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Bern Goalie Leonardo Genoni laeuft in die Arena vor dem dritten Eishockey Playoff-Viertelfinalspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem Geneve-Servette HC am Donnerstag, 14. Maerz 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Leonardo Genoni muss den SCB gegen Biel retten – so einfach ist das

So schlimmes Minimalisten-Hockey hat der SCB dem Publikum noch nie zugemutet. Nicht einmal unter Guy Boucher. Und es gibt bange Frage: Wann beschliesst Leonardo Genoni, wieder ein Meistergoalie zu werden?



Es ist ein neuer Höhepunkt des unseligen SCB-Rechenschieber-Hockeys. Die flinken Bieler laufen den Bernern auf und davon und gewinnen den Auftakt zum Halbfinale in Bern 4:2.

Das Problem ist nicht so sehr die Niederlage. Die vermag der SCB zu korrigieren. Biel hat diese Saison kein Heimspiel gegen den SCB gewonnen und wartet in den Playoffs nach wie vor auf den ersten Heimsieg gegen den SCB. Die Statistik ist also tröstlich. Der SCB kann nach wie vor Meister werden. Und dann ist alles gut und das Publikum versöhnt. Denn der Sieger hat immer recht.

Anlass zu Kritik gibt nicht die Niederlage gegen Biel. Sondern die Art und Weise, wie der Qualifikationssieger dieses erste Spiel verloren hat.

ZUR ENTLASSUNG VON SCB TRAINER GUY BOUCHER STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Berns Trainer Guy Boucher im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem SC Bern, am Samstag, 12. September 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Guy Boucher Bild: KEYSTONE

Was der SCB seinem zahlenden Publikum seit der Weihnachtspause immer mehr zumutet, übertrifft selbst das, was die treusten Zuschauerinnen und Zuschauer einst unter dem defensiven Defensivcoach Guy Boucher zu erdulden hatte. Das Abenteuer mit dem NHL-General mündete damals im Frühjahr 2014 für den Titelverteidiger in der Abstiegs- bzw. Platzierungsrunde.

Diese Verwandlung eines Spiels in eine taktische Rechenübung schlägt sich inzwischen auch in den Zuschauerzahlen nieder.

2016 und 2017 war die erste Halbfinalpartie ausverkauft (17'031 Zuschauer). Vor einem Jahr kamen 16'669 und nun waren es bloss noch 16'435. Trotz ausverkauftem Gästesektor. Dieser leise, aber für die Hockey-Firma SCB gefährliche Abwärtstrend lässt sich nur noch mit Siegen stoppen.

Der SCB hat die Partie in den schlimmsten 25 Minuten dieser Saison verloren. Statt vor der grössten Zuschauerkulisse Europas zu spielen – also den Torerfolg zu suchen, dem Gegner das Spiel aufzuzwingen – verhindert der SCB in der Startphase den Ausbruch eines Spiels und wird im ersten Drittel auf einem Eis (!) dominiert (12:16 Torschüsse).

Die Bieler nützen die Passivität des hochdotierten Gegners zu sehenswertem «Designerhockey» mit schnellen, direkten Passfolgen, Tempo und viele Laufmeter von allen fünf Feldspielern.

Es ist ein Kulturschock. Biel zelebrierte modernes, dynamisches Hockey, Biel, wie es springt und stürmt und lacht. Die Berner verharren in einem vorgestrigen passiven Defensivhockey, die Taktik, die Einhaltung der Ordnung ist wichtiger als Improvisation. Sie arbeiteten (als Spiel kann man ihre Tätigkeit nicht bezeichnen) ohne Leidenschaft und Selbstvertrauen. Mit der Taktik ist es wie mit dem Speisesalz. Es ist wichtig. Aber zu viel macht das Spiel ungeniessbar.

Die Berner wartete einfach darauf, dass ihnen die Hockeygötter durch einen gegnerischen Fehler oder einen Zufall eine Chance offerieren.

Diese Wartezeit tut ihnen nicht gut. Beat Gerber, vor dem Spiel für seine 900 Partien für den SC Bern beglückwünscht, verliert bei der Spielverzögerung hinter dem eigenen Tor den Puck – 0:1. Eric Blum, einer der kreativsten, dynamischsten Verteidiger der Liga – aber nur, wenn man ihm seine Freiheiten lässt – findet einfach keinen freien Mitstreiter und verliert die Scheibe in der verzweifelten Vorwärtsbewegung in der neutralen Zone – 0:3 nach 21 Minuten und 27 Sekunden. Das ist alles logisch. Wer passiv ist, mehr auf den Fersen als auf den Zehen steht, macht mehr Fehler.

Berns Eric Blum verfolgt einen Spielzug von der Bande aus, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und die ZSC Lions, am Freitag, 1. Maerz 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Eric Blum Bild: KEYSTONE

Als weitere Chancen fast im Minutentakt folgen, nimmt Trainer Kari Jalonen sein Time-Out (27. Minute) und verhindert, dass die Mannschaft ganz auseinanderfällt. Und weil ein Tor in einem unberechenbaren Spiel auf einer rutschigen Unterlage immer fallen kann, steht es auf einmal 1:3. Weil es in einem Spiel mit Körperkontakt immer eine Strafe bzw. ein Powerplay geben kann, ist der SCB nach 36 Minuten und 53 Sekunden wieder im Spiel. Es steht nur noch 2:3.

Wer Energie aus der grössten Arena Europas gewinnen kann, für den ist es möglich, im letzten Drittel alle Versäumnisse nachholen, alles zu korrigieren, ein 2:3 doch noch in einen Sieg und ein Spiel in ein Spektakel zu verwandeln.

Aber dazu ist der SCB nicht willens und nicht fähig. Kari Jalonens Minimalismus, dieses kopflastige Hockey ist offenbar schon so sehr ein Teil der taktischen und spielerischen DNA der Berner, dass eine wuchtige Reaktion ausbleibt.

Aus dem statistischen Plus (11:5 Torschüsse im Schlussdrittel) resultieren viel zu wenig klare Abschlussmöglichkeiten. Die Angriffe werden zu wenig zielstrebig, wuchtig vorgetragen, die Intensität bleibt zu gering. Den wahren, grossen, seit Wochen vermissten SCB sehen wir während des ganzen Spiels nicht. Am Ende sind die Bieler fast verwundert, dass es so «ring» gegangen ist.

Cheftrainer ad interim Martin Steinegger verfolgt einen Spielzug im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions, am Freitag, 8. Dezember 2017, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Martin Steinegger Bild: KEYSTONE

Viel hängt davon ab, was Biel aus diesem gelungenen Auftakt macht. Der SCB kann Playoff, ja, Playoffs gehören zur Kultur dieses grossen, mächtigen Sportunternehmens. Die Bieler können Playoff noch nicht so gut. Sportchef Martin Steinegger sagt, vor einem Jahr seien nach dem Viertelfinalsieg gegen Davos die Energietanks im Halbfinale gegen Lugano leer gewesen. «Ich meine damit nicht Müdigkeit. Im Kopf waren wir leer. Playoffs bedeuten viele Spiele in kurzer Zeit und man muss das erleben, um damit umgehen zu können.»

Nichts deutet darauf hin, dass die Bieler ihren Sieg überschätzen. Sie wissen, zu welcher Reaktion der SCB fähig ist. Trainer Antti Törmänen macht nicht den Fehler, mit Sprüchen den Gegner zu reizen. Er sagt, er habe sich auf das Spiel seiner Mannschaft konzentriert, in der zweiten Pause sei es gelungen, die Mannschaft wieder zu ordnen und alles in allem ist er mit der Leistung zufrieden.

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Martin Steinegger sagt, dieser Sieg bedeutet lediglich, dass der SCB nun ein drittes Heimspiel habe. Da wird er von Zaungästen korrigiert: es sei keineswegs sicher, dass der SCB nun ein drittes Heimspiel bekomme. Biel könnte ja die Serie mit 4:0 gewinnen. Da muss der Sportchef denn doch lachen. Die Episode mag zeigen, wie gross der Respekt vor dem SCB nach wie vor ist. Und das spricht für Biel.

Aber kann der SCB reagieren? Kann der SCB doch noch Hockey spielen? Steht der wahre SCB doch noch auf? Oder kann der SCB tatsächlich nur noch Hockey verhindern? Das sind die grossen, aber nicht die entscheidenden Fragen.

Eine ganz andere Frage wird diese Serie entscheiden. Sie ist nach dieser ersten Partie gar nicht thematisiert worden. Die Frage nämlich, wann sich Leonardo Genoni dazu entscheidet, wieder ein Meistergoalie zu werden.

Nein, er ist nicht schuld an der Niederlage. Der SCB hat nicht wegen ihm verloren. Aber bei einem Torhüter mit seiner Klasse zählt etwas anderes: der SCB hat eben auch nicht dank ihm gewonnen. Die grossen Paraden («big saves»), den wahren Leonardo Genoni, haben wir noch nicht gesehenen.

Biels, Goalie Jonas Hiller, waehrend dem ersten Playoff Halbfinalspiel der National League, zwischen dem SC Bern und dem EHC Biel, am Dienstag 26. Maerz 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Jonas Hiller Bild: KEYSTONE

Er hat in dieser ersten Halbfinalpartie 90,62 Prozent der Schüsse abgewehrt, Jonas Hiller 94,44 Prozent. Der SCB kommt nur ins Finale, wenn Leonardo Genoni seine Fangquote auf über 93 Prozent steigert. Er muss den SCB gegen Biel retten. Kari Jalonen vermag es nicht mehr.

So einfach ist das.

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