Wenn Langnaus Torhüter keine Siege mehr stehlen
Die Torhüter sind an allem schuld? Diese Analyse mag zugespitzt, provokant, unsachlich, überzogen oder gar schmähend und ungerecht sein. Aber sie ist Wahrheit, nichts als Wahrheit: Die SCL Tigers müssen um den Einzug ins Play-In bangen, weil Robin Meyer und Luca Boltshauser vor allem in den zwei letzten Partien gegen die SCRJ Lakers und Fribourg-Gottéron Lottergoalies waren.
Im alten Jahr sind Meyer und Boltshauser ein formidables Goalie-Duo. Eines der besten der Liga. Sie kompensieren sogar den Abgang von Stéphane Charlin (zu Servette), letzte Saison der beste Goalie der Liga. Also segeln die Langnauer noch im Januar auf Play-In-Kurs.
Dann kommt die Olympia-Pause. Und mit ihr die Wende. Vier Spiele, vier Niederlagen:
- 3:4 in Davos
- 1:3 in Kloten
- 3:4 gegen die Lakers
- 3:4 gegen Gottéron
Nicht weil Trainer Thierry Paterlini die Übersicht verliert, die Taktik oder die Disziplin nicht mehr stimmen, die Energie ausgeht oder allenthalben in Training und Spiel Nachlässigkeit und Hoffart Einzug halten. Sondern weil die Goalies nicht mehr dazu in der Lage sind, Siege zu stehlen. Vor allem in den letzten vier Partien. Dazu die Fangquoten:
- 3:4 in Davos. Robin Meyer 87,50 % / Luca Boltshauser 90,00 %.
- 1:3 in Kloten. Robin Meyer 91,89 %.
- 3:4 gegen die Lakers. Robin Meyer 80,95 %
- 3:4 gegen Gottéron. Luca Boltshauser 85,71 %
Wer Siege für ein Team mit dem limitierten spielerischen Potenzial der SCL Tigers stehlen will, muss in der Regel 93 und 94 Prozent der Pucks meistern. Diese Marke haben Langnaus Goalies zuletzt am 16. Januar erreicht bzw. übertroffen: Robin Meyer beim 3:0 gegen Servette.
Also die Frage an Trainer Thierry Paterlini nach dem 3:4 gegen Gottéron: Lässt sich die Krise auf die Torhüter reduzieren? Kein Trainer bei klarem Verstand beantwortet so eine Frage mit Ja. Er sagt deshalb: «Oder einer unserer Stürmer hätte ein Extra-Tor erzielen können.»
Wir können einwenden: Entscheidend war gegen Gottéron das Powerplay. Gottéron machte aus 12 Strafminuten drei Tore, Langnau aus 16 Minuten nur eines. Das Extra-Tor fehlte also tatsächlich. Aber ein gutes Powerplay ist in erster Linie eine Frage des Talentes. Gottéron hat viel, viel mehr Talent. Also ist es logisch, dass Langnaus Stürmer das Extra-Tor nicht zu erzielen vermochten.
Letzte Saison war die Welt im Emmental einfacher. Charlin hat immer und immer wieder Siege gestohlen. Mit einer Fangquote von 94,59 Prozent war er mit Abstand der beste Goalie der Liga. Die Tigers erreichten das Play-In auf Rang 8 mit vier Punkten Reserve auf Biel (11.).
Diese Saison haben Meyer und Boltshauser inzwischen eine Fangquote von weniger als 92 Prozent. Das ist die entscheidende Differenz – Langnaus Problem ist hinten, nicht vorne.
Das zeigt auch das Torverhältnis: 133:126 letzte Saison nach 52 Partien. Jetzt sind es nach 50 Spielen 139:140 Tore. Vorne besser, hinten löchriger.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
-
Erwarte
Doch der Sport ist gnädiger als das richtige Leben. Immer und immer wieder gibt es eine neue Chance. Wenn Robin Meyer oder Luca Boltshauser am Samstag in Biel doch noch einen Sieg nach 60 Minuten stehlen, dann stehen die Langnauer im Play-In. Und für Biel geht die Saison am Montag zu Ende.
Dann wird einer der beiden Lottergoalies ein Held sein. Und die finale Analyse wird plötzlich ganz einfach sein: Langnaus Torhüter rettete die Saison.
PS: Thierry Paterlini darf am Samstag in Biel auf ein paar Extra-Tore seiner Stürmer hoffen. Harri Säteri hatte am letzten Samstag für Biel in Bern den Sieg gestohlen (3:2, 94,87 % Fangquote). Aber am Donnerstagabend war er in Genf ein Lottergoalie (3:5, 76,14 % Fangquote).
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