Check gegen den Kopf oder nicht? Lugano-Stürmer Bertaggia droht juristisches Nachspiel
Im ersten Spiel im Playoff-Viertelfinal zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano hielten beide Mannschaften die Emotionen noch im Zaum. Gestern in Spiel 2 war die Lage eine andere: Schon nach wenigen Minuten kam es auf dem Eis in Lugano zu ersten Scharmützeln. So richtig eskalierte es aber einige Minuten vor der zweiten Pause.
Am Ursprung stand Alessio Bertaggia. Der Lugano-Stürmer nahm in der eigenen Zone Anlauf und checkte ZSC-Pendant Jesper Frödén auf illegale Weise. Nicht nur, dass Bertaggia für den Check gegen den Zürcher viel Anlauf nahm (Charging – oder zu Deutsch unerlaubter Körperangriff), er traf Frödén wohl auch am Kopf. In der Kameraeinstellung aus der Ecke stand noch Brian Zanetti im Weg, sodass der Moment des ersten Kontakts nicht genau sichtbar ist. In einer Kameraeinstellung von weiter weg sieht es hingegen schon nach einem Kopftreffer aus.
Als Bertaggia bemerkte, was er getan hatte, flüchtete er rasch auf die sich direkt vor ihm befindende Lugano-Spielerbank. Er machte die Rechnung allerdings ohne Juho Lammiko. Der Zürcher Center schnappte sich den Luganesi und zog ihn wieder aufs Eis – eine grössere Keilerei brach aus. Das Strafenresultat der Szene: 2 Minuten gegen Bertaggia wegen unerlaubten Körperangriffs sowie je zwei Minuten gegen Luganos Jiri Sekac und Jesper Frödén wegen übertriebener Härte. Sekac knöpfte sich den an der Rauferei eigentlich unbeteiligten und immer noch leicht benommenen Frödén vor.
Das Strafmass legt nahe, dass die Schiedsrichter Mark Lemelin (Kanada) und Daniel Piechaczek (Deutschland) wohl das Gefühl hatten, dass kein direkter Kopftreffer vorlag. Ansonsten hätten sie auf dem Eis wohl eine grosse Strafe ausgesprochen, um die Szene mindestens noch einmal auf den Bildschirmen anzuschauen.
MySports-Schiedsrichterexperte Tobias Wehrli war sich nicht sicher, ob tatsächlich ein Check gegen den Kopf vorlag. «Man sieht nicht richtig, wo der erste Impact ist», sagt der frühere Spitzenschiri nach seiner Analyse. Er sei darum hin- und hergerissen. Das Foul sei aggressiv und unnötig gewesen, auch wenn er glaube, dass der erste Kontakt nicht gegen den Kopf gegangen sei. Trotzdem sagte Wehrli: «Eine grosse Strafe wäre vertretbar gewesen.»
So droht Bertaggia womöglich noch ein juristisches Nachspiel. Stand jetzt wurde gegen den Lugano-Stürmer allerdings noch kein Verfahren eröffnet. (abu)
