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SCB-Manager Marc Lüthi wird Berater – was zum Problem werden könnte

Marc Luethi, CEO SCB, gibt seinen Ruecktritt waehrend einer Medienkonferenz des SC Bern bekannt, am Montag, 19. Januar 2026 in der PostFinance Arena in Bern. Der Unternehmer Juerg Fuhrer wird sein Nac ...
Dieses Mal verlässt Marc Lüthi den SCB wohl für immer.Bild: keystone
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Marc Lüthi – der SCB-Manager wird Berater und unterschätzt die Stöckli-Krankheit

Am Donnerstag wird Marc Lüthi (64) als SCB-Manager im kleinen Kreis im Rahmen eines Apéros in den SCB-Büros verabschiedet. Er verlässt den SCB für immer, wird Unternehmensberater und unterschätzt in rührend naiver Weise eine Besonderheit der Berner Kultur: Die Stöckli-Krankheit.
29.04.2026, 16:0929.04.2026, 16:09

Marc Lüthi ist seit dem Sommer 1998 die wichtigste Persönlichkeit beim SC Bern. Damals hat er den hoch verschuldeten Klub als General Manager übernommen und daraus die zeitweise grösste Hockey-Firma im Land gemacht.

Nun verlässt er am Donnerstag den SCB für immer. Er meint es durchaus ehrlich, wenn er sagt: «Ich werde mich nicht mehr einmischen.» Seine SCB-Aktien hat er dem Klub verkauft, er hat keinerlei Funktion mehr.

Marc Luethi, Geschaeftsfuehrer des SCB aufgenommen vor dem Spiel der Eishockey Nationalliga A des SC Bern gegen die ZSC Lions in der Bern Arena , am Samstag, 20. November 2004. (KEYSTONE/Juerg Mueller ...
Marc Lüthi im Jahr 2004.Bild: KEYSTONE

Nun wird Marc Lüthi Unternehmensberater für Buden und Beizen und – natürlich – auch Sportunternehmen. Zusammen mit seinem Militärkumpel Adrian Verdun hat er «The Hattrick» gegründet. Die beiden haben sich in jungen Jahren in der Infanterie-Offiziersschule kennen gelernt. Adrian Verdun, einst UBS-Mittelland-General und jetzt im Ruhestand, brachte es bis zum Oberstleutnant, Marc Lüthi immerhin zum Kompagnie-Kommandanten und SCB-General.

Die Bezeichnung «The Hattrick» steht gemäss Marc Lüthi für «Strategy, Execution, Succes.» Das sei die «heilige Dreifaltigkeit» der Unternehmensführung. Das Unternehmen das Unternehmen beraten will, startet am 1. Mai und an diesem Tag wird auch die Homepage aufgeschaltet (www.the-hattrick.ch). Das Büro befindet sich im Matten-Quartier, dem coolsten der Stadt Bern im Büro seiner Frau Bala Trachsel, die dort die florierende Werbeagentur «Republica» mit rund 30 Arbeitsplätzen führt. Um noch etwas Altersgeld zu verdienen, sitzt Marc Lüthi im Verwaltungsrat einer Rohstoffhandels-Firma in der Zentralschweiz.

Marc Luethi mit Gattin Bala Trachsel anlaessich der Swiss Ice Hockey Awards am Mittwoch, 16. September 2015 im Forum Fribourg in Fribourg. (KEYSTONE/Lukas Lehmann).
Marc Lüthi mit Ehefrau Bala Trachsel.Bild: KEYSTONE

Marc Lüthi will sich jetzt also vollständig vom SCB abnabeln und nicht mehr dreinreden. Die boshafte Frage sei erlaubt: Wie naiv ist Marc Lüthi eigentlich? Er unterschätzt geradezu sträflich eine ganz besondere Eigenheit der Berner Kultur: Die «Stöckli-Krankheit.»

Das Stöckli gibt es in dieser ausgeprägten Form nur im Bernbiet. Das Stöckli ist ein kleines Wohnhaus neben dem Bauernhof. Dorthin zog sich der alte Bauer zurück, wenn er seinem Sohn oder dem eingeheirateten Schwiegersohn den Hof überliess.

Aber die räumliche Distanz war so gering, dass es für den Bauer und die Bäuerin, wenn sie sich ins Stöckli zurückzogen, nicht den völligen Rückzug von der Arbeit bedeutete. Ein rechter Bauersmann besuchte wohl täglich den Hof, der jetzt in den Händen des Sohnes oder des Tochtermannes war, schaute in den Stall, überwachte Saat und Ernte, half auch mit in strengen Tagen. Besonders der Wald stand in der Regel noch unter Aufsicht des alten Bauern und der Holzhandel war seine Sache.

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Nun hatte der alte Bauer Zeit zu einem späten Einzug in die Welt «draussen». Er konnte sich Aufgaben widmen, für die er früher keine Zeit hatte. Er widmete sich der lokalen Politik, diente als Gemeinderat oder in verschiedenen Kommissionen. Gar manches Mitglied eines Bankverwaltungsrates wohnte im Stöckli, gar mancher Amtsrichter und Grossrat und schliesslich auch der legendäre Bundesrat Rudolf Minger. Und wenn der alte Bauer zwischen dem Bauernhaus und dem Stöckli hin- und her wanderte, so wurde er oft von der gut erzogenen Stöckli-Katze begleitet. Meistens lebte im Stöckli eine Katze, die sich beim alten Bauern eingeschmeichelt hatte und von ihm ausgiebig gestreichelt wurde. Sie unterschied sich deutlich von den aggressiveren, wilderen, dynamischeren Hofkatzen, die oft keinen Zugang zum Wohnraum der Menschen hatten.

Es gab aber nicht nur die Stöckli-Idylle und Stöckli-Romantik. Es konnte auch vorkommen, dass sich der Bauer zu früh von der Arbeit zurückzog und mit seiner freien Zeit nichts anzufangen wusste. Dann befiel ihn die sogenannte Stöckli-Krankheit. Sie zeigte sich unter anderem in Nörgelsucht und Misstrauen gegenüber jedermann, dem Verbreiten von Insiderinformationen aus Hof und Stall im Wirtshaus und provozierte Konflikte mit dem jungen Bauern und dessen Frau im Bauernhaus.

Gegen diese Stöckli-Krankheit gab es kein Mittel, keine Heilpflanzen. Sie galt als unheilbar, liess sich aber manchmal mit gutem Zureden und Geduld etwas lindern. Wo die Stöckli-Krankheit Einzug gehalten hatte, gab es auch keine wohlerzogenen, freundlichen Stöckli-Katzen. Die sensiblen Tiere flohen dem Hader und der Streitsucht. Weshalb kluge Leute früher sagten: sage mir, ob es eine Stöckli-Katze gibt, und ich sage Dir, wie es auf dem Hof zu- und hergeht.

So, und nun kehren wir wieder in die Gegenwart zurück. Wer wahrhaft boshaft ist, ersetze in der obigen Schilderung der Stöckli-Kultur den alten Bauern durch Marc Lüthi. Es gibt leider beim SCB keine Bürokatze, die uns verrät, ob sich Marc Lüthi immer noch einmische und deren Verhalten uns offenbaren könnte, ob es in den SCB-Büros rockt. Und der wichtigste SCB-Mann der letzten gut 25 Jahre meint es ja ehrlich, wenn er nun ein Leben ohne SCB plant. Aber es gibt für ihn kein Leben ohne SCB.

Das beginnt allein schon mit der Werbeagentur seiner Ehefrau. Der SCB ist ein grosser Kunde der Agentur «Republica». Frage deshalb an Marc Lüthi: Wird der SCB weiterhin Kunde des familieneigenen Unternehmens bleiben? «Ich denke schon.» Werden Sie bei den Verhandlungen am Tisch sitzen, wenn es um dieses Mandat geht? «Sicher nicht.» Wer’s glaubt, zahlt ein Goldvreneli.

Die Agentur «The Hattrick» wird auch Mandate aus der Sportwelt annehmen. Frage deshalb an Marc Lüthi: Kann sich auch der SCB beraten lassen? «Ich denke, die brauchen meinen Rat eher nicht.»

Marc Luethi, CEO SCB, links, umarmt nach Bekanntgabe seines Ruecktritts Carlo Bommes, Praesident SCB, am Ende einer Medienkonferenz des SC Bern, am Montag, 19. Januar 2026 in der PostFinance Arena in  ...
Ob SCB-Präsident Carlo Bommes nach wie vor Rat bei Marc Lüthi sucht? Der abtretende CEO glaubt nicht daran.Bild: keystone

Hinzu kommt noch etwas: Marc Lüthi wird nun «Papst». So wie jede Erklärung des Papstes weltweit beachtet wird und nicht nur kirchenpolitische Auswirkungen hat, so wird jedes Wort von Marc Lüthi über Eishockey im Allgemeinen und über den SCB im Besonderen hochpolitisch sein und in alle Richtungen interpretiert werden. Kurzum: Er kann sich gar nicht ins Stöckli zurückziehen. Er bleibt gefangen in seiner SCB-Geschichte, in der SCB-Kultur.

Das ist gut so.

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