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Scharfmacher an der Bande: HCD-Trainer Christian Wohlwend.
Scharfmacher an der Bande: HCD-Trainer Christian Wohlwend.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Die Antwort auf die Frage, ob HCD-Trainer Wohlwend ein gefährlicher Coach ist

Es gibt eine Linie, die Spieler und Coaches nicht überschreiten sollten. Aber sie tun es, weil Brutalo-Fouls von der Liga nach wie vor nicht hart genug bestraft werden. Kein Schuft, wer fragt: Ist Christian Wohlwend ein gefährlicher Coach?
01.04.2022, 21:0303.04.2022, 13:59

Beginnen wir mit einer allgemeinen Betrachtung. Die Polemik folgt am Schluss.

Gewalt ist im Hockey legal. Es ist erlaubt, den Gegenspieler mit Gewalt vom Puck zu trennen oder ihn daran zu hindern, den Puck weiterzuspielen oder in seinen Besitz zu kommen.

Bereits Checks, die in allen Teilen regelkonform sind, können zu Verletzungen führen. Beispiele dafür sind die Kollisionen zwischen Ambris Dominic Zwerger und Lausannes Fabian Heldner in den Pre-Playoffs oder Zürichs Denis Malgin und Biels Noah Schneeberger im Viertelfinal.

Das hässliche Gesicht des HCD

Die Versuchung ist gross, in schwierigen Situationen einschüchternde Härte als Fortsetzung des Spiels mit anderen Mitteln einzusetzen. Die beiden jüngsten Beispiele: Magnus Nygren gegen Sandro Forrer und Jannik Canova gegen Gian-Marco Wetter in der Viertelfinal-Serie zwischen dem HC Davos und den Rapperswil-Jona Lakers.

Dabei ist zu beachten: Beim Tempo, der Dynamik und der Intensität des modernen Hockeys sind Verletzungen – wie oben ausgeführt – auch dann möglich, wenn sich die Gewalt im Rahmen der Spielregeln bewegt. Gerade deshalb ist es wichtig, eine klare Linie zwischen legalen und illegalen Aktionen zu ziehen. Um Checks wie die von Nygren und Canova zu verhindern.

Im Portemonnaie muss es schmerzen

Jedes Spiel der Qualifikation und der Playoffs wird vom Fernsehen produziert. Es gibt also eine Rechtsgleichheit für alle. Die TV-Bilder sind so gut, dass Fehlurteile bei der Beurteilung einer Aktion praktisch ausgeschlossen werden können. Das bedeutet: Die Liga kann, wenn sie denn will, dafür sorgen, dass Checks wie jene von Nygren oder Canova nicht mehr vorkommen.

Den TV-Kameras entgeht kaum eine Szene.
Den TV-Kameras entgeht kaum eine Szene.Bild: EPA/KEYSTONE

Es wäre gar nicht so schwierig. Folgende Massnahmen sind juristisch problemlos durchsetzbar und würden hohe Wirkung erzielen:

  1. Der Spieler bekommt für die Zeit einer Sperre keinen Lohn.
  2. Der Coach kassiert die gleiche Anzahl Spielsperren und zahlt mindestens die gleiche Busse wie der fehlbare Spieler und erhält ebenfalls während der Zwangspause keinen Lohn.
  3. Die Höhe der Bussen wird dem versteuerten Einkommen angepasst.

Der Kult der Härte steht immer noch über allem

Der Coach hat am meisten Einfluss auf das Verhalten der Spieler. Er arbeitet praktisch jeden Tag mit ihnen. Angriffe gegen den Kopf eines Gegenspielers, Checks in Situationen, die gar keinen Check mehr erfordern und die nur dazu dienen, den Gegner einzuschüchtern, kann ein guter Coach genauso «abstellen» wie Fehlpässe und Stellungsfehler. Er kann sie aber auch tolerieren oder gar von seinen Spielern fordern.

Warum werden diese schon lange fälligen Massnahmen nicht endlich in die Tat umgesetzt? Weil die Ligaführung den Konflikt mit den Klubgenerälen scheut. Weil der Kult der Härte im Eishockey noch immer über allem steht: Nichts fürchtet ein Mann im Hockey mehr als den Ruf, ein Weichei zu sein.

Forrer (auf dem Eis) musste nach dem Foul von Nygren ins Spital.
Forrer (auf dem Eis) musste nach dem Foul von Nygren ins Spital.Bild: keystone

Klug berechnender SCRJ-Sportchef

Die bedingungslose Akzeptanz irregulärer Härte ist im Eishockey nach wie vor sehr hoch. Viel zu hoch. Lakers Sportchef Janick Steinmann hat vor laufender TV-Kamera den Angriff von Magnus Nygren auf Sandro Forrer – also auf seinen eigenen Spieler – verharmlost. Das gehöre bei den Playoffs dazu.

Unfassbar? Nein, klug berechnet. Steinmann ist der fähigste, smarteste Sportchef der neuen Generation. Es ist nicht seine Sache, diese Aktion verbal zu sanktionieren und sich in einem «Macho-Sport» dem Verdacht auszusetzen, ein weinender Knabe zu sein. Es ist an den Liga-Instanzen, die entsprechenden Sanktionen zu ergreifen.

Glücklicherweise sind Fouls wie die jüngsten zwei im Viertelfinal zwischen den Lakers und Davos Ausnahmen. Das führt aber mit dazu, dass die Liga nichts dagegen unternimmt. Die Empörung verebbt ja recht schnell. Wir gehen zur Tagesordnung über und alles bleibt, wie es ist: Ein paar Spielsperren, Bussen und Verfahrenskosten, die einen Sünder nicht mehr kratzen als eine Parkbusse und ihn nicht vor weiteren Taten abhalten. Sanktionen ohne jede Wirkung.

Wohlwend übertreibt es

Daran wird sich erst etwas ändern, wenn gefoulte Spieler Strafanzeige einreichen und die Versicherungen konsequent Regressforderungen gegen den Verursacher einer Verletzung und seinen Arbeitgeber stellen. Das wird noch eine Weile dauern. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Klubs und die Spieler in dieser Sache zur Kasse gebeten werden. Sechsstellig. Und ganz abgesehen vom Kostenfaktor: Jede Verletzung eines Spielers ist eine zu viel.

Und nun noch Klartext zur Serie HC Davos gegen die Rapperswil-Jona Lakers. Ja, natürlich heizt HCD-Trainer Christian Wohlwend seinen Spielern ein.

Noch eine Niederlage und die Saison ist für Wohlwend und den HCD beendet.
Noch eine Niederlage und die Saison ist für Wohlwend und den HCD beendet.Bild: keystone

Ja, natürlich zielten die Aktionen von Jannik Canova und Magnus Nygren rücksichtslos einzig und allein auf die Einschüchterung der gegnerischen Mannschaft. Diese überbordende Härte ist das letzte Mittel, das den Davosern bleibt, um die taktisch und spielerisch bisher klar überlegenen und besser gecoachten Lakers vielleicht doch noch bodigen zu können.

Gerade deshalb wäre es wichtig, auch den Coach, der diese Strategie der Gewalt anwendet – in diesem Falle Christian Wohlwend – so lange zu sperren und mindestens so hoch zu büssen wie seine fehlbaren Spieler.

Hier ganz kurz eine Polemik: Christian Wohlwend ist unter diesem Gesichtspunkt betrachtet ein gefährlicher Coach. Er übertreibt es mit dem Ein- und Anheizen. Ende der Polemik.

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41 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Donkey aka Graues Langohr
01.04.2022 21:57registriert Juni 2020
Ich bin schon sehr lange Zeit HCD Fan, aber dieses Spiel hat mich sehr traurig gemacht. Körperkontakt jut, faire Checks, jut. Aber nicht so!!! Die Gesundheit geht vor und was hier auf dem Eis abgegangen ist hat mich schwer enttäuscht. Hoffe ganz fest, dass am Samstag ein faires Spiel stattfindet!
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Sauerkraut
01.04.2022 21:28registriert Mai 2021
Gefährlich weil überfordert.
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FZappa
01.04.2022 21:12registriert November 2015
Ja, ist er und ein grosser Schwätzer noch dazu.
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«Pausenplatz-Hockey» und das Debüt für den nächsten Martin Gerber
Beste Unterhaltung und eine Lektion, für die Nationaltrainer Patrick Fischer tief in seiner Hockey-Seele sogar dankbar ist. Die Schweiz gewinnt gegen Kasachstan nur 3:2, bleibt aber dennoch auf Viertelfinalkurs.

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