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Die SCL Tigers holen Künstler Emil Pettersson aus Schweden

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Mit Emil Pettersson bedient sich Langnau erneut bei Timra.Bild: www.imago-images.de
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Emil Pettersson – ein Künstler für Langnau

Die SCL Tigers haben zwar gegen den SC Bern und Biel das Play-In verpasst. Aber das Rennen um Emil Pettersson gewonnen. Er wechselt definitiv auf nächste Saison zusammen mit seinem Freund Jonathan Dahlen nach Langnau. Die Emmentaler haben nun ein neues magisches Offensiv-Duo. Zwei schwedische Schmetterlinge, die nicht beissen.
24.03.2026, 19:0724.03.2026, 19:08

Der Vertrag ist unterschrieben, die Tinte trocken: Emil Pettersson stürmt nächste Saison für die SCL Tigers. Dank einer Ausstiegsklausel in seinem aktuellen Vertrag kann er seinen aktuellen Arbeitgeber Timra verlassen und für ein Jahr plus Option ins Emmental wechseln. Er folgt damit seinem Timra-Teamkollegen und Freund Jonathan Dahlen zu den SCL Tigers. Die beiden waren diese Saison bei Timra mit Abstand die besten Skorer: Jonathan Dahlen mit 55 Punkten (30 Tore, 25 Assists) und Emil Pettersson mit 46 Punkten (15 Tore, 31 Assists). Das bedeutet: Die Emmentaler bekommen ein neues, magisches Offensiv-Duo.

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Jonathan Dahlen stösst ebenfalls zu den Tigers.Bild: www.imago-images.de

Emil Pettersson, mit André Pettersson nicht verwandt, hat in der vergangenen Saison in der höchsten schwedischen Liga in 51 Partien 46 Punkte produziert. Die Scouting-Reports sind so interessant wie die Statistiken. Die Eindrücke der Scouts lassen sich so zusammenfassen:

«Emil Pettersson ist kein Spieler, der das Eis betritt wie ein Sturm. Er ist eher ein leiser Architekt, einer, der Räume sieht, bevor sie entstehen, und Passwege öffnet, noch ehe die Verteidiger begreifen, dass sie existieren.

Er ist ein Denker auf Kufen. Der Puck klebt nicht an seinem Schläger, er gehorcht ihm. Wo andere forcieren, verzögert Pettersson; wo andere abschliessen, legt er quer – nicht aus Zögern, sondern aus Überzeugung, dass der bessere Moment stets noch kommt. Seine Kreativität ist keine Laune, sondern Methode. Sie speist sich aus Übersicht, aus Geduld, aus einem fast störrischen Glauben daran, dass Eishockey mehr sein kann als das blosse Überwinden von Widerstand.

Doch genau hier beginnt auch das Paradox seines Spiels. Denn während er das Spiel versteht, verweigert sich sein Körper bisweilen der Rauheit, die dieses Spiel verlangt. Emil Pettersson spielt Eishockey, als sei es Schach. In den engen Zonen, dort, wo Entscheidungen nicht mehr gedacht, sondern erkämpft werden müssen, verliert seine Eleganz an Durchschlagskraft. Er ist trotz einer NHL-Postur (187 cm/89 kg) kein Zerstörer, kein Brecher von defensiven Strukturen. Er ist als sanfter Titan ihr ‹Umspieler› – und das reicht nicht immer.

Sein Abschluss trägt denselben Zwiespalt in sich. Er kann treffen, gewiss. Aber er will oft mehr als das Tor: Er will das richtige Tor, den perfekten Moment, die ideale Lösung. Und so wird aus Überlegenheit gelegentlich Ineffizienz, aus Vision ein Zögern im falschen Augenblick.

Was bleibt, ist ein Spieler, der auf höchstem Niveau in Europa glänzt, ohne je ganz den Sprung in jene Sphäre geschafft zu haben, in der Talent allein nicht genügt. Die NHL verlangt Reduktion, Härte, Anpassung. Pettersson hingegen ist ein Spieler der Möglichkeiten, nicht der Vereinfachung. Einer, der das Spiel erweitert, statt es zu komprimieren. Deshalb hat er sich in Nashville nicht durchgesetzt und ist nicht über das Farmteam hinausgekommen (2017 bis 2019). Er ist kein Spieler für das raue Spiel auf den nordamerikanischen Eisfeldern. Aber perfekt für die Lauf- und Tempoliga National League.»

Das bedeutet: Langnau bekommt nach Jonathan Dahlen einen zweiten nordischen Künstler, der die Feuerkraft der Offensive erhöhen und das Powerplay besser machen wird. Aber Schmetterlinge beissen nicht: Für Wasserverdrängung, die Bandenpolitur und die Defensivarbeit werden vor allem die Schweizer Spieler sorgen müssen. Weder Jonathan Dahlen noch Emil Pettersson können oder wollen rumpeln. Es obliegt nun Trainer Thierry Paterlini, die Balance zwischen Kunst und Krampf zu finden und dafür zu sorgen, dass die Schweizer Spieler ihrem neuen offensiven Traumduo eine Gasse in den gegnerischen Verteidigungen machen.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Sportchef Pascal Müller hat das Rennen gegen die Sportverantwortlichen von Biel und Bern gemacht. Um Geld ging es nicht. Emil Pettersson hat sich für Langnau entschieden, weil er ahnt, dass bei ambitionierten Grossklubs (selbst in Biel wird mehr erwartet als in Langnau) ein kälteres Klima herrscht. In Langnau wird er sich wohler fühlen und wer sich wohl fühlt, spielt besser. Die Gefahr, dass er sich als Künstler bei einem Team, das im Tabellenkeller spielt, nicht durchsetzen kann, ist klein: Mit Timra hat er soeben in der höchsten schwedischen Liga auf Rang 12 die Playoffs verpasst und trotzdem die zweitbeste Saison seiner Karriere gespielt.

Mit der Verpflichtung von Emil Pettersson hat Langnau alle Ausländerpositionen besetzt. Die Emmentaler bestreiten auch wegen der Spengler-Cup Teilnahme die Saison von allem Anfang an mit sieben Ausländern: Mit den Verteidigern Juuso Riikola (32/FIN) und Santtu Kinnunen (25/FIN) sowie den Stürmern Saku Mäenalanen (31/FIN), Hannes Björninen (30/FIN), André Pettersson (35/SWE), Jonathan Dahlen (28/SWE) und nun Emil Pettersson (32/SWE). Harri Pesonen (37) kehrt nach Finnland zurück, wird aber als Verstärkungsspieler mit Langnau den Spengler Cup bestreiten. Sean Malone (30/USA) bekommt keinen neuen Vertrag und keine Einladung für den Spengler Cup.

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