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Eismeister Zaugg: Weshalb Olympia-Hockey nur für Machos besser ist

Referee Chris Rooney tries to separate players during a confrontation during the second period of the men's ice hockey gold medal game between the United States and Canada at the 2026 Winter Olym ...
Schiedsrichter Chris Rooney hält im Olympia-Final die NHL-Stars im Zaum.Bild: keystone
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Wiener Walzer statt Radetzky-Marsch und mehr Respekt für unsere Schiris

Nun wenden wir uns wieder dem einheimischen Hockey zu. Eine andere Sportart als zuletzt in Mailand.
24.02.2026, 04:2224.02.2026, 04:22

Mit unseren Schiedsrichtern sollten wir nach diesem Turnier gnädiger sein. Eishockey mit den Besten der Welt auf dem kleinen Eisfeld ist eine andere Sportart als das Spiel auf unseren vier Meter breiteren Eisbahnen. Auf die Musik übertragen: Die Intensität, das Tempo, der Rhythmus und die einfache Struktur des Hockeys in Mailand mahnen an den markanten Zweiviertel-Takt des Radetzky-Marsches von Johann Strauss senior.

Unser Hockey hingegen eher an den beschwingten Dreiviertel-Takt der weltberühmten Wiener Walzer («An der schönen blauen Donau») von Johann Strauss junior. So unterschiedlich die beiden Musikrichtungen, so sind doch beide in der gleichen Familie von Vater und Sohn komponiert worden. So unterschiedlich das Hockey in Mailand und nun in der National League auch sein mögen – es ist die gleiche Familie, die gleiche Sportart.

Welches Hockey ist besser? Die Frage ist so nicht zu beantworten: Der Olympia-Final war das intensivste, schnellste und rauste – und so betrachtet – das Beste der internationalen Hockeygeschichte. Unser Hockey ist hingegen beschaulicher, mehr Platz, mehr Zeit, mehr spielerische Schneckentänze, feinere Spielzüge. Und pro Meisterschaftsrunde nicht so viele Checks wie in einem Drittel im Olympiafinal.

Aber eben: Wer Walzer-Klänge mag, kann mit dem Radetzky-Marsch nichts anfangen und wer schmissige Marschmusik bevorzugt, verachtet Walzerfans als Weicheier. Es sind also zwei verschiedene Stilrichtungen. «Anders» ist als die Bezeichnung fairer als «besser». Aber weil Eishockey eine Macho-Kultur pflegt, gilt NHL-Hockey als besser.

Zwei Erkenntnisse aus dem Olympia-Final helfen nun in unserer Meisterschaft. Wann immer ein Stürmer eine sogenannt «hundertprozentige» Torchance verpasst – wenn also einer das Tor leer vor sich hat und der Goalie schon wehrlos auf dem Eis liegt – muss sich nie mehr Vorwürfe vom Trainer oder vom Sportchef machen lassen. Er kann seit Mailand sagen:

«Was dem MacKinnon recht ist, darf mir billig sein.»

Zur Erinnerung: NHL-Superstar Nathan MacKinnon hat im Final in der Schlussphase beim Stande von 1:1 den Puck nicht im leeren US-Tor untergebracht und so wohl Sieg und Gold für Kanada verpasst. Er verdient in acht Jahren gut 100 Millionen Dollar. Eine Dividende des Olympia-Finalspektakels ist die beste Ausrede der Geschichte für unsere Stürmer.

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Nathan MacKinnon vergab die goldene Chance im Olympia-Final.Bild: www.imago-images.de

Es gibt noch eine Erkenntnis aus dem Turnier mit den besten NHL-Profis, also den Besten der Welt. Sieben Head-Schiedsrichter aus der NHL waren im Einsatz. Also auch die Besten der Welt? Nein. Wir neigen dazu, dass alles, was aus der NHL kommt, reflexartig als besser zu betrachten. Die Ehrfurcht vor den drei Buchstaben ist tief in der DNA unserer Hockeykultur verankert.

Aber nicht nur Nathan MacKinnons klägliches Versagen im entscheidenden Moment des wichtigsten Spiels des prestigeträchtigsten internationalen Turniers zeigt uns, dass auch in der wichtigsten Liga der Welt doch nur mit Wasser gekocht wird. Dass auch in Nordamerika Eishockey ein unberechenbares Spiel auf rutschiger Unterlage ist, das selbst Multi-Millionäre nicht immer zu kontrollieren vermögen.

Noch deutlicher zeigt sich bei den Unparteiischen, das nicht alles Gold ist, worauf NHL steht. Waren die NHL-Zebras besser als unsere Schiedsrichter? Nein und Ja.

Nein, sie übersehen Regelwidrigkeiten (hohe Stöcke, illegale Checks, Behinderungen) genauso wie bei uns. Und schicken genauso Unschuldige aufs Sündenbänklein. Das Eishockey wird immer schneller und intensiver, aber das menschliche Auge ist noch das gleiche wie zu den Zeiten von Julius Cäsar. Es ist extrem schwierig, jeden Regelverstoss sofort zu erkennen. Erst recht auf dem noch kleineren Eisfeld. Kommt dazu: Die Schiedsrichter müssen im Eishockey viel mehr als im Fussball auch noch darauf achten, den Spielern nicht im Weg zu stehen und werden dadurch abgelenkt.

Ja, sie sind in einem Bereich klar besser als unsere Refs: In der Körpersprache. Sie treten so sicher und bestimmt auf, dass gar keine Zweifel aufkommen und das Publikum den Eindruck hat: Ja, das ist der richtige Entscheid, so muss es sein. Punkt. Kleider machen Leute und eine autoritäre Körpersprache gute Schiedsrichter. Noch zu oft mahnt die Körpersprache unserer Unparteiischen in heiklen Situationen ein wenig an eine Katze, die etwas ausgefressen hat und signalisiert schon fast ein schlechtes Gewissen.

Dazu kommt: Die Grundeinstellung gegenüber den «Gesetzeshütern» auf dem Eis ist bei uns sehr oft unterschwellig eine negative. In Nordamerika ist der Respekt vor Amtspersonen und Gesetzeshütern auch im Hockey tiefer verankert. Missfallenskundgebungen gibt es zwar auch in der NHL – aber viel, viel seltener als bei uns. Und Schiedsrichterkritik von Spielern oder Coaches ist seltener und wird von der Liga sofort harsch gebüsst. Die Refs werden in der NHL besser geschützt als bei uns. Unvergesslich ist ja, wie Lausannes Gavin Bayreuther im Playoff-Viertelfinal gegen Langnau den Linienrichter Dario Fuchs ungestraft von hinten checken durfte.

Also: Ein bisschen mehr Respekt für unsere Schiedsrichter und ein wenig mehr Nachsicht, wenn einer das leere Tor nicht trifft: Always remember Nathan MacKinnon!

P.S. Eine noch grössere Chance als Nathan MacKinnon, seinem Team Gold zu sichern, hat der legendäre Josef Golonka beim Olympischen Turniers 1968 vergeben: Nach einem historischen Triumph gegen die UdSSR im zweitletzten Spiel hätte die CSSR mit einem Sieg in der letzten Partie gegen Schweden Gold geholt. Aber es reichte nur zu einem 2:2. Weil Josef Golonka, Captain und einer der technisch brillantesten Stürmer seiner Zeit kurz vor Schluss eine riesige Chance verpasste. Aber er hatte eine wunderbare Ausrede. Auf die Frage, warum er diese «todsichere» nicht gemacht habe, sagte der spätere HCD-Trainer (1988/89, im Januar 1989 gefeuert) später einmal:

«Ich sah mich schon als Held in Bratislava einfahren und alle schönen Frauen der Stadt zu meinen Füssen liegen … und weg war die Chance.»
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