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Marc Aeschlimann, hier 2019 noch beim HC Davos, steht bald für Langnau auf dem Eis.
Marc Aeschlimann, hier 2019 noch beim HC Davos, steht bald für Langnau auf dem Eis.Bild: KEYSTONE
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Langnaus kuriose Transfers – Stürmer für die Verteidigung

Langnau holt die Defensiv-Stürmer und offensiven Nullnummern Marc Aeschlimann von den ZSC Lions und Jan Neuenschwander vom SC Bern. Als Verstärkung für den Angriff. Was steckt hinter diesen kuriosen Transfers?
23.03.2022, 05:0623.03.2022, 13:41

Die SCL Tigers hatten diese Saison die zweitschwächste Offensive (129 Treffer) der Liga. Obwohl die drei ausländischen Stürmer Jesper Olofsson (7.), Alexandre Grenier (10.) und Harri Pesonen (15.) in der Liga-Skorerliste Spitzenränge belegen. Keine Frage: Die Langnauer brauchen mehr einheimische offensive Feuerkraft.

Aber die Transfers sind auf den ersten Blick wenig erbaulich: Von den ZSC Lions kommt Marc Aeschlimann (26) und vom SC Bern Jan Neuenschwander (29). Aeschlimann hat es bisher in Davos und Zürich auf 16 Tore in 341 Partien gebracht. Diese Saison hat er noch nicht getroffen. Neuenschwanders Bilanz mit Davos, den ZSC Lions, Biel und Bern ist etwas hoffnungsvoller: 29 Tore in 426 Partien. Aber nur noch 3 Treffer in den letzten 92 Spielen.

Sportchef Marc Eichmann hat einen Plan.
Sportchef Marc Eichmann hat einen Plan.Bild: keystone

Hinter diesen eigentlich kuriosen Transfers steckt ein Plan von Sportchef Marc Eichmann: Er versucht, die Defensive durch den Transfer von Stürmern zu stabilisieren. Die Plus/Minus-Bilanz seiner Schweizer Center war in der abgelaufenen Qualifikation geradezu verheerend: Captain Pascal Berger (-25) und Nolan Diem (-22). Was helfen formidable ausländische Stürmer, wenn die Schweizer nicht dazu in der Lage sind, die dritte und vierte Linie zu stabilisieren? Nichts. Das Motto dieser Saison: Hinten ist zerronnen, was vorne ward gewonnen.

Die SCL Tigers haben nicht die finanziellen Mittel, um auf dem Schweizer Markt Feuerkraft einzukaufen. Es reicht allenfalls, um Sven Bärtschi einmal im Sommer für einen Vortrag bei den Sponsoren einzuladen. Hingegen ist es möglich, treffsichere Stürmer auf den internationalen Transferwühltischen oder gar in den Boutiquen zu finden. Mit Harri Pesonen, Aleksi Saarela und Alexandre Grenier haben die Langnauer bereits drei hochkarätige ausländische Stürmer unter Vertrag. Wenn es nun gelingt, die Mannschaft mit Schweizern zu ergänzen, die zwar vorne nicht treffen, aber wenigstens hinten dicht halten – dann ist eine Verbesserung sehr wohl möglich.

Marc Aeschlimann, ein Sohn der Legende Jean-Jacques Aeschlimann, und Jan Neuenschwander haben das Potenzial, um als Mittelstürmer einen Fünferblock zu stabilisieren. Langnau transferiert also Stürmer für die Verteidigung. Da beide inzwischen in der Liga praktisch keinen Marktwert mehr haben, belasten sie das Budget nicht zu stark und gelten als defensive Geringverdiener. Sie kosten zusammen erheblich weniger als Captain Pascal Berger.

Langnaus wichtigster Transfer ist ohnehin Lausannes Torhüter Luca Boltshauser (26). Er ist Marc Eichmanns «Kaiser-Transfer». Dafür ist Langnaus Sportchef zu loben. Hingegen ist er für den Verzicht auf einen offensiven «Prinzen-Transfer» zu tadeln: Neu arbeitet auf Mandatsbasis der NHL-Scout Thomas Roost für die Langnauer. Er hat Marc Eichmann allerwärmstens den Transfer von Ian Derungs (22) empfohlen. Der «Zauberfloh» (174 cm/76 kg) ist der treffsicherste Stürmer in der Geschichte der zweithöchsten Liga: Er hat in 50 Qualifikationspartien diese Saison für Thurgau 37 Treffer erzielt und im Playoff-Viertelfinal gegen Langenthal in fünf Spielen nochmals fünf Tore nachgelegt. Darunter den Siegestreffer in der Verlängerung des 5. Spiels (zum 2:1), der Langenthals Saison beendet hat.

Er wäre der perfekte Schweizer Flügel neben Langnaus ausländischen Stürmern. Ein Experiment, bei dem die Langnauer nur gewinnen und nichts verlieren könnten. Aber Marc Eichmann sieht das nicht so. Vor drei Jahren arbeitete er noch als Torhütertrainer und Assistent von Sportchef Kevin Schläpfer beim SC Langenthal. Nach einer Saison im nordamerikanischen Juniorenhockey versuchte Ian Derungs ab Herbst 2019 zwei Jahre lang in Langenthal im Profihockey Fuss zu fassen und schaffte es nicht: Bloss 8 Tore in 87 Partien. Erst nach dem Wechsel zum HC Thurgau hat der Kunstschütze diese Saison den Durchbruch geschafft. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass Marc Eichmann und Kevin Schläpfer dereinst im Himmel der Hockeylegenden tagtäglich gefragt werden: Seit ihr die zwei Deppen, die das Talent von Ian Derungs nicht erkannt haben?

Aber eben: Langnaus Sportchef sucht ja Schweizer Stürmer für die Defensive. Nicht für die Offensive.

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Dan Rifter
23.03.2022 06:57registriert Februar 2015
Andere Theorie:
Sie müssen einfach nehmen, was sie kriegen können. Das Konzept wird dann entsprechend angepasst.

Spieler, die nicht mehr genügt haben, dürfen in Langnau jeweils nochmals 2-3 Jahre NLA spielen.
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