist in einem gewissen Sinne immer auch ein wenig ein Kampf der Hockey-Kulturen. Erst recht in Riga. Die Schweizer haben das schnellste WM-Team ihrer Neuzeit. Offensiv sind sie ausgeglichener besetzt (und dadurch besser) als die WM-Silberteams von 2013 und 2018.

Das Spiel der Schweizer ist Tempo, Kreativität und Präzision.

Die Deutschen setzen mehr auf Kraft, Wucht und Geradlinigkeit. Drei von vier Linien sind langsamer als jene der Schweizer. Aber eher robuster.

Zuletzt hat es bei Titelturnieren – bei der WM 2010 in Mannheim im Viertelfinal und beim Olympischen Turnier 2018 im Achtelfinal - geheissen: Eishockey ist, wenn am Ende doch Deutschland gegen die Schweiz gewinnt. 2010 verlieren wir 0:1 und 2018 1:2 nach Verlängerung.

Wenig Tore, viele Strafen: 2010 endet der Viertelfinal gar mit einer vaterländischen Prügelei mit 121 Strafminuten und dem rauen, wehrhaften Riesen Timo Helbling als tapferen Helden.

ARCHIVBILD ZUM SDA-TEXT UEBER DEN EISHOCKEY WM-VIERTELFINAL DEUTSCHLAND VS. SCHWEIZ VON 2010 - Massenschlaegerei am Spielende im Viertelfinalspiel der Eishockey Weltmeisterschaft zwischen der Schweiz und Deutschland am Donnerstag, 20. Mai 2010, in der SAP Arena in Mannheim, Deutschland. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Die Massenschlägerei im Viertelfinal 2010. Bild: KEYSTONE

Wird wieder mehrheitlich Rumpelhockey gespielt, wird Hockey in erster Linie gearbeitet und nicht gespielt, dann sind die Deutschen im Vorteil.

Die Frage ist also: welches Hockey werden wir morgen im Viertelfinal sehen (15.15 Uhr)? Wenn die Schweizer ihr Tempospiel durchsetzen, wenn sie fliegen, wenn es eine Lauf- und Tempopartie gibt – dann ist das Vorrücken in den Halbfinal möglich.

Wenn hingegen so gespielt wird, wie es die Deutschen wollen, wenn der Spielfluss durch Zweikämpfe «gebrochen», wenn Eishockey gearbeitet wird, dann hat die Mannschaft von Patrick Fischer ein Problem.

Statistisch haben wir in Riga nicht das beste WM-Team nach der Gruppenphase. Bei der Silber-WM 2013 in Stockholm hatten wir alle sieben Vorrundenpartien gewonnen. 2018 reichte es in Kopenhagen nach drei Niederlagen in der Gruppenphase (gegen Tschechien, Russland und Schweden) am Ende doch für den Final. Und nun in Riga? Trotz zwei verlorenen Spielen (0:7 Schweden, 1:4 Russland) sind wir so gut wie noch nie in der Ära von Patrick Fischer, die mit der WM 2016 in Moskau begonnen hat.

Drei Punkte führen zu dieser positiven Beurteilung.

  1. Erstens ist die Mannschaft eine verschworene Einheit. Spielfreude und Leidenschaft sind offensichtlich. Was auch für die gute Stimmung (und damit eine gute Führung) steht: auf ein 0:7 gegen Schweden folgte ein 8:1 gegen die Slowakei. Nur grosse Mannschaften können auf so überzeugende Art und Weise reagieren.
  2. Zweitens haben die Schweizer die Gelassenheit und das Selbstvertrauen, das für die Grossen kennzeichnend ist. Früher hatten sie immer wieder grösste Mühe mit vermeintlich «Kleinen». Die Art und Weise, wie England im letzten Gruppenspiel besiegt worden ist (6:3) steht für diese neue Reife. Die Viertelfinalqualifikation war schon vor dieser letzten Partie gesichert. Die Deutschen mussten sich hingegen gestern den Viertelfinal im letzten Spiel gegen Lettland hart erkämpfen (2:1).
  3. Drittens war die Balance zwischen Offensive und Defensive wahrscheinlich noch nie so gut. Es ist das schnellste und offensiv ausgeglichenste WM-Team der Neuzeit. Nur Russland (28 Tore) hat in Riga bisher mehr Treffer erzielt als die Schweiz (27). Die Deutschen kommen auf 22 Tore.

Dass es eine Auseinandersetzung zwischen Talent und solidem Handwerk wird, zeigt ein Blick in die Statistik: Kein deutscher Stürmer hat mehr als drei Tore erzielt. Hingegen hat Grégory Hofmann sechsmal und Timo Meier viermal getroffen.

Aber eben: Die helvetische Offensive läuft nur, wenn es die Deutschen zulassen, dass «unser» Hockey gespielt wird.

P.S. Der letzte Sieg über Deutschland in einem WM-Spiel, das über Weiterkommen oder Ausscheiden ohne «wenn» und «aber» entscheidet, liegt recht lange zurück: am 4. Mai 2004 gewinnt die Schweiz in Prag die letzte Zwischenrundenpartie gegen Deutschland 1:0. Die Schweiz kommt in den Viertelfinal, die Deutschen müssen heimreisen und Nationaltrainer Hans Zach tritt zurück.

Zwei waren damals dabei, die auch am Donnerstag eine Schlüsselrolle spielen werden: Nationaltrainer Patrick Fischer und Andres Ambühl stürmten für die Schweiz.

Für Andres Ambühl ist Prag 2004 mit 20 die erste WM. Er kommt in sieben Partien auf zwei Punkte (1 Tor/1 Assists). Nun hat er in Riga 17 Jahre später in 7 Spielen schon 5 Punkte (alle Assists) gebucht.

Wir haben einen Scouting-Report aus der Saison 2003/04 gefunden. Schon damals ist sein Talent erkannt worden. Aber dass er 17 Jahre später noch besser sein würde, das konnten wir noch nicht ahnen …

Bild

bild: zvg


watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

1 / 71
NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden
quelle: keystone / fabrice coffrini
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

«Abstürzende Adler» – die besten Schweizer seit 1998 sind gescheitert

Ist es Leichtsinn? Ist es gar Hybris? Nein, es ist eine Laune der Hockeygötter. Die Schweizer verlieren einen WM-Viertelfinal gegen Deutschland nach Penaltys (2:3), den sie nie hätten verlieren dürfen. Weltmeister werden wir wieder nicht. Aber wir sind die Dramakönige der Hockeygeschichte.

Ach, es wäre so schön gewesen. Nur 43 Sekunden fehlten für den Halbfinal. Um zu zeigen, wie schmal der Grat zwischen Triumph und sportlicher Tragödie sein kann und wie gut die Schweizer bei dieser WM und in diesem Viertelfinal-Drama waren, machen wir hier kurz ein Gedankenspiel. Nach dem Motto: Was wäre wenn?

Also; hätten wir gewonnen, so wäre hier nun zu lesen:

«Unser Eishockey, unser Sieg, unser Halbfinal: Die Schweiz besiegt in einer der besten WM-Partien der Neuzeit Deutschland. Die Deutschen …

Artikel lesen
Link zum Artikel