Wenn einer nur noch für den SCB gut genug ist
Die Verpflichtung des kanadischen NHL-Sauriers war auch dem – wie sich in der Zwischenzeit zeigt – erfolgreichen Stilwechsel in Lugano geschuldet: weniger Künstler, Schillerfalter und Egoisten, mehr seriöse Mannschaftspieler. Da konnte es nicht schaden, gleich auf einer zentralen Ausländerposition einen Musterprofi zu verpflichten, der die gefragten guten Eigenschaften vorlebt.
Mike Sgarbossa ist alles andere als ein Schillerfalter. Er hatte zu wenig Talent, um in der NHL am grossen offensiven Rad zu drehen. Aber er war gut genug, um in den Farmteams ein hoch respektierter Leitwolf zu sein. Er hat in den Farmteams (AHL) in über 600 Partien mehr als 450 Punkte gebucht. In der NHL kam er nicht über 93 Partien (25 Punkte) hinaus.
In 13 Jahren hat er für nicht weniger als 10 verschiedene Teams gespielt (oder besser: gearbeitet) und keine Saison in der NHL ohne Relegation ins Farmteam überstanden. Transfers während einer laufenden Saison sind für ihn also kein Problem.
In den letzten 2 Jahren reichte es in der AHL in 85 Partien gerade noch für 14 Tore und immerhin 62 Assists. Diese Zahlen stehen für einen smarten, mannschaftsdienlichen Mittelstürmer, der eigentlich gut genug schien, um Luganos Schillerfalter auf den Aussenbahnen besser zu machen.
Aber eben: Er ist im Juli bereits 33 geworden, mit dem Alter nimmt die Tempofestigkeit in der Regel nicht zu und er hatte zuvor noch nie auf den grösseren Eisfeldern mit den längeren Laufwegen und dem höheren Tempo gespielt. Wie sich nun zeigt: Sein Talent reicht für unsere Lauf- und Tempoliga nicht. Auch die Hoffnung, dass er – wie es doch so schön heisst – die «kleinen Dinge» richtig macht, die nur der Trainer, nicht aber das Publikum sieht, hat sich zumindest in Lugano nicht erfüllt.
Seine Skorerwerte in der laufenden Saison sind mässig: Trotz reichlich Eiszeit (mehr als 15 Minuten pro Spiel) reichte es bisher in 27 Partien nur zu 18 Punkten (9 Tore) und zu Position 80 in der Liga-Skorerliste. Noch beunruhigender: Mit minus 6 weist er die miserabelste Plus/Minus-Bilanz des gesamten Teams auf und ligaweit sind sage und schreibe 57 ausländische Stürmer in dieser aussagekräftigen Statistik besser. Auf den Punkt gebracht: Mike Sgarbossa ist in Lugano dem Spiel offensiv und defensiv hinterhergelaufen. Nun wechselt er bis Saisonende zum SCB und nächste Saison muss Lugano halt schauen, was mit ihm geschehen soll. Janick Steinmann wird ihm sicherlich eine vorzeitige Auflösung des noch bis 2027 laufenden Vertrages anbieten.
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Luganos Sportchef Janick Steinmann begründet die temporäre Freigabe durchaus schlüssig: «Bei uns hat es einfach nicht funktioniert. Aber wer weiss, vielleicht klappt es in Bern.» Der Ausländermarkt sei zurzeit völlig ausgetrocknet. «Mehrere Klubs waren an einem Transfer interessiert. Am Ende blieben zwei und Mike hat sich für den SCB entschieden.»
Der Polemiker mag nun spotten: Der Kanadier wird sich gesagt haben: Zum Glück gibt es den SCB. Dort braucht es wenig, um als Ausländer zu genügen.
Der Optimist hingegen mahnt den Polemiker: Vielleicht ist der SCB in der National League der einzige passende Klub für Mike Sgarbossa. Wenn einer einen Spieler in ein System zu integrieren vermag, dann SCB-Bandengeneral Heinz Ehlers. Manchmal hilft es, wenn der Trainer die passende Rolle für ein Sorgenkind findet. SCB-Untersportchef Diego Piceci ist jedenfalls ein Optimist: «Mike Sgarbossa ist ein ausgewiesener Scorer und ein sehr intelligenter Spieler, der unserem Spiel zusätzliche Qualität verleihen wird.» Seine Worte im Ohr der Hockey-Götter.
Die Chancen stehen gut, dass Heinz Ehlers aus dem sanften, hüftsteifen kanadischen Saurier tatsächlich einen smarten, verlässlichen Center macht, der dem SCB bei der defensiven Ausrichtung helfen und die Mittelachse stabilisieren kann. Besser als die ausländischen SCB-Operetten-Verteidiger ist er sowieso. Und wenn das Hockey-Wunder ausbleibt, ist es halb so schlimm: Kein anderer NL-Klub hat so viel Erfahrung mit Ausländer-Flops wie der SCB. Die Fans werden dann halt sagen: «He nu so de, haut wider einä meh …»
