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Melvin Nyffeler ist seit vier Jahren die Nummer 1 bei den Lakers.
Melvin Nyffeler ist seit vier Jahren die Nummer 1 bei den Lakers.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

«Magic Melvin» oder Pokern und Prassen in Zeiten des Virus

Wer sagt denn, die Lakers seien langweilig? Es gibt aus der vermeintlichen Hockey-Provinz eine kurzweilige Geschichte zu erzählen. Die Hauptperson: Torhüter Melvin Nyffeler.
22.01.2021, 08:3622.01.2021, 12:50

Am Anfang steht ein Hosentelefon-Anruf. Und daraus wird eine vergnügliche Reise an den Saum unserer Hockeywelt.

Melvin Nyffeler (26) ist seit vier Jahren die Nummer 1 bei den Rapperswil-Jona Lakers (nachfolgend Lakers genannt). Ein Torhüter mit Kultstatus. Aufstiegsheld. Cup-Held. So robust, dass er mehr als 40 Partien pro Saison zu schultern vermag.

So wie der Hausbau mit dem Fundament beginnt, so fängt die Zusammenstellung einer Mannschaft mit dem Torhüter an.

Ein Goalie ist zwar nicht alles. Aber ohne den Schlussmann ist alles nichts.

Also wird ein Sportchef, so er bei Sinnen ist, seine Nummer eins hegen und pflegen. Ihr chüderlen (= liebevoll umsorgen) und schmeicheln. Kurzum: alles tun, damit sie sich wohl fühlt. Zumal der letzte Mann nicht selten ein bisschen ein kauziges Wesen hat. Wer wählt denn schon einen Beruf, bei dem Tag für Tag, Training für Training, Spiel für Spiel Hartgummischeiben wie Geschosse mit mehr als 100 km/h auf ihn prasseln.

Ein weitsichtiger Sportchef achtet darauf, dass er seine Nummer 1 für die kommende Saison spätestens im Dezember unter Vertrag hat. Damit nicht an Weihnachten noch der Transferbaum brennt. So einfach. So wahr. So klar. Oder doch nicht?

Lugano hat kürzlich mit Niklas Schlegel verlängert.
Lugano hat kürzlich mit Niklas Schlegel verlängert.Bild: keystone

Nicht ganz. Inzwischen hat Lugano mit Niklas Schlegel verlängert und alle Klubs der höchsten Liga haben ihre Nummer 1 für die nächste Saison. Oder fast alle. Nur die Lakers nicht. Das ist der Grund, um mal nachzufragen.

Auf die Erkundigung, warum er nach wie vor nicht verlängert hat, sagt Melvin Nyffeler, kurz angebunden, es werde bald eine Lösung geben. Mehr gebe es nicht zu sagen. «Ich konzentriere mich darauf, mein bestes Hockey zu spielen.»

Das ist eine etwas knochige Auskunft für die einzige Nummer 1 der Liga, die noch keinen Vertrag für nächste Saison signiert hat. Da könnte es sich lohnen, noch ein paar andere Hosentelefone brummen zu lassen.

Und siehe da: es rockt bei den Lakers. Der Chronist unternimmt den Versuch, das Resultat aus mehr als sieben Hosentelefonaten in Form einer Hockey-Novelle zusammenzufassen. Mag sein, dass er da und dort angelogen worden ist. Aber er hat sich bemüht, nach bestem Wissen und Gewissen der Spur der Wahrheit zu folgen.

Also: Alles beginnt ganz harmlos und nach Drehbuch. Es hat noch Blätter in den Bäumen, als Sportchef Janick Steinmann (33) das Gespräch mit Melvin Nyffeler und seinem Agenten sucht. Er rühmt und bauchpinselt und skizziert seine Vorstellungen: ein Vierjahresvertrag bis 2025 im Gesamtwert von gut und gerne 1,3 Millionen.

Melvin Nyffeler sagt: «Ich konzentriere mich darauf, mein bestes Hockey zu spielen.»
Melvin Nyffeler sagt: «Ich konzentriere mich darauf, mein bestes Hockey zu spielen.»Bild: keystone

Ein eher tiefes Angebot für einen Spieler mit der Ausstrahlung und Bedeutung von Melvin Nyffeler. Aber in Zeiten der Krise zählen auch Sicherheit und Kontinuität.

Melvin Nyffeler signalisiert Einverständnis. Aber ein schriftliches Angebot gibt es noch nicht. Kein Problem. Das wird schon folgen. Wir sind schliesslich eine grosse Hockeyfamilie. Kommt dazu, dass sich Melvin Nyffeler von einer Corona-Infektion erholen muss.

Die Blätter fallen aus den Bäumen. Die Nebel ziehen vom See über die Stadtmauern und die Tage werden kürzer. Die Lage auf dem Torhütermarkt klart auf. Ivars Punnenovs verlängert in Langnau. Damiano Ciaccio erweist sich in Ambri als taugliche Nummer 1. Philip Wüthrich weckt in Bern vage Erinnerungen an Renato Tosio. Lugano verlängert mit Niklas Schlegel.

Berns Philip Wüthrich weckt vage Erinnerungen an Renato Tosio.
Berns Philip Wüthrich weckt vage Erinnerungen an Renato Tosio.Bild: keystone

Ehe der erste Schneesturm durchs Land fegt, wird das Torhüterkasino geschlossen: Rien ne va plus. Nichts geht mehr. Alle guten Jobs sind vergeben.

Vier Jahre für insgesamt 1,3 Million? Das war mal. Janick Steinmanns schlaues Pokerspiel geht auf. Nun offeriert er Melvin Nyffeler nur noch eine Verlängerung um ein Jahr zum bisherigen Salär von 270'000 Franken. Also nicht mal eine Lohnerhöhung. Take it or leave it.

Der schlaue, tüchtige Sportchef der Lakers hat sehr gute Chancen, dass «Magic Melvin» wohl oder übel akzeptiert, für ein Jahr unterschreibt und nächste Saison die Nummer 1 mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis sein wird.

Pokern in Zeiten des Virus. Gut gemacht. Oder doch nicht? Melvin Nyffeler ist ein Musterprofi. Er wird nicht schmollen. Seinen Marktwert kann er nur halten, wenn er nächste Saison sein bestes Hockey spielt. Nur dann kann er von einer zu seinen Gunsten veränderten Marktsituation profitieren. Wenn in Bern, Langnau, Biel, Lausanne oder Zürich die Torhüterfrage neu geregelt wird. Und natürlich auch bei den Lakers.

Wie klug ist es, eine Nummer eins mit einem schlauen Pokerspiel in der Eitelkeit zu kränken und die «innere Bindung» zum Klub womöglich irreparabel zu verletzen? Und wie wird diese Übung im Markt aufgenommen? Werden die Lakers so die begehrte Adresse, die sie so gerne sein möchten? Oder zementieren sie eher den Ruf eines Provinzclubs? Währt die Freude über den heruntergepokerten Lohn nicht lange? Heisst es bald: Kurzer Wahn, lange Reue? Und ist es gut für die «Chemie» der Mannschaft, wenn alle mitbekommen, welches Spielchen mit dem Torhüter getrieben wird?

Rappi-Trainer Jeff Tomlinson hat die Lakers in die National League und dort auf Playoff-Kurs geführt.
Rappi-Trainer Jeff Tomlinson hat die Lakers in die National League und dort auf Playoff-Kurs geführt.Bild: keystone

Pulverdampf steigt bei den Lakers auch bei einer anderen Schlüsselposition auf. Wie geht es weiter mit Trainer Jeff Tomlinson (50)?

Der Kanadier dürfte einer der meistunterschätzten Trainer der Liga sein. Es geht ihm ein wenig wie Melvin Nyffeler. Auch er ist mit den Lakers gross geworden und inzwischen so lange (seit 2015) dabei, dass seine Vertragsverlängerung erwartet wird. Und der Sportchef ganz tief in seinem Herzen – dort wo niemand hineinsieht – denkt: Der funktioniert doch nur bei uns. Der bleibt. Zumal die Erinnerungen an gemeinsam gemeisterte schwierige Zeiten zusammenschweissen. Und die Verdienste womöglich nicht mehr so gewürdigt werden, wie es sich gehört. Sinngemäss so wie es im Markus-Evangelium steht: «Nirgendwo gilt ein Prophet weniger als in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner eigenen Familie

Beim Cheftrainer, der die Lakers aus den Niederungen der Swiss League erlöst und zum Cup-Sieg geführt hat und jetzt auf Playoff-Kurs hält, geht es nicht in erster Linie um Geld.

Mischt sich Janick Steinmann immer mehr ins Tagesgeschäft seines Trainers ein? Bis hin zur Mannschaftsaufstellung und zu den Einsatzzeiten? So wird es erzählt. Wenn es stimmt – niemand, der bei Sinnen ist, wird sich in einer so heiklen Lage für eine Bestätigung zitieren lassen – ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass die Lakers in absehbarer Zeit ihr Bandenkommando neu besetzen müssen.

So geht also die Geschichte aus der Stadt der Rosen. Aufgeschrieben nach bestem Wissen und Gewissen. Sie ist nicht untypisch für eine gut gemanagte Hockeyfirma in der Übergangsphase vom Provinzclub zum national respektierten Titanen. Veränderungen provozieren Unruhe. So ist es zu allen Zeiten.

In den Zeiten des Virus wird nicht nur gepokert. Da und dort wird auch geprasst. Auch das gehört zu dieser Geschichte.

Dominik Egli zieht nach Davos weiter.
Dominik Egli zieht nach Davos weiter.Bild: keystone

Die Lakers verlieren ihren Verteidigungsminister Dominik Egli (22). Er wechselt mit einem Dreijahresvertrag nach Davos. Natürlich ist seine anstehende Züglete in die Berge ein Gesprächsthema in der Kabine. Seine Spielkameraden gehen davon aus, dass ihm der Dreijahres-Vertrag in Davos insgesamt 1,6 Millionen einbringen wird.

Der grosse Martin Plüss hat in seiner neuen Tätigkeit als Spieleragent zum ersten Mal so richtig am grossen Rad gedreht und schlau mit der Aussicht auf einen Transfer nach Schweden, auf eine neue Herausforderung gepokert. Schliesslich hat der einstige SCB-Kultcaptain ja einst erfolgreich in Schweden gespielt. Der «Egli-Handel» wird ihm neue Kundschaft bescheren.

Es gibt eben Sportunternehmen, die investieren in diesen unruhigen Zeiten klug in die Qualität der Mannschaft und andere lieber ins Büropersonal.

So können wir unsere Geschichte rund um die Lakers auch so zusammenfassen: Pokern und Prassen in Zeiten des Virus.

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33 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Herr Hans Müller
22.01.2021 09:20registriert Juni 2018
Nach dem "Verlust" von Egli, ist es fragwürdig ob die Lakers es verkraften können Melvin (nach einem weiteren Jahr) ziehen zu lassen. Bisher wurde jede Saison eine kleine, aber stetige Verbesserung am Team gemacht. Dies scheint mit dem potenziellen Abgang von Melvin und dem definitiven Abgang von Egli nun in Gefahr.
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sansibar
22.01.2021 09:01registriert März 2014
Dann ist er in einem Jahr eh weg... Würde sagen Herr Steinmann hat sich verpokert.
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Frau Anna Müller
22.01.2021 09:08registriert Juni 2018
Sven Leuenberger wird sich gerne bei Melvin melden und ihm ein gut dotierten Vertrag anbieten. Flüeler ist zu verletzungsanfällig und bald ohne Vertrag. Weber nicht mehr als ein guter Ersatzgoalie. Und Nyffeler kehrt bald nach Hause zurück.
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