Geldregen beim Schweizer Verband – wo die Millionen aus der WM 2020 und 2026 versickern
Für die Durchführung ist eine Aktiengesellschaft gegründet worden, an der sich je zur Hälfte unser Verband (Swiss Ice Hockey) und die Vermarktungsfirma Infront beteiligen und die nach dem Turnier wieder aufgelöst wird. Das bedeutet: gemeinsames Projekt, halbiertes Risiko, halbierter Gewinn. Diese Aktiengesellschaft kümmert sich um die Durchführung der WM. Für den Verband ist es nicht notwendig, für das Turnier zusätzliches Personal einzustellen.
Die Pandemie hat zur Verschiebung der WM von 2020 auf 2026 und einem Geschäft mit biblischen Dimensionen geführt: Mit einem Einsatz von 350'000 Franken sind 13,40 Millionen verdient worden.
Die WM-Organisatoren von 2020 hatten eine Ausfallversicherung abgeschlossen. Die Prämie kostet 350'000 Franken. Dabei handelte es sich um eine «Vollkaskoversicherung». Konkret: Fällt die WM aus, bezahlt die Versicherung den gesamten Einnahmeausfall. Und der errechnet sich aus sämtlichen 64 Spielen vor ausverkauftem Haus. Es wäre ja theoretisch möglich gewesen, alle Tickets zu verkaufen.
Die WM-Organisatoren hatten 2020 bei einem Budget von 37 Millionen lediglich mit einem Gewinn von rund 3,5 Millionen gerechnet. Die Absage hat also 13,40 Millionen – rund 10 Millionen mehr als kalkuliert – in die WM-Kassen geschwemmt. Ohne dass eine Partie gespielt worden ist. Und ohne die Mühsal der immensen Arbeit, die mit der Durchführung der WM verbunden gewesen wäre.
So sind dank der Versicherung satte 6,7 Millionen (die Hälfte des WM-Reingewinnes) in die Verbandskasse geflossen. Die letzte WM 2009 in Bern und Kloten, nach dem gleichen Prinzip wie die Titelkämpfe 2020 organisiert, hatte lediglich einen Reingewinn von 3,10 Millionen gebracht und dem Verband die Hälfte davon – gut 1,5 Millionen – beschert.
350'000 Franken Prämien bezahlt, 13,40 Millionen Franken kassiert: Letztmals dürfte zu biblischen Zeiten ein solches Geschäft gemacht worden sein. Mit lediglich fünf Broten und zwei Fischen ermöglichte Jesus damals die Speisung von 5000 hungrigen Menschen, und als alle satt geworden waren, blieben immer noch zwölf Körbe voll Brot und Fisch übrig.
Nun wird mit der WM 2026 bei einem Budget von rund 45 Millionen ein Gewinn von rund 10 Millionen erwartet. Macht noch einmal rund 5 Millionen in die Verbandskasse. Diese einmalige und nie mehr wiederkehrende Konstellation mit dem Ertrag aus zwei WM-Turnieren (dem abgesagten von 2020 und dem echten 2026) in nur sechs Jahren führt dazu, dass der Verband im Geld schwimmt. Zurzeit werden in den Geldspeichern rund 15 Millionen gebunkert.
Ein Sportverband ist weder eine Bank noch eine Investmentfirma. Gemäss internen Richtlinien sollten in den Geldspeichern nicht mehr als 2,5 Millionen lagern und das Geld laufend in die sinnvolle Förderung unseres Hockeys investiert werden.
Die Frage ist also, wo bisher das Geld investiert worden ist. Der grösste Geldsegen der Geschichte kommt in erster Linie den Verbandsangestellten und den Funktionären zugute. Unser Verband leistet sich inzwischen – gemessen an den zu erledigenden Aufgaben – die grösste und teuerste Verbandsadministration der Hockey-Welt. Hier ein paar Kennzahlen, die zeigen, wo der WM-Geldsegen versickert.
- Seit 2021 ist der Personalbestand von 46 auf inzwischen sage und schreibe über 70 Vollzeitstellen hochgefahren worden.
- Seit 2021 ist der Personalaufwand von 12,50 auf rund 18 Millionen gestiegen.
- Seit 2021 sind die Lohnkosten für die sechsköpfigen Geschäftsleitung von 1,10 auf 1,30 Millionen gestiegen. Es hat also für die Chefs kräftige Lohnerhöhungen gegeben. Im Durchschnitt verdient also jedes Geschäftsleitungsmitglied mehr als 200'000 Franken. Nun ist gar der Ausbau der Geschäftsleitung auf acht (!) Mitglieder geplant, was zu einem weiteren Anstieg der Personalkosten führen wird.
- Angedacht ist eine Erweiterung des Verwaltungsrates von heute sieben stimmberechtigten Mitgliedern – obwohl fünf bei weitem reichen würden. Es ist ein schönes Hobby-Mandat in einer nicht primär gewinnorientierten Sport-Dienstleistungsorganisation. 10'500 Franken plus 4500 Pauschalspesen für ein gewöhnliches Mitglied. Der Präsident muss mit 90'000 Franken plus 30'000 Pauschalspesen nicht darben und der Vize mit 60'000 Franken plus 20'000 Franken Pauschalspesen auch nicht. Früher dienten die Verbands-Funktionäre dem Hockey. Heute verdienen sie am Hockey.
Zum Vergleich: Der Deutsche Eishockey-Bund, der am ehesten mit unserem Verband vergleichbar ist – auch in Deutschland ist das Profihockey vom Verband unabhängig – kommt etwa mit der Hälfte des Personals aus.
Die Verantwortung für diesen byzantinischen Ausbau der Administration trägt der Verwaltungsrat. Auf eine entsprechende Anfrage über die Hintergründe dieses in der Eishockey-Welt einmaligen Ausbaus der Administration seit 2021 lässt der Verband kurz und bündig ausrichten: «Wir äussern uns nicht weiter zu Personalfragen in der Öffentlichkeit.»
Grundsätzlich gilt: Das WM-Geld muss nach Satzungen und Weisungen zum Wohle unseres Hockeys eingesetzt werden. Das ist der Fall und Kritik völlig fehl am Platz: Den Funktionären, Verbandsangestellten und deren Chefs wohlgetan ist ja letztlich auch ein wenig unserem Hockey wohlgetan. Oder?
