Denis Malgin vor der Heim-WM: «Der Trainerwechsel schadet uns nicht»
Am Freitag beginnt endlich die Heim-WM. Merken Sie ein besonderes Kribbeln im Team?
Denis Malgin: Ich glaube schon, dass es etwas mit dem Team macht. Wir sind zu Hause in der Schweiz, in Zürich. Das ist ein recht grosses und cooles Erlebnis, weil wir das wohl nicht noch einmal erleben werden.
Wie schätzen Sie die Chancen der Schweiz ein?
Wir haben ein sehr gutes Team. Wir waren an den letzten beiden Weltmeisterschaften schon ziemlich erfolgreich, daran müssen wir jetzt anknüpfen. Wir freuen uns alle und sind sehr fokussiert.
Die Vorbereitung wurde durch die Affäre um Patrick Fischer und den Trainerwechsel zu Jan Cadieux gestört. Wie stark beeinflusst dies das Team?
Ich war nicht bei der Nati, als alles passiert ist, habe es aber mitbekommen. Es war am Anfang für alle ein Schock, aber wir sind da gut rausgekommen. In den letzten zwei Wochen, seit ich dabei bin, war dies kaum noch ein Thema und es ist wieder Normalität eingekehrt.
Dann ist der Trainerwechsel gut überstanden?
Ja, auf jeden Fall. Schlussendlich sind wir Profisportler und können damit sehr gut umgehen.
Cadieux war ja schon Assistent unter Fischer, hat sich da auf dem Eis überhaupt etwas verändert?
Zwei, drei Sachen, aber sonst nicht viel. Es ist alles recht ähnlich und so schadet der Trainerwechsel unserer Eingespieltheit überhaupt nicht.
Durch Fischers Entlassung wurde auch die Suspendierung von Lian Bichsel nochmal neu diskutiert. Sie kennen die Situation ein wenig: Patrick Fischer berücksichtigte Sie 2019 nicht für die WM und warf Ihnen vor, «nicht immer 100 Prozent Lust auf die Nati» gehabt zu haben. Wie blicken Sie darauf zurück – und können Sie nun eher mit Bichsel mitfühlen?
Ich war natürlich sehr enttäuscht damals. Das ist normal, man ist ehrgeizig und will in der Nati sein. Deshalb fühle ich aus einer Sportlersicht natürlich auch mit ihm. Schliesslich ist es eine Heim-WM. Es wäre nicht menschlich, wenn ihm das nicht nahegehen würde, dass er da nicht dabei sein kann. Aber es gibt eben diese Regel bei uns und dann ist es so.
Für Sie ist das kommende Turnier noch mal stärker eine Heim-WM, da die Nati ihre Spiele in Zürich austragen wird.
Genau, ich bin also richtig zu Hause. Es fühlt sich trotzdem etwas komisch an.
Weshalb?
Ich muss mich daran gewöhnen, hier im Hotel und nicht zu Hause zu schlafen. Obwohl ich ja eigentlich zu Hause bin, sehe ich meine Familie nicht. Aber sie werden sicher ein paar Mal vorbeikommen und schlussendlich sind wir hier, um Eishockey zu spielen, das ist unser Fokus.
Wird es schwieriger sein als bei Weltmeisterschaften im Ausland, auch mal etwas Freizeit und Privatsphäre zu geniessen?
Das sehe ich dann, wenn ich auf die Strasse gehe. Ich weiss es noch nicht. Wir müssen aber nichts anders machen, Eishockey wird überall gleich gespielt. Ja, es ist zu Hause und wird viele Schweizer Fans haben, die uns unterstützen werden, aber das gibt uns nur noch mehr Energie und das müssen wir ausnutzen.
Wie gut gelingt es Ihnen, nach Spielen auch mal abzuschalten?
Ich denke nach Spielen nicht mehr so viel darüber nach. Ich probiere natürlich daraus zu lernen, was nicht gut war, aber danach nicht mehr gross daran zu denken. Das gelingt mir ziemlich gut.
Seit Oktober 2023 haben Sie und Ihre Frau Emelie einen Sohn. Wie hat Sie das Vaterwerden in der Hinsicht verändert?
Es fiel mir schon immer einfach, Niederlagen abzuhaken. Aber jetzt ist es noch extremer: Wenn ich nach Hause komme, bin ich mit meinem Sohn und denke an nichts anderes.
Ihre Frau ist Schwedin, Sie sind Schweizer, haben aber russische Eltern. Welche Sprache wird zu Hause gesprochen?
Wir erziehen unseren Sohn dreisprachig. Meine Frau spricht mit ihm Schwedisch, ich Russisch und in der Kita lernt er Deutsch. Ich habe mir gedacht, wenn ich ihm schon eine Sprache beibringen kann, mache ich das auch. Das ist ja für ihn in Zukunft megacool. Solange es ihm nicht zu viel wird, versuchen wir das also so. Und bisher macht er es super.
Auf dem Eis ist Ihr kongenialer Partner Sven Andrighetto. Was macht Sie zusammen so stark?
Wir verstehen uns auf dem Eis sehr gut. Es hat einfach direkt gepasst, obwohl wir vorher nie so richtig Kontakt hatten. Wir haben beide eine gute Übersicht, können die Scheibe halten und auch mal den Extrapass spielen. Das macht es aus, glaube ich. Am Ende spielen wir einfach zusammen Eishockey. Das klingt jetzt einfach, aber es stimmt eben.
Hat man in den Playoffs gemerkt, wie wichtig Sie füreinander sind? Ohne Ihren Sturmpartner sind die ZSC Lions gegen Davos ausgeschieden und blieben Sie in fünf Spielen ohne Skorerpunkt.
Natürlich fehlt so ein Spieler dem Team, wenn er ausfällt. Vielleicht sind wir deshalb ausgeschieden und habe ich keinen Punkt gemacht. Gleichzeitig hatte ich aber meine Chancen, die ich schlicht nicht verwertet habe. Mache ich sie rein, sehen die Statistiken wieder anders aus. Ich bin kein Roboter, auch wenn ich gerne einer wäre. So ist unser Sport, aber natürlich: Wenn Sven und ich zusammen auf dem Eis sind, harmoniert es hervorragend.
Wie sehen Sie Ihre Rolle in der Nati? Letztes Jahr waren Sie der zweitbeste Skorer (1 Tor, 11 Assists), aber es gibt auch noch die NHL-Stars, die sicher Leaderrollen beanspruchen.
Ich probiere, auch ein Leader zu sein. Wir haben eine sehr coole Truppe, in der sich jeder einbringen kann. Ich versuche auf dem Eis voranzugehen und dem Team so viel wie möglich zu geben. So, wie ich es auch beim ZSC mache, wo ich einfach spiele.
Bei den Olympischen Spielen haben Sie sich im zweiten Spiel verletzt – blicken Sie immer noch enttäuscht zurück?
Natürlich tat das mega weh, dass Olympia für mich so früh geendet hat. Wenn die Saison ganz fertig ist, wird das sicher nochmal hochkommen, dass es cool gewesen wäre, zu spielen. Aber jetzt denke ich nicht daran, weil wir ja noch ein grosses Highlight haben. Deshalb blicke ich ausschliesslich nach vorne auf die Heim-WM.
Was ist Ihr persönliches Ziel?
Ich möchte jedes Spiel auf meinem persönlich besten Level spielen und dann sehen wir, wo wir landen.
